Neuer Streit um Eckert & Ziegler

Braunschweig  Weil bei Eckert & Ziegler in Thune Plutonium lagerte und lagert, will die dortige Bürgerinitiative das Gewerbeaufsichtsamt verklagen.

Mitarbeiter des Medizintechnik-Unternehmens Eckert & Ziegler in Braunschweig

Mitarbeiter des Medizintechnik-Unternehmens Eckert & Ziegler in Braunschweig

Foto: Eckert & Ziegler (Archiv)

Am Dienstag, 8. Mai, wird die Bürgerinitiative Strahlenschutz (BISS) einen Verein gründen. Anlass, so Peter Meyer: „Wir schaffen die rechtliche Voraussetzung, um Spenden annehmen und Spendenquittungen ausstellen zu können.“ Das Geld werde benötigt, weil „wir wissen wollen, was tatsächlich alles bei Eckert & Ziegler lagert. Und das ist offenbar nur möglich, wenn wir vor Gericht ziehen, damit die Informationen herausgegeben werden.“

Die Informationen liegen beim Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig. Leiter Andreas Aplowski sagt: „Wir sind eine transparent arbeitende Behörde. Doch die verlangten Informationen stufen wir als Betriebsgeheimnis von Eckert & Ziegler ein. Wir dürfen niemandem Einblick in Betriebsgeheimnisse geben.“ Er verweist darauf: „Alles geschah mit Genehmigung. Für die Bürger bestand nie eine Gefahr. Außerdem hatten wir die BISS informiert, dass bei Eckert & Ziegler Plutonium lagert.“ Meyer wendet ein: „Nur in einem Halbsatz. Die tatsächliche Dimension ist nicht deutlich geworden.“

Stimmt, sagt Gert Schmerbach, der in Thune Zaun-Nachbar von Eckert & Ziegler ist: „Es wurde ja vieles angedeutet und einiges vermutet. Aber wenn man dann von offizieller Stelle die Gewissheit erhält, dass die Andeutungen und Vermutungen tatsächlich stimmen, dann ist das unsäglich traurig. Die Gewissheit ist es, die schmerzt.“

Die ehemalige Bezirksbürgermeisterin Heidemarie Mundlos (CDU) und ebenso ihr Nachfolger Hartmut Kroll (SPD) versichern, niemals in das Genehmigungsverfahren eingebunden gewesen zu sein. Mundlos sagt: „Wenn man denn auf die Suche nach Verantwortlichen gehen will, dann findet man sie bei Politikern von SPD und Grünen. Sie regierten damals Bund, Land und Stadt.“ Mundlos sagt aber auch: „Die Genehmigungen wurden 1998 erteilt. Das waren andere Zeiten.“ Die Position der CDU im Bezirk sei glasklar: „Mehr als Nuklear-Medizin geht in Thune nicht.“

Hartmut Kroll kündigt an, dass der Bezirksrat von der Stadtverwaltung Aufklärung verlangen wird: „Was hat die Verwaltung gewusst? Oder wurde sie übergangen?“

Er ist der Meinung: „Die Plutonium-Enthüllung ist so starker Tobak und ein so dickes Ding – es dürfte jetzt jedem klar sein, dass der Zeitpunkt für ein vertrauensvolles Miteinander verpasst wurde.“ Es müssten Konsequenzen gezogen werden: „Thunes Nuklear-Industrie ist eine Insel, umgeben von Wohngebieten. Dem muss in Genehmigungen Rechnung getragen werden. So kann es nicht weitergehen.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (20)