Kommentar

Frikadelle & Co.

„Am besten wäre ein Problem- und Qualitätsbewusstsein überall in der Branche.“

Vertrauen ist eine schöne Sache, in Sachen Lebensmittelsicherheit aber gänzlich fehl am Platze. Die Skala der Verfehlungen ist breit: Sie reicht vom vorsätzlich falsch ausgezeichneten Gammelfleisch, das im Umlauf gehalten wird, über gepanschtes teures Olivenöl bis hin zu jenen Frikadellen, von deren Verzehr der Hersteller nun selbst warnen musste. In den Jahresberichten der zuständigen Behörden finden sich Jahr für Jahr etliche Beispiele.

Zwar gab es 2018 in Niedersachsen bei mehr als 60.000 Kontrollen nur 534 Bußgeldverfahren und 105 Strafverfahren. Das zeige, wie gering der Anteil schwerwiegender Verstöße sei, erklärte Agrar- und Verbraucherschutzministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) zum Verbraucherschutzbericht 2018. Kontrollen ergaben aber unter anderem Keimbelastungen bei Tiefkühlgemüse bis Tiefkühlkräutern oder Hygiene-Probleme bei Schlagsahne in Eisdielen und Konditoreien. Die Gesundheitsrisiken durch Salmonellen oder Listerien wie einmal mehr im aktuellen Fall sind teilweise erheblich. Würde mehr kontrolliert, würde noch mehr gefunden. Doch das Personal dafür ist begrenzt.

Für den Verbraucher ist also ein offenes Auge angesagt, ohne in Hysterie zu verfallen: Augen auf beim Lebensmittelkauf. Und die Behörden werden wenig mehr tun können, als Schwerpunkte zu setzen. Am besten wäre ein Problem- und Qualitätsbewusstsein überall in der Branche. Doch wo harter Wettbewerb herrscht, bleibt das schon mal auf der Strecke.

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