„Radschnellweg bringt keine Entlastung im Berufsverkehr“

Radfahrer fahren in Bochum auf einem Radweg über die Erzbahnschwinge: Den geplanten Radschnellweg zwischen Braunschweig und Wolfsburg sehen unsere Leser überwiegend kritisch.

Radfahrer fahren in Bochum auf einem Radweg über die Erzbahnschwinge: Den geplanten Radschnellweg zwischen Braunschweig und Wolfsburg sehen unsere Leser überwiegend kritisch.

Foto: Oliver Berg / dpa

Alle Leserbriefe beziehen sich auf die Berichterstattung über den „Super-Radweg“ und die Leserbriefe dazu:

Ein Radschnellweg von Braunschweig nach Wolfsburg ist sicher schön für einige Sonntagsradler im Sommer, wird aber keine Entlastung im Berufsverkehr bringen. Warum diskutiert man nicht über den etwa 40 Jahre alten Plan einer Straßenbahnverbindung von Salzgitter, Braunschweig, Lehre nach Wolfsburg bis ins Werk? Heute gibt es Bahnen mit Brennstoffzellen, so dass keine Oberleitungen mehr gebaut werden müssen. Auch eine Linie von Fallersleben nach Nordsteimke zu den Neubaugebieten bietet sich an, die Nordhoffstraße muss sowieso saniert werden. Wichtiger als neue Traumziele wäre auch eine qualitative Verbesserung der bestehenden Radwege mit korrekter Beschilderung und Kennzeichnung mit Richtungspfeilen.

Ulrich Claus, Hattorf

Sinnvoll wäre Ausbau der Straßenbahn

Dieser Radschnellweg würde zu einem Kostengrab werden, auch mit seiner laufenden Erhaltung und einem Winterdienst bei zweifelhafter Nutzung. Gleichzeitig wäre er die verpasste Chance für eine sinnvolle Verbindung der beiden Schwerpunkte unserer Region unter Einbindung anliegender Gemeinden und der Möglichkeit, den Straßenverkehr zu reduzieren und die Umweltbelastung zu vermindern. Im Rhein-Ruhr-Bereich gibt es Beispiele, so die Verbindung von Duisburg und Düsseldorf durch eine Straßenbahn. Braunschweig plant die Verlängerung der Straßenbahntrasse in den Kern von Volkmarode hinein. Warum kann man hier nicht weiter denken und planen bis Wolfsburg, unter Umständen Teile der alten Bahntrasse nutzen, Haltepunkte mit Parkmöglichkeit an sinnvollen Punkten schaffen und so Autobahn. Bundes- und Landstraßen mit ihrer morgendlichen und abendlichen Auto- und Buskarawane entlasten? Der Busverkehr kann in ein solches System eingeflochten werden. Und vielleicht fällt neben der Trasse auch noch ein Streifen für Schnellradler und schönes Wetter ab. Einem einfallsreichen Regionalmanagement sollte hier doch wohl spezifisch für unsere Region Geeignetes und Sinnvolles einfallen.

Hermann Matthies, Lehre-Wendhausen

Radschnellweg nach Wolfenbüttel oder Salzgitter wäre wichtiger

Dass der Lehrscher Bürgermeister Andreas Busch zu dem Super-Radweg erklärt: „Wir werden uns finanziell nicht beteiligen“, ist nur verständlich. Eine Gemeinde wie Lehre hat es schon finanziell schwer genug, und ein Kindergarten ist wichtiger als so ein Prestigeprojekt. Dieser Radschnellweg sollte sicherlich kommen, aber hier sind der Bund und das Land gefragt, die müssen ordentlich Geld zur Verfügung stellen. Außerdem wäre es sinnvoll, Prioritäten zu setzen. Erstmal Geld in die Hand nehmen, um vorhandene Radwege auszubauen und auf Vordermann bringen. Beispiele gibt es genug: Bevenrode-Waggum, Lückenschluss Grassel-Bevenrode. Da kommt dann auch der ÖPNV ins Spiel. Zum Schluss sehe ich Wolfenbüttel und Salzgitter an erster Stelle für einen Radschnellweg, der dann vielleicht zur besseren Verkehrssituation in Braunschweig beitragen könnte.

Uwe Gülzow, Meine

Am Mittellandkanal gibt es bereits einen Radschnellweg

Zum Thema Radschnellweg möchte ich meinen spontanen Gedanken mitteilen, nämlich, dass es ja schon einen Radschnellweg gibt: am Mittellandkanal. Warum baut man den vorhandenen Radweg am Mittellandkanal nicht aus, anstatt für mindestens 18,6 Millionen Euro neu zu bauen? Der Mittellandkanal ist schon kreuzungsfrei, muss keine Hindernisse überwinden und verbindet die beiden Städte auf kürzestem Wege. Außerdem wird nicht unnötig Bodenfläche neu versiegelt. Die Argumentation des Bürgermeisters aus Lehre ist ebenfalls sehr gut nachvollziehbar und verdient Anerkennung.

Jörg Albert, Braunschweig

Autos müssen nicht überall freie Fahrt haben

Es ist sehr konstruktiv, wie diese Zeitung die Chancen des Fahrradverkehrs kommentiert. Da kommt dann die Frage der Umsetzung. Besonders in den Städten geht das nicht mit kostspieligem Neubau von Radstraßen, sondern nur mit Umwidmung von jetzt dem Auto offenen Straßen. Es gibt kein Naturgesetz, dass Autos überall freie Fahrt haben müssen. Im Wald haben wir das doch schon lange gelernt. Natürlich sind noch Glättungen und überlegte Regelungen der Verkehrsabläufe nötig. Aber die kosten nicht so viel. Und wenn die Luft in den Städten sauberer und es insgesamt leiser wird, dann haben wir doch alle sehr viel davon.

Dr. Richard Goedeke, Braunschweig

Ordentliche Radwege würden mir reichen

Sehr viele Straßen in Braunschweig müssen dringend vernünftig ausgebessert oder der Belag erneuert werden. Ringgleis-klasse. Aber auch die vorhandenen Radwege müssten überarbeitet werden. Sie weisen gefährliche Löcher oder ebenso gefährliche starke Huckel auf, dass sogar die Fahrradkette abspringt. Einfach nur gefährlich, wenn im Dunkeln gefahren wird – trotz Licht am Rad. Schlaglochmeldungen bringen nur bedingt etwas. Durch Wurzeln aufgebrochene Wege, Löcher, notdürftig und schlecht ausgebesserte Stellen, Autoeinfahrten über den Radweg, in denen einfach Steine entfern wurden – lebensgefährlich! Ich muss mehr auf den Weg schauen als ich nach vorn gucke. Anstelle eines Radschnellweges wünsche ich mir Radwege, auf denen ich einfach nur normal fahren kann, ohne meinem Rad zu schaden oder mich in Gefahr zu bringen.

Anja Renz, Braunschweig

Hat die E-Bike-Industrie ihre Hand im Spiel?

Den drei Leserbriefschreibern vom 23. November kann ich nur voll zustimmen. Über 40 Jahre bin ich „ganzjährig“, täglich, zwischen 10 und 15 km ins Büro gefahren. Fast immer allein auf der Straße, nur auf kurzen Strecken konnte ich den Radweg befahren. Dabei war die gefährlichste Situation vom Radweg auf die Straße. Wenn aber, wie geschildert, auf der Strecke zwischen Braunschweig und Wolfsburg ein kompletter Radweg besteht, reicht es doch aus, die schlechten Wegstrecken auszubessern. Aber vielleicht hat auch hier wieder eine Lobby die Hand im Spiel, und zwar die der E-Bike-Industrie? E-Bike-Fahrer brauchen natürlich einen Radschnellweg bei den Geschwindigkeiten, die sie permanent fahren können. Denn wer als konventioneller Radfahrer einmal von einem E-Bike Fahrer überholt wurde, kennt den Blick der einem zugeworfen wurde.

Peter Hoffmann, Salzgitter

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