Braunschweigs Brückenstreit geht in die nächste Runde

Braunschweig.  Die Stadtverwaltung ändert die Pläne für die neue Sidonienbrücke. Den Grünen ist die Brücke immer noch nicht breit genug.

Die Sidonienbrücke ist eine wichtige Okerbrücke, die die Innenstadt mit dem Westlichen Ringgebiet verbindet. Nur Fußgänger und Radfahrer können sie benutzen.  

Die Sidonienbrücke ist eine wichtige Okerbrücke, die die Innenstadt mit dem Westlichen Ringgebiet verbindet. Nur Fußgänger und Radfahrer können sie benutzen.  

Foto: STACHURA

Der Ärger um den geplanten Neubau der Sidonienbrücke geht weiter - und wird größer. Die Grünen werfen den Brückenplanern der Stadtverwaltung mittlerweile vor, einen Ratsbeschluss zu missachten und nicht problemorientiert zu arbeiten.

Dass ein Brücken-Neubau, der nur von Fußgängern und Radfahrern genutzt wird, schmaler als sein Vorgänger werden soll, das hat für mächtig Wirbel gesorgt. Erst bei den Radfahr-Verbänden und jetzt in der Politik . Folge: Die ersten Pläne hat die Stadtverwaltung bereits wieder kassiert und überarbeitet. Die sahen vor: Die heute 4,6 Meter breite Brücke wird in der Mitte aufgeweitet. Der Neubau wird in der Mitte 6 Meter breit sein. Genug Platz, damit Fußgänger auf der Brücke Halt machen können. Dieser Teil der Planung ist unstrittig.

Gestritten wird über die Frage: Wie breit sollen die Ein- und Ausfahrten der Brücke sein? Zurzeit sind sie 4,6 Meter breit. Vom Plan, sie nur vier Meter breit zu bauen, ist die Verwaltung mittlerweile abgerückt. Plan nun: Der Neubau soll ebenfalls 4,6 Meter breit werden. Mehrkosten von bis zu 100.000 Euro werden erwartet. Radfahrverbände und Grüne fordern jedoch: Auch die Ein- und Ausfahrt der Brücke sollen 6 Meter breit werden. Die Stadtverwaltung meint: Das geht nicht.

Denn in diesem Fall müsste: Ein neuer Plan samt neuem Zeitplan her, eine mächtige Platane gefällt werden und „die Schlankheit der Brücke wäre nicht mehr wie bisher gegeben. Die Brücke würde in der denkmalgeschützten Wallanlage sehr dominant wirken.“

Was den Denkmalschutz angeht, dazu sagt Rainer Mühlnickel, planungspolitischer Sprecher der Grünen und promovierter Landschaftsplaner: „Das sagt man, wenn man etwas nicht will. Tatsächlich ist dieser Vorbehalt natürlich quatsch. Auch eine breitere Brücke wird sich gut einfügen.“

Und auch die erwarteten Mehrkosten von 350.000 Euro schrecken Mühlnickel nicht: „Ich hätte nicht gedacht, dass die Verbreiterung auf sechs Meter so günstig wäre. Zumal Brücken über 80 Jahre abgeschrieben werden. Die Mehrkosten sind also zu verkraften.“

Was die Planer berücksichtigen sollten, dazu gibt es Handreichungen. Über diesen Punkt wird besonders stark gestritten. Denn die Grünen erinnern an einen Ratsbeschluss aus dem Jahr 2012. Damals wurde beschlossen: „Die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen der Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen in der jeweils aktuellen Fassung sind als verbindliche Planungsvorgabe zu beachten.“

Diese sogenannte ERA besagt: „Ab einer Verkehrsmenge von etwa 180 Fußgängern und Radfahrern in der Spitzenstunde sind die beiden Verkehre voneinander zu trennen.“ Wie hoch die Zahl der Fußgänger und Radfahrer in der Spitzenstunde auf der Sidonienbrücke ist, weiß man nicht. Die Verwaltung hat nun zählen lassen: 208 Radfahrer und 222 Fußgänger.

Doch ist es sinnvoll, auf der Brücke tatsächlich separate Fuß- und Radwege anlegen zu lassen, wie die ERA fordert? Die Brücke hat eine Mehrfach-Funktion: Sie ist Verbindung zwischen der Fahrradstraße Kreuzstraße/Sidonienstraße und der Fahrradstraße Hohetorwall. Ganz viele Nutzer fahren jedoch weiter Richtung Innenstadt, wo Nadelöhre warten. Die Planer erinnern daran: Die Brücke über den Neustadtmühlengraben ist zum Beispiel nur 2,5 Meter breit.

Für Susanne Schroth, der Vorsitzenden des Braunschweiger Radfahrervereins ADFC, stellt sich die Frage so nicht: „Dass die Sidonienbrücke als gefährliche Engstelle geplant wird, lässt sich doch nicht damit begründen, dass etwas weiter eine weitere gefährliche Engstelle besteht.“ Sie erinnert daran, dass die neue Sidonienbrücke 90 Jahre halten soll. „Ihre Planung müsse nachhaltig sein.“ Durch Neubaugebiete auf dem Gelände des Klinikums Holwedestraße und an der Kälberwiese wird die Zahl der Nutzer steigen.

Die Stadtverwaltung ist hingegen der Ansicht: Weil es keinen Anschluss an die breite Brücke geben werde, wäre eine Brückenbreite von 4 Metern bereits ausreichend. Und: „Wegen der begrenzten Wegebreiten und Platzverhältnisse im weiteren Verlauf bis zur Güldenstraße kann die Route über die Sidonienbrücke auch zukünftig nicht als die Hauptroute für den Radverkehr in die Innenstadt ausgebaut werden.“ Darum: „Für den Radverkehr aus Westen in die Innenstadt wird deshalb zukünftig insbesondere die etwas weiter südlich gelegene Sonnenstraße an Bedeutung gewinnen.“

Mühlnickel kündigt an, nun nach einer Mehrheit zu suchen: „Auch die SPD macht sich jetzt dafür stark, dass nach den ERA-Vorgaben gebaut wird.“

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