Meinung

Das Plutonium von nebenan

Henning Noske.

Henning Noske.

Im Braunschweiger Stadtteil Thune vollzieht sich derzeit ein politisches Lehrstück: Bürger entdecken, wie sie in Sachen Strahlung, Strahlenquellen und Atommüll für dumm verkauft werden. Sie reiben sich die Augen angesichts der Unverfrorenheit, mit der nach der Maxime verfahren wird: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Informiert wird stets erst dann, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt.

Dabei haben sich zwei Dinge in unserem Land grundsätzlich verändert:

•Kritische Bürger lassen sich nicht mehr mit Halbwahrheiten abspeisen. Dann fragen sie erst richtig nach und werden schon mal wütend.

•Nach der Katastrophe von Fukushima sind die Menschen auch bei uns hochsensibel. Sie schauen noch genauer hin.

Viele Menschen sind nicht mehr bereit, sich mit Floskeln der Beruhigung abspeisen zu lassen. Sie sind dies vor allem dann nicht, wenn sie wie im Braunschweiger Stadtteil Thune nur wenige Meter vom Zaun eines Komplexes entfernt leben, der statt verlässlicher Informationen vor allem eine Überraschung nach der anderen liefert.

Wo man nicht wirklich weiß, was noch alles auftaucht. Wo Erweiterungspläne Angst machen, wenn Transparenz ein Fremdwort ist. Wo Politik und Aufsichtsbehörden derzeit nicht jenes Vertrauen erwecken, das nötig ist.

Angesagt ist nicht Geheimhaltung im vermeintlich öffentlichen Interesse. Wer hier Vertrauen gewinnen will, muss offensiv informieren und aufklären. Das öffentliche Interesse an den Vorgängen und Inhalten in Thune ist spätestens seit dem Plutonium-Bekenntnis der Verantwortlichen keine Nachweispflicht der Öffentlichkeit mehr, sondern eine Bringschuld der Verantwortlichen.

Übrigens auch deshalb, um den Unternehmen und ihren Mitarbeitern in Thune eine verlässliche Grundlage zu geben. Sie leisten in der Nuklearmedizin Großes und haben jede Unterstützung verdient. Aber nukleare Abenteuer neben Schulen und Wohngebieten rufen wütende Bürger auf den Plan. Mit Recht.

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