Schützenplatz Braunschweig

Zirkus in Braunschweig mit den Rittern in der Todeskugel

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Die Ritter in der Todeskugel: Carlo, Fabian, Guilmer und David aus Kolumbien.

Die Ritter in der Todeskugel: Carlo, Fabian, Guilmer und David aus Kolumbien.

Foto: Henning Noske

Braunschweig.  Circus Probst gastiert mit Weltklasse und Traumwelten. Wir sprechen mit der Chefin: Wie geht es dem Zirkus? Wie viel Geld wird pro Tag benötigt?

Der Zirkus ist in der Stadt. Und zwar nicht irgendeiner, sondern einer der Großen in Deutschland: „Circus Probst“ (Zirkus mit „C“, also der West-Ableger der berühmten Zirkus-Familie). Am Donnerstag um 17 Uhr ist Premiere. Sechs weitere Shows bis Sonntagnachmittag. 1400 Plätze umfasst das Zirkuszelt. Ortstermin am Dienstag auf dem Schützenplatz.

Vier Teufelsfahrer aus Kolumbien der Weltklasse-Truppe um Andrés Torres lassen die Maschinen aufheulen. Damit kreiseln sie in irrwitziger Fahrt umher in der „Todeskugel“. „Keiner ist so verrückt wie die“, sagt Zirkuschefin Brigitte Probst. Aber es klingt anerkennend. Seit März läuft die aktuelle Tournee, mehr als 30 Gastspiele sind schon gelaufen. Wir sprechen mit Brigitte Probst.

Was ist aktuell das größte Problem für den Zirkus?

Es ist wie in der Gastronomie: Zu wenig Personal! Die ganze Familie hilft ja schon an allen Ecken und Enden mit, macht ganz viele Dinge selbst. Aber natürlich fehlen immer noch Leute. Deshalb haben wir eine große Artisten-Truppe aus der Mongolei vom Staatszirkus verpflichtet, Top-Leute, Spitzenklasse – und wir setzen sie für Extra-Geld auch für wichtige weitere Aufgaben ein. Von diesem Deal haben jetzt alle was. Aber stellen Sie sich das bitte nicht so einfach vor. Man muss schon ein gutes Geld in die Hand nehmen, um eine solche begehrte Truppe finanzieren zu können. Flüge, Krankenversicherung, einfach alles muss vorfinanziert werden. Dann noch ein unfassbarer bürokratischer Aufwand, alles mit einem halben Jahr Vorlauf und viel Risiko, Botschaft, Visum, Behörden und vieles mehr. Aber wir sind ja Profis. In Deutschland gibt es nur zwei Zirkusunternehmen, die es schaffen, eine so große Truppe an Bord zu nehmen.

Wie teuer ist es, ein Unternehmen wie Ihren Zirkus über Wasser zu halten?

Gehen Sie von täglichen Kosten von rund 8000 Euro aus. Eher mehr. Das müssen wir einspielen.

Gelingt das?

Durch Corona haben wir eine sehr schwere Zeit hinter uns. Doch die laufende Spielzeit ist gut, sehr gut sogar. Die Menschen sind förmlich ausgehungert nach Events. Vor allem Familien mit Kindern waren ja stark gehandicapt. Wir merken das: Der Besuch ist sogar besser als vor Corona. Und unser großes Plus ist: Wir haben Zirkus, den du woanders nicht siehst. In Kiel waren wir fast zwei Wochen ausgebucht.

Warum brauchen wir gerade jetzt den Zirkus?

Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Um einmal abzuschalten von diesen ganzen Nachrichten! Wer mag, wer will das immerzu hören? Wir müssen und wollen mal wieder eintauchen in eine wunderbare Welt. Ja, der Zirkus ist auch harte Arbeit, ja, wir müssen auch rechnen, aber wir liefern diese Geschichten, nennen Sie es Traumwelt oder wie Sie wollen. Menschen brauchen das! Ich seh’ das grad beim Weihnachtszirkus, den wir in Gelsenkirchen veranstalten. Die Leute kaufen Karten wie verrückt.

Aber, ganz ehrlich, ich habe auch ein bisschen Angst vor dem nächsten Jahr. Wie geht das alles weiter? Was soll werden? So geht es gerade vielen Menschen.

Illusionen, Show, Topleistung, schöne heile Welt – nichts haben wir gerade nötiger als das.

Das will ich sagen. Abschalten, neugierig sein, zweieinhalb Stunden an nix Böses denken. Keine Nachrichten, keine Kriegsbilder. Und doch ist das Realität und geht ja nicht weg. Wir haben hier in unserem Zirkus insgesamt 19 Menschen aus der Ukraine aufgenommen, kümmern uns um sie, können ihnen Halt geben. Die Welt da draußen ist, wie sie ist. Aber hier drinnen ist der Zirkus!

Vorstellungen in Braunschweig auf dem Schützenplatz an der Hamburger Straße am Donnerstag, 20. Oktober, um 17 Uhr (Familientag), Freitag, 21. Oktober und Samstag, 22. Oktober, jeweils um 16 und 19.30 Uhr – und am Sonntag, 23. Oktober, um 11 und 16 Uhr. Der Zirkus ist mit 25 Artisten aus Kolumbien, der Mongolei, Moldawien, Italien und Deutschland sowie einem Orchester aus der Ukraine unterwegs. Außerdem reisen auch 60 Tiere mit: Araber-Pferde, Watussi-Rinder, Kamele, Lamas, ein Emu, Kaltblüter, Ziegen und Esel. Alle Informationen: www.circus-probst.de

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