Okerbrücke Leiferde: Stadt kündigt neue Planung an

Braunschweig.  Die Verwaltung lehnt aber jenen Entwurf ab, den die Bürgerinitiative befürwortet. Die Begründung: Der Abfluss von Hochwasser sei nicht gewährleistet.

Seit Juni 2016 ist die marode Okerbrücke in Leiferde für den KFZ-Verkehr nicht mehr befahrbar.

Seit Juni 2016 ist die marode Okerbrücke in Leiferde für den KFZ-Verkehr nicht mehr befahrbar.

Foto: Norbert Jonscher

Schon seit mehr als zwei Jahren ist die Okerbrücke zwischen Leiferde und Stöckheim für Autos gesperrt – die Schäden sind zu groß. Eine neue Brücke soll her, doch seit Monaten gibt es darüber Streit. Jetzt könnte vielleicht Bewegung in das Thema kommen: Die Stadt kündigt an, dass sie bis Ende dieses Jahres eine optimierte neue Planung für einen Neubau vorlegen werde – mit veränderter Lage und Spannweite.

Zum Hintergrund: Die Verwaltung hatte im vergangenen Jahr eine 38 Meter lange Variante vorgeschlagen, ähnlich der Berkenbuschbrücke in Stöckheim. Sie sollte etwas nördlicher verlaufen als die alte, kleinere Brücke. Außerdem soll sie für Schwerlastverkehr geeignet sein – nur dann beteiligt sich auch das Land an der Finanzierung. Der Planungs- und Umweltausschuss und der Stadtbezirksrat hatten zugestimmt.

Doch in Teilen der Bevölkerung gibt es Protest: Etliche befürchten eine starke Zunahme des Verkehrs und eine Gefährdung der Okeraue in diesem Bereich. Eine Bürgerinitiative fordert vehement eine kleinere und günstigere Variante. Die Anwohner haben kürzlich auf eigene Faust ein Ingenieurbüro aus Nordrhein-Westfalen mit einer alternativen Planung beauftragt. Ergebnis: Die Ingenieure präsentierten eine Variante von nur 24 Metern Länge aus Holz und Beton. Ein Modell, das der Bürgerinitiative sehr gut gefiel. Der Stadtbezirksrat hatte daraufhin einen Antrag beschlossen, in dem die Verwaltung zur Prüfung dieser alternativen Variante aufgefordert wird.

Dies geschehe zurzeit, wie Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer auf eine Anfrage der Grünen-Ratsfraktion zur Ratssitzung in der vergangenen Woche erläuterte. Allerdings sei schon jetzt deutlich, dass dieser alternative Entwurf den Abfluss von Hochwasser behindern würde. Er scheide daher aus den weiteren Überlegungen aus.

„Der Hochwasserabfluss ist einer der wesentlichsten Faktoren für die Genehmigungsfähigkeit der Trasse mit der neuen Brücke“, so Leuer. Dies bekräftigte er am Mittwoch noch einmal in einer Pressemitteilung.

„Der Entwurf hat einen höheren Brückenüberbau. Dies bedeutet, dass die Brücke insgesamt höher würde, was längere Straßenrampen zur Folge hätte, die wiederum den Hochwasserabfluss behindern“, erläutert er. „Würde man die Brücke tiefer legen, wäre der Durchfluss unter der Brücke stärker eingeschränkt, was ebenfalls den Hochwasserabfluss insgesamt behindert. Dies gilt in gleicher Weise für die Länge des Überbaus. Wenn die Brücke zu kurz wird, verteilt sich bei Hochwasser entsprechend mehr Wasser auf die umliegenden Überflutungsflächen.“

Leuer betont, dass das im Holzbrückenbau renommierte Büro Miebach keinen umfassenden Planungsauftrag für einen Brückenentwurf gehabt habe, weil es von der Bürgerinitiative beauftragt wurde. Somit hätten mangels exakter Daten nur erste Überlegungen im Sinne eines Vorentwurfs erarbeitet werden können.

„Auch für die Trassenplanung und die Gründung der Brücke lagen dem Büro Miebach keine Grundlagen vor“, so Leuer. Die von den Ingenieuren vorgesehene und sehr niedrig kalkulierte Flachgründung scheide aus – wegen der vorhandenen Bodenverhältnisse sei vielmehr eine Tiefgründung auf Pfählen erforderlich.

Die Verwaltung ist Leuer zufolge dabei, die eigene überarbeitete Planung hinsichtlich der Förderfähigkeit mit dem Land abzustimmen. Ziel sei weiterhin eine nutzergerechte und anwohnerfreundliche Lösung, wie er es formuliert, die zugleich wirtschaftlich sei und den städtischen Haushalt möglichst gering belaste. „Nach wie vor werden verschiedene Brückenlagen und Trassen auf Umweltverträglichkeit, Hochwasserabfluss, Verkehr, Wirtschaftlichkeit und Realisierung untersucht.“

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