Eintracht verhängt Stadionverbot gegen NPD-Chef

Braunschweig  Eintracht Braunschweig verhängt Stadionverbot gegen NPD-Chef. Der Staatsschutz ist bei der Soko dabei.

Eintracht hat ein Stadionverbot für HolgerApfel ausgesprochen.

Eintracht hat ein Stadionverbot für HolgerApfel ausgesprochen.

Foto: regios24/Mottl

Die Polizei und Eintracht Braunschweig wollen Zeichen setzen: Der Staatsschutz wird untersuchen, ob politische Extremisten an den Krawallen Pfingstsonntag beteilt waren. Eintracht Braunschweig erteilte gestern dem NPD-Parteivorsitzenden Holger Apfel Stadionverbot.

Dieser hatte das Spiel Eintracht gegen den FSV Frankfurt besucht. Die Begründung der Eintracht für das Stadionverbot: Er habe ein Foto mit einem Rasenstück aus dem Stadion ins Internet gestellt. Eintracht Braunschweig seien weder der Stadionbesuch von Apfel noch die Veröffentlichung des Fotos bekannt gewesen.

Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt: „Wir distanzieren uns erneut – wie schon seit langer Zeit – von jedwedem rechten Gedankengut. Eintracht Braunschweig ist fest entschlossen, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um jede Äußerung von rechtem Gedankengut im Zusammenhang mit Eintracht Braunschweig zu unterbinden. Wir werden daher alle rechtlich zur Verfügung stehenden Mittel nutzen und mit sofortiger Wirkung ein Stadion- und Hausverbot aussprechen, um ihn so dauerhaft aus dem Stadion fernzuhalten. Die Angelegenheit wurde bereits unseren Rechtsanwälten übergeben.“

Die Fußball-Krawalle in der Nacht zu Montag in der Neuen Straße sollen restlos aufgeklärt werden. Dazu wird auch der Staatsschutz in die Ermittlungs-Sonderkommission (Soko) „Neue Straße“ eingebunden. Der Staatsschutz verfolgt politisch motivierte Kriminalität. „Dass dies Pfingstsonntag der Fall war, dafür gibt es bislang keine Hinweise. Wir wollen aber die gesamte Szene erhellen“, so Leiter Klaus Buhlmann. Ein Staatsschutz-Beamter wird darum als Vollmitglied in der Soko arbeiten und sich nicht nur auf eventuell politisch motivierte Täter konzentrieren.

Die sechsköpfige Soko, so berichtete Polizeisprecher Joachim Grande, suche nach „40 bis 70 Gewalttätern.“

Dazu wird nun auch das Videomaterial der stationären Anlage Neue Straße/Sack ausgewertet. Untersucht werden müsse, so Grande: „Wie bewusst ist die Gewalt gesucht worden? Einige der 15 Festgenommenen sind uns als sogenannte C-Fans bekannt.“

Als C-Fans werden von der Polizei gewaltsuchende Fans bezeichnet, die im Umfeld von Fußballspielen Gewalttaten begehen. Grande relativierte die Auffassung, die Gewalttäter seien durch Alkohol völlig enthemmt gewesen: „Es wurden Blutproben entnommen. Mehr als 1,5 Promille Alkohol hatte keiner der Festgenommenen im Blut.“

Robin Koppelmann, Sprecher des Fan-Beirates, hat eine klare Position zu den Vorfällen Sonntagnacht. „Die Masse der Fans lehnt Gewalt ab. Diejenigen, die dort randaliert haben, waren keine klassischen Stadion-Fans. Wir vermuten, dass einige C-Fans dort dabei waren, die sonst nicht mehr ins Stadion gehen“.

Der Fan-Beirat ist eine Art Dachverband, der sich aus Eintracht-Fanclubs aller Richtungen zusammensetzt und soll die Fans als Ganzes repräsentieren. Auf dem viel diskutierten Internet-Video über die Krawalle in der Neuen Straße sei jedoch nicht klar zu erkennen, ob es sich bei den Randalierern um Personen aus rechten Hooligangruppen handele. Koppelmann: „Vermutlich handelt es sich bei den Tätern vorwiegend um Fans, die von der Größe des Events angelockt wurden, ansonsten aber keinen Bezug mehr zur Fanszene haben und nicht zu unserem üblichen Klientel gehören“.

Die Vermutung einer Berliner Tageszeitung, die Braunschweiger Fanszene befinde sich fest in rechter Hand, wies er entschieden zurück. „Wir können nicht ausschließen, dass sich auch im Stadion einige wenige Fans mit rechter Gesinnung tummeln, aber sie sind in der Eintracht-Fanszene nicht federführend.“

Der Fanbeirat wird die Vorkommnisse auf einer ihrer nächsten Versammlungen diskutieren – und gemeinsam überlegen, wie man präventiv dagegen vorgehen kann, dass sich so etwas nicht wiederholt. „Diese Leute einfach nur mit Stadionverbot zu bestrafen, ist, denke ich, nicht der richtige Weg, dadurch verlagert sich die Gewalt nur vors Stadion“, so die Bilanz des Fansprechers. „Wir müssen allen klarmachen, wie sehr solche Randale dem Ruf des Vereins schaden und dass damit die Grenze des Tolerierbaren eindeutig überschritten wurde.“

Auch der Leiter des Fanprojekts Braunschweig, Karsten König, distanzierte sich gestern im Namen der Fanbetreuung von den Randalierern. König: „Das sind Straftäter, die vorgeben Eintrachtfans zu sein, in Wahrheit jedoch der gesamten Fanszene und dem Verein schaden.“

König kritisierte, dass das Fanprojekt derzeit keine feste Anlaufstelle hat und nur mit 1,75 Stellen ausgestattet ist. Das nationale Konzept Sport und Sicherheit sieht eigentlich pro Fanprojekt drei Vollzeitfachkräfte und eine Verwaltungsfachkraft vor.

„Um wirksame und nachhaltige Projektarbeit leisten zu können, um die Fankultur dauerhaft zu beeinflussen und den Fans durch kontinuierliche Beziehungsarbeit nahe zu sein, brauchen wir mehr als nur zwei Mitarbeiter“, so König. Gerade jetzt, wo Eintracht in die erste Liga aufgestiegen ist, sei das wichtiger denn je, auch angesichts der bevorstehenden Derbys.

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