Neuer Antrag für Plutonium- Transport

Debatte des Tages  Seit Donnerstag ist bekannt, dass bei Eckert & Ziegler in Braunschweig radioaktives Plutonium lagert. Ist die Aufregung darüber berechtigt oder reine Panikmache?

Auf dem Gelände von Eckert & Ziegler in Braunschweig lagert Plutonium.

Auf dem Gelände von Eckert & Ziegler in Braunschweig lagert Plutonium.

Foto: Peter Sierigk

Die letzte von 144 alten Plutonium-Quellen soll aus Braunschweig verschwinden: Am Freitag ging beim Bundesamt für Strahlenschutz ein entsprechender Antrag ein. Das bestätigte ein Sprecher des Amtes unserer Zeitung auf Anfrage.

Nach Informationen unserer Zeitung ist Antragsteller für die Braunschweiger Nuklearfirma Eckert & Ziegler die NCS (Nuclear Cargo + Service). Der Transport soll wie alle vorherigen in die USA gehen. Es geht um Plutoniumquellen, die in der DDR in der Messtechnik verwendet worden waren.

Die Braunschweiger Grünen-Landtagsabgeordnete Gabriele Heinen-Kljajic hatte am Donnerstag erklärt, dass laut behördlicher Genehmigungen seit 1998 „theoretisch“ Material für den Bau von bis zu fünf Atombomben in Braunschweig hätte umgeschlagen werden können.

Niedersachsens Umweltminister Stefan Birkner (FDP) warf den Grünen Panikmache vor. „Es ist unverantwortlich, über Atombombenbau in Braunschweig zu spekulieren“, sagte er. Die Transporte von plutoniumhaltigen Strahlenquellen in die USA seien Teil eines Rückführungsprogramms von Altlasten aus dem Osten nach Ende des Kalten Krieges. Die USA hätten die sichere Übernahme zugesagt. 1998 habe der damalige Umweltminister Wolfgang Jüttner (SPD) die Genehmigung für das Einsammeln, Lagern und Umpacken von bis zu 250 Strahlenquellen erteilt. Mit dem offenbar am Donnerstag beantragten Transport wäre die letzte von 140 dieser Strahlenquellen vom Gelände der Firma Eckert & Ziegler verschwunden.

„Die Öffentlichkeit wurde nicht informiert, Eckert & Ziegler muss endlich alles offenlegen“, sagte Heinen-Kljajic unserer Zeitung. Die Grünen wollen nun die Akten des Umweltministeriums einsehen und prüfen, ob die Firma Angaben übers Inventar verweigern kann. Die Firma beruft sich auf Geschäftsgeheimnisse. Die Gewerbeaufsicht sei ganz im Bilde, so der Vorstandsvorsitzende der Nuklearfirma, Andreas Eckert. Eine Bürgerinitiative aus Thune will das Gewerbeaufsichtsamt nun verklagen.

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