Braunschweig. Vom Kiezklo bis zum Pissoir unter Denkmalschutz: Der kürzeste Weg zum nächsten WC? Unsere Karte zeigt alle Standorte samt Öffnungszeiten und Kosten.

Wussten Sie eigentlich, dass Braunschweig rund 20 öffentliche WC-Anlagen hat? Man findet sie quer über die Stadt verteilt vom Bienroder See im Norden bis zum Herdbergsee im Süden. Alle werden täglich gereinigt – manche nur einmal, wie zum Beispiel das WC-Häuschen im Westpark, andere zwei- bis dreimal wie die Anlagen an der Helmstedter Straße und am Rathaus, und ein WC sogar fünfmal, nämlich das stark genutzte stille Örtchen mitten im Trubel auf dem Kohlmarkt.

Die meisten öffentlichen Toiletten sind behindertengerecht und können mit einem Euro-Schlüssel geöffnet werden (kostenloser Zugang). Dabei handelt es sich um ein europaweit einheitliches Schließsystem, das den Zugang zu barrierefreien Toiletten ermöglicht. Der Euroschlüssel ist nach Vorlage entsprechender Nachweise in Braunschweig für einmalig 25 Euro erhältlich.

Im Braunschweiger Kiezklo können auch Frauen kostenlos pinkeln

Eine Besonderheit in Braunschweig ist das Unisex-Urinal im „Kiezklo“ an der Südstraße. Der WC-Kubus in unmittelbarer Nähe zur Partymeile war 2021 eröffnet worden. Recht schnell gab es damals Kritik an einem Umstand, der eigentlich gar nicht grundsätzlich neu war, sondern die meisten WC-Anlagen in Braunschweig betrifft: Während das Urinal für Männer kostenfrei zugänglich ist, müssen Frauen 20 Cent zahlen.

Die Stadtverwaltung erklärt das einerseits mit dem Hang vieler Männer zum Wildpinkeln, sobald Geld verlangt wird. Andererseits werden Toilettenanlagen leider schnell beschädigt und extrem verschmutzt, wenn sie frei zugänglich sind. Und das wiederum kann und will man Menschen mit Behinderung, älteren Menschen oder auch Kindern nicht zumuten.

Ein Blick in das öffentliche WC am Braunschweiger Rathaus.
Ein Blick in das öffentliche WC am Braunschweiger Rathaus. © Unbekannt | Cornelia Steiner

Die Lösung: Braunschweigs Gleichstellungsbeauftragte Marion Lenz regte damals ein Unisex-Urinal an. Es ist etwas länger als die herkömmlichen Männer-Urinale und ermöglicht auch Frauen das Pinkeln im Stehen. Hochbaudezernent Holger Herlitschke lies sich darauf ein, und seit vergangenem Jahr hat das Kiezklo ein Unisex-Urinal, das auch Frauen kostenlos nutzen können. Übrigens: Wenn man drin ist, wird die Tür verriegelt – die Intimsphäre wird also gewährleistet.

Weil es Unisex-Urinale noch nicht von der Stange gibt, musste laut der Stadtverwaltung ein Prototyp handwerklich entwickelt werden. Die Kosten für die Entwicklung sowie den nachträglichen Umbau und die Anpassung der Toilettenanlage: 8600 Euro. Wenn neue Toilettenanlagen künftig von vornherein entsprechend geplant werden, rechnet die Stadt mit Zusatzkosten von rund 3200 Euro.

Und so sieht es aus, das Unisex-Urinal im Kiezklo.
Und so sieht es aus, das Unisex-Urinal im Kiezklo. © Unbekannt | Cornelia Steiner

Von Rund-um-die-Uhr WCs und denkmalgeschützten Anlagen

Übrigens: Das Kiezklo ist eines der WCs mit den längsten Öffnungszeiten in Braunschweig. Es kann durchgehend zwischen 5.30 Uhr bis 5 Uhr genutzt werden, ist also nur frühmorgens für eine halbe Stunde geschlossen. Die meisten öffentlichen WC-Anlagen sind nachts geschlossen. Weitere Ausnahmen neben dem Kiezklo: Komplett durchgehend geöffnet sind die Urinalanlage am Rathaus (Dankwardstraße), das Pissoir an der Frankfurter Straße und die beiden denkmalgeschützten Pissoirs am Theater und an der Fallersleber-Tor-Brücke/Humboldtstraße neben dem Botanischen Garten.

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Letztere haben schon eine lange Geschichte hinter sich. Das Häuschen am Staatstheater wurde 1896 erbaut – als eine von einst mindestens sechs öffentlichen Bedürfnisanstalten für Männer. Weitere Standorte waren am Augusttor sowie Wolfenbütteler Straße, Frankfurter Straße und Kaiserstraße. Wegen ihrer achteckigen Konstruktion wurden und werden die historischen Toilettenhäuschen in Braunschweig und andernorts auch als „Café Achteck“ bezeichnet. Ein Blick in das Pissoir am Staatstheater lohnt sich allemal – es hat innen einen besonderen Charme.

Das historische Pissoir am Staatstheater in Braunschweig.
Das historische Pissoir am Staatstheater in Braunschweig. © Archiv | Norbert Jonscher

Wie gut ist die Braunschweiger Innenstadt mit WCs versorgt?

In der Fußgängerzone oder nah dran finden sich vier öffentliche WC-Anlagen: direkt auf dem Kohlmarkt hinter dem Suppen-Restaurant „Ut’n grooten Pott“, an der Rückseite des Rathauses an der Dankwardstraße, ganz nah am Altstadtmarkt direkt gegenüber der Martinikirche und etwas abseits in der Südstraße.

Natürlich bieten auch die Schlossarkaden und viele andere Geschäfte ihren Kundinnen und Kunden WCs an – zum Beispiel Karstadt, Peek & Cloppenburg, C&A, Buchhandlung Graff. Vielfach sind dort 50 Cent fällig.

Welche öffentlichen WCs haben einen Wickelplatz?

In zwei Toilettenanlagen ist es möglich, Babys zu wickeln: Im WC-Häuschen an der Herzogin-Elisabeth-Straße direkt am großen Spielplatz neben der Matthäuskirche am Eingang zum Prinzenpark, und laut der Stadtverwaltung ebenso am Fernbusbahnhof neben dem Hauptbahnhof.

Wie teuer sind Wartung und Reinigung der öffentlichen WCs in Braunschweig?

Die Stadt nannte im vergangenen Jahr beispielhaft die Kosten für die noch recht neuen WC-Anlagen in der Südstraße und im Inselwall. Demnach wird für die Wartung grob mit 2400 Euro pro Jahr und Anlage gerechnet. Die Toiletten werden laut der Verwaltung einmal wöchentlich angefahren und gewartet. Für die Reinigung fallen der Stadtverwaltung zufolge pro Monat jeweils rund 1100 Euro an.

Insgesamt liegen die jährlichen Unterhaltungskosten für die öffentlichen WC nach früheren Angaben der Stadtverwaltung bei rund 200.000 Euro für Reinigung und fast 50.000 Euro für die Instandhaltung.

Das öffentliche WC am Kohlmarkt – eines der am stärksten frequentierten.
Das öffentliche WC am Kohlmarkt – eines der am stärksten frequentierten. © Unbekannt | Cornelia Steiner

Wie viel Geld nimmt Braunschweig mit den öffentlichen WC-Anlagen eigentlich ein?

Auf eine entsprechende Anfrage der BIBS-Fraktion hatte die Stadt im vergangenen Jahr geantwortet: „Die Einnahmen der einzelnen WC-Anlagen werden nicht gezählt. Sie werden nach der Entleerung bei der Stadtkasse eingezahlt.“ Fakt ist: Die Kosten sind höher als die Einnahmen von 20 Cent pro Toilettengang.

Warum gibt es in Braunschweig keine „Nette Toilette“?

Das Konzept „Nette Toilette“ wird bereits in etlichen Städten umgesetzt. Dabei ermöglichen insbesondere Gastronomen den Innenstadt-Besuchern, ihre WCs kostenlos zu nutzen. Aufkleber im Eingangsbereich zeigen an, wo es die „Nette Toilette“ gibt. Auch eine Smartphone-App zeigt Fußgängern die Route zur nächsten Toilette oder zu einem Wickelraum.

Die beteiligten Gastronomen erhalten von der Stadt eine Aufwandsentschädigung, um Kosten für Reinigung, Wasser und so weiter aufzufangen – in der Regel zwischen 50 und 100 Euro monatlich. Die Restaurants und Cafés wiederum gewinnen hier und da auch zusätzliche Kunden. Auf diese Weise kann ein flächendeckendes Netz an frei zugänglichen Toiletten entstehen, die sauber und bis spät in die Nacht geöffnet sind. Die Kosten für die jeweilige Stadt sind niedriger als für den Bau, die Wartung und Reinigung öffentlicher Toiletten. Die Idee zur „Netten Toilette“ entstand vor etlichen Jahren in Aalen. Inzwischen sind viele Städte dabei – unter anderem Bremen, Lübeck, Dortmund.

Braunschweig hat sich dagegen entschieden. Zuletzt hatte die Gruppe „Direkte Demokraten“ im Rat der Stadt im Jahr 2022 die Beteiligung am Konzept der „Netten Toilette“ gefordert. Die Stadtverwaltung antwortete darauf in Abstimmung mit der Braunschweig Stadtmarketing GmbH und dem Arbeitsausschuss Innenstadt (AAI), dass man keinen Bedarf sehe: „Aus Sicht des AAI können Besucher und Kunden während der Ladenöffnungszeiten bereits auf ein ausreichendes Netz an Toiletten der (innerstädtischen) Händler und Gastronomen zurückgreifen. Die Optimierung durch die Umsetzung des markenrechtlich geschützten Konzeptes ,Nette Toilette’ durch lokale Gewerbetreibende und Gastronomen wird deshalb als nicht zielführend erachtet.“