Braunschweiger Architektur-Studenten fordern: Uni, sei präsent!

Braunschweig.  Mit einer Demo wollen sie am Freitag auf ihre Wünsche aufmerksam machen: Zugang zu freien Arbeitsplätzen und Zeichensälen. Und was sagt die TU dazu?

Gähnende Leere: Blick in einen der Zeichensäle im TU-Hochhaus an der Mühlenpfordtstraße.

Gähnende Leere: Blick in einen der Zeichensäle im TU-Hochhaus an der Mühlenpfordtstraße.

Foto: Privat

Die Hochschulen sind im Corona-Modus: Alles läuft fast komplett online. Aus Sicht der Architekturstudenten der Technischen Universität sind dringend Lockerungen nötig. Mit einer Protestaktion vor dem TU-Altgebäude wollen sie an diesem Freitag darauf aufmerksam machen. Ihr Appell: „Uni, sei präsent!“

Wie Johanna Spies, eine der Organisatorinnen, erläutert, fordern sie vor allem ein Öffnen der Zeichensäle und anderer Arbeitsräume sowie Präsenzlehre in kleinen Gruppen. „Schulen und Kitas öffnen wieder, genauso wie Schwimmbäder und Kinos – natürlich alles unter bestimmten Maßnahmen“, heißt es im Protest-Aufruf der Studenten. Es reiche nicht, an den Unis komplett auf online zu setzen.

Zeichensäle und Arbeitsräume stehen leer

„Bei uns in der Architektur geht es darum, kreative Konzepte zu erstellen, auf denen ein Entwurf basiert“, betonen die Studenten. „Dieser Prozess wird bis zur Fertigstellung immer wieder kritisch hinterfragt durch Korrekturen von Professoren und Dozenten, aber auch andere Studierende. Es ist ein ständiger Austausch am Plan und Modell, dabei wird schnell etwas aufskizziert oder am Modell verändert. Dies online zu gestalten ist nahezu unmöglich.“

Gerade für jüngere Semester sei der direkte Austausch sehr wichtig, sagt Johanna Spies. Zudem habe kaum jemand in seiner Wohnung oder WG ausreichend Platz, um Modelle und Pläne anzufertigen. Die Zeichensäle und Arbeitsräume hingegen stünden leer. Die Architekturstudenten hätten Hygienekonzepte für die Räume erstellt. Nun gebe es eine Vereinbarung, dass zumindest Absolventen hinein dürfen – unter Aufsicht. Bislang sei aber selbst das noch nicht umgesetzt.

„Wir haben den Eindruck, dass man uns nicht vertraut“, sagt Johanna Spies. Im Protest-Aufruf heißt es: „Uns ist Corona nicht egal, und wir sind uns der Lage sehr wohl bewusst. Wir wollen zeigen können, dass wir verantwortungsvoll mit der Situation umgehen können. In vielen Bereichen leidet die Lehre sehr unter dem Onlinesemester.“

TU-Sprecherin: Wir haben Verständnis für die Wünsche

Wie TU-Sprecherin Elisabeth Hoffmann auf Anfrage unserer Zeitung erläutert, sollen die Zeichensäle für Absolventen (Bachelor und Master) jetzt geöffnet werden. Damit würden 140 Plätze freigegeben – von insgesamt 360. Man habe sich hierzu intensiv mit der Fakultät und dem Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) ausgetauscht. „Der Asta ist bei allen Fragen zu Lehre und Studium immer einbezogen“, betont sie.

„Wir folgen im Moment dem Prinzip, dass wir alles möglich machen, was notwendig ist, und auf alles verzichten, was nicht unbedingt notwendig ist“, so Hoffmann. Zwar lebe gerade das Architekturstudium auch vom Austausch, aber auf digitalem Wege sei viel machbar. Niemandem entstehe dadurch ein Nachteil etwa in Form von schlechteren Bewertungen oder Zeitverzug. Die TU sehe sich als große Einrichtung – rund 20.000 Studenten und 3700 Beschäftigte – in der Verantwortung, den Empfehlungen der Wissenschaftler Folge zu leisten.

Rund 3000 Veranstaltungen wurden digitalisiert

„Es geht bei uns sehr viel Energie in die Bewältigung der Corona-Pandemie“, sagt Hoffmann. Man habe von jetzt auf gleich auf digitale Formate umstellen können – rund 3000 Veranstaltungen seien digitalisiert worden.

„Gleichzeitig ist uns die Präsenzlehre ein echtes Anliegen“, betont sie. „Natürlich ist uns der Austausch zwischen Lehrenden und Studierenden und zwischen den Studierenden untereinander sehr wichtig.“ Das nächste Semester werde voraussichtlich ein Hybrid-Semester: „Wir werden dort öffnen, wo es möglich ist. Falls das Virus sich abschwächt oder es einen Impfstoff gibt, werden wir so schnell wie möglich die Präsenz wieder einführen.“

Zugleich sagt sie: „Wir sind nicht mit Schulen vergleichbar, sondern in vielen Bereichen eher mit einer Großveranstaltung.“ Bis zu 800 Personen sind zu normalen Zeiten in einer Vorlesung. Es gibt einen ständigen Wechsel zwischen Vorlesungssälen, Mensen, Seminarräumen und Lerngruppen. Weder könne man wie im Restaurant überall Listen auslegen, noch könne die TU die Nutzung der Corona-App vorschreiben. „Deswegen ist es illusorisch, kurzfristig zur Präsenzlehre zurückzukehren.“

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