Vollsperrung: Der provisorische Damm unter der A7 gibt nach

Braunschweig.  Polizei: Wellen auf der Fahrbahn bis zu 20 Zentimeter tief. Experte: In gewissem Umfang ist ein Absinken des Dammes normal.

Heftige Bodenwellen: An der Schadstelle soll der Belag ausgefräst und neu aufgetragen werden

Heftige Bodenwellen: An der Schadstelle soll der Belag ausgefräst und neu aufgetragen werden

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Erst macht man jahrelang Ausschreibungen, damit man das billigste Angebot bekommt. Und jetzt wundert man sich…

Dies schreibt Stephan Jung auf unseren Facebook-Seiten.

Zum Thema recherchierten Andreas Eberhard und Dirk Breyvogel.

Der Boden unter der A7 nahe der Anschlussstelle Derneburg ist in Bewegung. Die Folgen: Heftige Wellen auf der Fahrbahn. Und laut der Autobahnpolizei Hildesheim hat die Fahrbahn in den letzten 48 Stunden weiter nachgegeben. „Zunächst haben wir eine Vertiefung der Fahrbahn von wenigen Zentimetern festgestellt, heute sind die Bodenwellen bis zu 20 Zentimeter tief“, erklärte ein Sprecher. Seine Kollegen, die die Baustelle absichern, hätten das berichtet. Die Achsen der Dienstfahrzeuge würden beim Befahren des abgesackten Streckenabschnitts teilweise durch die Bodenwellen ausgebremst.

Wie kam es auf rund 12 Metern zur Senkung des mächtigen Damms? Dieser stützt die Fahrbahn übergangsweise, bis sie, wie vor den Bauarbeiten, wieder über eine Brücke führen soll.

Starker Regen hat Untergrund aufgeweicht

Der Untergrund des provisorischen Damms sei weniger stark verdichtet und aufgrund starken Regens aufgeweicht gewesen – diese Erklärung der Bodenwelle durch die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hält Dr. Matthias Rosenberg für möglich. Allerdings, so der stellvertretende Leiter des Instituts für Grundbau und Bodenmechanik der TU Braunschweig, könne man ohne genaue Kenntnis der Gegebenheiten vor Ort – etwa der Bodenbeschaffenheit, der Baupläne oder der Dränage-Anlagen – über die tatsächlichen Ursachen nur spekulieren.

Wellen, Risse, Stufen an kritischen Übergängen

Zudem seien Absenkungen an sich nicht automatisch problematisch, sagt Rosenberg, selbst 10 bis 20 Zentimeter seien durchaus verkraftbar. Gefährlich werde es dann, wenn angrenzende Straßenbereiche sich weniger oder anders verformten. Dies sei etwa der Fall, wenn ein provisorischer Damm, wie im aktuellen Fall, an eine Brücke angrenze. „Dämme und Brücken unterscheiden sich grundlegend in ihrem Verformungsverhalten. Während Dämme nachgeben, sind Brücken, die die Belastungen durch den Verkehr in Widerlagern auffangen, eher starr.“ Dadurch könne es in den Übergangsbereichen zu Wellen, wie auf der A7, im Extremfall auch zu Rissen und Stufen kommen.

Auf die Bodenbeschaffenheit kommt es an

Ob es im Einzelfall zu Absenkungen oder sogar zu Hebungen kommt, hänge von der Art des Untergrunds ab. Während manche Böden durch Wasser aufweichten und absackten, könne Feuchtigkeit bei anderen Böden zum Aufquellen führen. Hier könne ein Absenken der Fahrbahn auch durch Austrocknen des Erdreichs bedingt sein.

„Gewisse Risiken werden in Kauf genommen“

Pfusch am Bau, wie ihn unser Leser in seinem Kommentar suggeriert, kann Rosenberg anhand der verfügbaren Informationen nicht erkennen. Die Oberflächen des Damms sähen auf den ersten Blick vorbildlich aus, sagt der Bauexperte bei einem Blick auf eine Luftaufnahme der betroffenen Stelle. Er betont aber auch, eine seriöse Analyse sei auf Grundlage eines Fotos allein nicht möglich. „Aber unvorhergesehene Starkregenereignisse bergen immer das Risiko, dass etwas passiert.“ Ob man sich gegen jeden möglichen Schadensfalls wappne und versichere oder gewisse Risiken in Kauf nehme, werde vom Bauherrn im Einzelfall abgewogen.

Verkehrsfluss um jeden Preis?

Auch die Entscheidung, den Verkehrsfluss auf der A7 um jeden Preis aufrecht zu erhalten, könnte eine – zumindest indirekte – Ursache der jetzt notwendig gewordenen Vollsperrung sein. Schließlich dient der abgesackte provisorische Damm dem Zweck, die Autobahn während des Neubaus einer Brücke befahrbar zu halten. „Solche Hilfsmaßnahmen, die das Aufrechterhalten des Verkehrs gewährleisten, machen den Ablauf der Bauarbeiten deutlich komplizierter und langwieriger“, sagt Grundbau-Experte Matthias Rosenberg.

Fehlende Ruhezeiten bei provisorischen Dämmen?

Dabei ist der Bau solcher Dammkörper ausgesprochen aufwendig. Üblicherweise würden 30 bis 50 Zentimeter starke Lagen von sogenanntem nichtbindigen Material – Schotter, Kies und Erdreich – übereinander aufgeschichtet und jeweils einzeln mit Walzen verdichtet, schildert der TU-Ingenieur. Vorher müsse der Untergrund entsprechend vorbereitet werden. Eine solche Verdichtung über eine Bodentiefe von einem Meter hinaus sei mit herkömmlichen Walzen aber kaum möglich. Deshalb sei ein anschließendes Nachgeben des Bodens und ein Absinken des Damms in gewissem Umfang völlig normal. Anders als bei auf Dauer angelegten Fahrbahn-Dämmen, bei denen der Untergrund Monate Zeit habe, sich zu setzen, entfalle diese Ruhezeit mitunter bei nur auf Zeit errichteten Aufschüttungen, erklärt Rosenberg.

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