Neudorf-Platendorf. Die Alte Schule bekommt ein neues Leben eingehaucht. Das gaben die Architekten, Bürgermeister und Zeitzeugen dem Haus mit auf den Weg.

Von der ersten Idee bis zur Vollendung hat es zehn Jahre gebraucht: Am Samstag wurde Neudorf-Platendorfs Alte Schule wiedereröffnet, und zwar rundumerneuert als neue Kulturstätte. Bei der feierlichen Zeremonie gab es auch einige Anekdoten und Überraschungen.

Die Architekten der Planschmiede 2KS haben den Saal im Erdgeschoss mit Stahlträgern so gestaltet, dass die ursprüngliche Aufteilung in drei Klassenräume immer noch zu sehen ist.
Die Architekten der Planschmiede 2KS haben den Saal im Erdgeschoss mit Stahlträgern so gestaltet, dass die ursprüngliche Aufteilung in drei Klassenräume immer noch zu sehen ist. © FMN | Reiner Silberstein

Architekt Michael Köllner von der Planschmiede 2KS sprach in seinem Rückblick vor mehr als 100 Gästen von einer „Wiedererweckung“ des fast 150 Jahre alten Gebäudes im Herzen des Moordorfes. Bis Ende der 1970er Jahre war es als Schule in Betrieb, dann bis 2009 als Sozialwohnhaus. Der Denkmalschutz habe der Sanierung feste Rahmen gesetzt, so Köllner - Kreisbaudezernentin Ute Spieler nickte mit dem Kopf. „Es gab schützende Bausubstanz in vielen Details.“ Auch dass der große Saal im Erdgeschoss einst aus drei Klassenräumen bestand, sollte sichtbar bleiben. Die Planschmiede hat dies mit Stahlträgerkonstruktionen gelöst.

Patrick Kellner (von links) und Michael Köllner von der Planschmiede 2KS überreichten Sassenburgs Bürgermeister Jochen Koslowski den symbolischen Schlüssel für die Kulturstätte.
Patrick Kellner (von links) und Michael Köllner von der Planschmiede 2KS überreichten Sassenburgs Bürgermeister Jochen Koslowski den symbolischen Schlüssel für die Kulturstätte. © FMN | Reiner Silberstein

„Das Gebäude behielt aber auch einige Geheimnisse“, sagte der Architekt: Für den in Chroniken und von Zeitzeugen genannten Betraum der Kirche unter dem Dach, seien keine Hinweise mehr gefunden worden. Dafür aber ein Diktatheft, als die Handwerker einen alten Schornstein öffneten. „Und das“ - welch ein Zufall - „gehörte einst einem Bekannten der Planschmiede!“ Köllner freute sich, dass die Bevölkerung an den Sanierungsarbeiten stets interessiert war: „Das war ein tolles Gefühl.“

Männergesangverein und Frauenchor testen die Akustik des Saals

Köllner und sein Kollege Patrick Kellner überreichten Sassenburgs Bürgermeister Jochen Koslowski den symbolischen Schlüssel. Koslowski gestand, dass noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen seien: „Die Bühnentechnik fehlt noch“ - und prompt ließ ihn das Mikrofon gelegentlich im Stich. Bis dahin hatte er aber schon das Wichtigste verkündet, hatten auch Männergesangverein und der Frauenchor die gute Akustik des Saals ohne Verstärker getestet.

„Der Mittelpunkt des dörflichen Lebens“ sei die Alte Schule schon früher gewesen, sagte Koslowski, „nicht umsonst heißt die Straße hier so.“ Genau das soll das Haus auch wieder werden - mit kulturellen Veranstaltungen, als Domizil der Kulturschmiede, als Veranstaltungsort für Vereine und Grundschule sowie mit dem Jugendcafé im Obergeschoss. Das hat sich die Gemeinde auch einiges kosten lassen - wegen der allgemeinen Preissteigerungen auch mehr, als geplant: rund 4,7 Millionen Euro, von denen 2,25 Millionen gefördert wurden.

Pastor Dobutowisch: „Mögen die Schulden bald beglichen sein!“

Pastor i.R.. Peter Dobutowisch sprach den Haussegen („Gott segne dich, altes Haus! ... Ein guter Geist soll hier herrschen. ... Mögen die Schulden bald beglichen sein!“) und gab den Startschuss für den heiteren Teil der Feier. Der fand seine Fortsetzung in der Rede von Heinrich Doc. Wulfes: „Ich bin hier groß geworden. Dieses Haus hat unheimlich viel gesehen. Dies hier (Bereich der Bühne) war die erste Klasse. Und wer nahe am Kanonenofen saß, der mit Torf befeuert wurde, wurde gegrillt.“

Er hatte auch einen Vorschlag für die Namensgebung des Saals, auch die sollte dreigeteilt sein, und zwar benannt nach den Lehrern, die dort einst unterrichteten: „Raum 1 könnte man Frau Ehorn nennen, Raum 2 Willi Jasper, der auch Babbel genannt wurde, und Raum 3 Fritze Göhde.“ Apropos Namen: Auch für das Gesamthaus hatte Doc. Wulfes eine Idee: „Brückgraben-Philharmonie“.

Auch Kulturschmiede-Chef Günter Bischoff sorgte für Lacher im Saal: „Hier an dieser Stelle habe ich meine erste Backpfeife bekommen, weil ich in meinem Setzkasten kein eu gefunden habe.“ Rechtzeitig zur Kulturstätten-Eröffnung präsentierte sein Verein am Samstag auch das druckfrische Programmheft und machte gleich noch Werbung für den 23. Februar: Dann kommt TV-Moderatorin und Schriftstellerin Tine Wittler mit ihrem Buch „Die Prinzessin und der Horst“ zu Besuch.

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