Bei Eckert & Ziegler lagert Plutonium

Braunschweig  Auf dem Gelände der Firma Eckert & Ziegler in Braunschweig lagert seit Jahren Plutonium aus der früheren DDR. Theoretisch hätte das Material insgesamt offenbar für bis zu fünf Atombomben gereicht.

Auf dem Gelände von Eckert & Ziegler in Braunschweig lagert Plutonium.

Auf dem Gelände von Eckert & Ziegler in Braunschweig lagert Plutonium.

Foto: Peter Sierigk

Das niedersächsische Umweltministerium und die Firma Eckert & Ziegler bestätigten unserer Zeitung, dass sich auf dem heutigen Gelände der Firma in Braunschweig-Thune seit dem Ende der 1990-er Jahre Plutonium aus der ehemaligen DDR befindet.

Zuvor hatte die Landtagsfraktion der Grünen von der Landesregierung Auskunft darüber gefordert. Sie warf ihr im Zusammenhang mit der Lagerung von radioaktiven Stoffen auf dem Firmengelände in Thune „Geheimniskrämerei und den Verstoß von Auskunftspflichten“ vor.

Aus jetzt vorliegenden Unterlagen gehe hervor, dass der Firma noch bis 2013 die Genehmigung für die Lagerung von Plutonium-Strahlenquellen vorliege. Das Umweltministerium habe das Umpacken von Neutronenstrahlern aus Beständen der ehemaligen DDR in einer „heißen Zelle“ erlaubt.

Das Plutonium sollte laut Genehmigung nach Thune transportiert und dort für die Verschiffung in die USA umgepackt werden.

Die Braunschweiger Grünen-Landtagsabgeordnete, Gabriele Heinen-Kljajic: „Tatsächlich sind nach vorliegenden Unterlagen seit 1999 insgesamt 140 dieser Strahlenquellen in vier Transporten – der letzte im Herbst 2010 – in die USA gebracht worden.“

Derzeit lagern noch 6,8 Gramm Plutonium auf dem Gelände

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende: „Offenbar wurde also jahrelang Material, das theoretisch für den Bau von bis zu fünf Atombomben hätte genutzt werden können, hinter einem einfachen Maschendrahtzaun deponiert.“

Eine Sprecherin des Umweltministeriums bestätigte: „Es ging um Quellen aus der früheren DDR, und es geschah alles im Rahmen der Genehmigungen.“ Zeitgleich hätten sich maximal 500 Gramm der Plutonium-Verbindung auf dem Gelände befinden dürfen. Derzeit sei noch eine einzige Quelle mit 6,8 Gramm dort. „Die zugelassene Menge ist nie ausgeschöpft worden. Wir wissen komplett, was gemacht wurde.“

Die USA hatten laut Ministerium nach dem 11. September 2001 den Entsorgungsweg der Stoffe in die USA zunächst dichtgemacht. Seinerzeit waren noch 48 Strahlenquellen mit im Schnitt 10 bis 30 Gramm der Plutoniumverbindung auf dem Gelände. Sie sei in Messgeräten verwendet worden. 2010 sollen weitere 47 der Neutronenstrahler abtransportiert worden sein.

Andreas Eckert, Vorstandsvorsitzender von Eckert & Ziegler, bestätigte unserer Zeitung, dass deutsche und US-Regierungsstellen nach der Wende sicherheitshalber entschieden hätten, sämtliches Plutonium aus DDR-Beständen einzusammeln und nach Amerika zu bringen.

Letzte Plutonium-Quelle soll bald den USA übergeben werden

Mit der Einsammlung sei 1998 die AEA Technology QSA GmbH in Braunschweig-Thune beauftragt worden, die Eckert & Ziegler 2009 erwarb. Eckert: „Der Betrieb hatte allerdings nie die Erlaubnis, mehr als 500 Gramm gleichzeitig zu besitzen und zu lagern, und selbst das nur in verkapselter Form, nie als offenes Material.“ Lediglich eine einzige Strahlenquelle aus DDR-Altbeständen sei heute noch in Thune, bestätigte Eckert. Sie sei zur Dickenmessung eingesetzt worden und enthalte 6,8 Gramm Plutonium. Bei nächster Gelegenheit solle sie amerikanischen Regierungsbehörden übergeben werden.

Darüber hinaus werde das Material nur im Milligramm-Bereich bei Kalibrierquellen für Messgeräte verwendet. Die Lagerbestände in Thune öffentlich zu machen, lehnte der Firmenchef weiterhin ab. „Unser Inventar ist dem Gewerbeaufsichtsamt bekannt, ansonsten sind das Betriebsgeheimnisse.“

Das sehen Grüne und Bürgerinitiative Strahlenschutz (BISS) anders. Sie pochen auf die Veröffentlichung des radioaktiven Inventars in Thune – und sehen sich bestätigt. Heinen-Kljajic: „Nachdem öffentlich geworden ist, mit welch brisanten Material in Braunschweig umgegangen wurde, müssen wir davon ausgehen, dass das Umweltministerium weitere Fakten verschweigen will.“

Auch die BISS hat die Offenlegung des radioaktiven Inventars gefordert, bislang vergeblich. „Das Umweltministerium und die Firma geben immer nur das zu, was zuvor öffentlich herausgekommen ist. Jetzt muss transparent offengelegt werden, was passiert eigentlich dort auf dem Gelände – und was findet dort künftig statt“, sagte Sprecher Peter Meyer unserer Zeitung.

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