Zwei unerschrockene Seelen, die ihren Weg zu machen wissen

Braunschweig.   Im Lokpark läuft derzeit das Heimatmusical „Der Fluch der Oker“. Wir stellen die Figuren vor. Heute: Crazy Horst und Cilly Vanilli.

Crazy Horst wird gespielt von Cappucchino.

Crazy Horst wird gespielt von Cappucchino.

Foto: Marc Stantien / oh

Der schlaksige Westerner ist immer noch schräg und offensiv schrullig unterwegs, aber deutlich besser drauf.

Dank einer von Häuptling Schwarzer Berg spirituell geleiteten Schwitzhütten-Therapie hat Crazy Horst innere Stärke getankt (nur leider am Ende auch viel zu viel vom Selbstgebrauten). Somit hat Horst sein altes Trauma überwunden: Jahrelang hatte er darunter gelitten, dass ihm sein Skalp nicht etwa im heroischen Kampf gegen einen echten Wilden abhanden gekommen war, sondern durch eine banale halbe Eisenbahnschwelle, die ihm ein feiger Schurke hinterrücks über den Schädel gezogen hatte. Für einen Westerner verständlicherweise ein schmachvoller Schlag gegen das Selbstbewusstsein.

Nun aber sieht Crazy Horst hoffnungsfroh in die Zukunft, zumal er inzwischen eine bedeutende Hilfsarbeiter-Rolle im angehenden Brauerei- und Dosen-Imperium von Häuptling Schwarzer Berg und Agnes The Harp spielt.

Er macht sich dort zum unersetzlichen Horst und scheut sich auch zu keiner Tageszeit, die Qualität der Ware ein – vornehmlich des Hopfentrankes – ums andere Mal höchstselbst zu überprüfen. Wegen seiner Herzenswärme und vorbehaltlichen Menschenfreundlichkeit hatte die „Brunswick Daily Post“, das seriöseste Blatt am Platze, Crazy Horst kürzlich als Kandidaten zum „Mann des Jahres“ benannt.

Die Zeitung überschrieb ihr Porträt über Horst mit der Zeile: „Mit ihm würde jeder jederzeit Esel stehlen“ und schrieb weiter: „Crazy Horst kann keiner Seele was zuleide tun, höchstens seiner eigenen.“ Der derart Geehrte in typischer Bescheidenheit zur Nominierung: „Ich rechne mir keine großen Chancen aus, schließlich steht auch Scheriff Schunterhand auf der Liste.“ Die Wahl soll noch in der Woche vor Thanksgiving erfolgen. Auch wenn Crazy Horst bei den Damen zwar beliebt, aber keineswegs begehrt ist, pflegt er doch eine innige Beziehung zu Cilly Vanilli, der zuckersüßen und allseits geschätzten Bardame, die einst in Dolly’s Saloon das vielseitige Handwerk erlernte. Die junge Dame steht stets ein bisschen im Hintergrund, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Und immer, wenn Cilly Vanilli mal einen kleinen Schwips hat, dann ruft sie heiter aus: „Ich bin noch in keine Ehe als Jungfrau gegangen ...“

Während ihre einstige Ziehmutter Dolly Zaster die Chancen im Land der unbegrenzten Möglichkeit nicht ganz ausgeschöpft hat und nun ein trauriges Dasein in einem Damenasyl im fernen Memphis/Tennessee fristet, hegt Cilly den Traum, eines Tages direkt an einer der Umflut-Biegungen des Rio Oker eine schnuckelige kleine Bar zu eröffnen, in der sie nicht nur das heimische Walter’s genuine Draftbeer anbieten will, sondern auch – wenn die vertrackte Rechtslage wegen des Imports geklärt ist – garantiert rauschfreien Tee aus biologischem Anbau.

Der Gastrokritiker der „Brunswick Daily Post“ ist sicher: „Silly wird es schaffen. dank ihres Übersichtsvermögens auch in verwickelten Lagen, ihrer emotionale Intelligenz und ihrer instinktsicheren Bodenhaftung.“

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