Bad Lauterberg. Gegründet wurde die Einrichtung 2017. Jetzt schließt es. Der Mietvertrag soll kurzfristig gekündigt werden. Das sind die Gründe.

  • Das Haus der Begegnung der Johanniter wurde 2017 in Bad Lauterberg gegründet
  • Mehrere Projekte gibt es unter dem Dach der Einrichtung
  • Die Räume werden auch von Vereinen und der Bad Sachsa Tafel genutzt.
  • Die Projektarbeit wird aus Geldmangel nicht weiter geführt, obwohl die Stadt Lauterberg hier weiter unterstützt hätte
  • Der Mietvertrag soll kurzfristig gekündigt werden.

Das Haus der Begegnung in Bad Lauterberg ist geschlossen. Es befand sich bislang in der Bahnhofstraße 10, in den Räumen der ehemaligen Lutterbergschule, in direkter Nachbarschaft zum Jobcenter.

Die Johanniter haben hier das Haus der Begegnung betrieben - bis jetzt. Es sollte eine Anlaufstelle sein für Menschen, die Hilfe benötigen. Janka Eckhardt sowie Denise Horn waren bislang die Ansprechpartnerinnen mit dem offenen Ohr.

Der Mietvertrag soll kurzfristig gekündigt werden, die Tafelausgabe kann vorerst bleiben

Ab sofort ist die Arbeit beendet. Spätestens Ende des Jahres ist hier komplett Schluss. Drei Mitarbeiter werden dann arbeitslos sein.

Den Mietvertrag will die Organisation nun kurzfristig kündigen, wie es noch am Freitagnachmittag aus der Geschäftsstelle der Johanniter in Göttingen heißt.

Vereine verlieren nun das Dach über dem Kopf. Wie zum Beispiel das Musikkorps Marchingpower. Die Musiker hoffen aber auf ein Gespräch mit dem Bürgermeister und auf eine Lösung.

Auch die Mitarbeiter der Bad Sachsa Tafel zeigten sich überrascht von der Nachricht, dass das Haus der Begegnung schließen wird. Bis zum Anruf aus der Harz-Kurier-Redaktion wusste man nichts davon. Die Tafel Bad Sachsa hatte eine Ausgabestelle in den Räumen in der Bahnhofstraße untergebracht. Aktuell ist es so, dass man wohl vorerst bis Ende des Jahres bleiben kann.

Auch Selbsthilfegruppen sind betroffen.

Aus für das Haus der Begegnung in Bad Lauterberg: Die wirtschaftlichen Herausforderungen waren zu hoch

„Wirtschaftliche Herausforderungen zwingen die Johanniter zur Beendigung der Projekte im Haus der Begegnung in Bad Lauterberg“, schreibt auf Nachfrage des Harz Kuriers der Pressesprecher der Johanniter-Unfall-Hilfe, Landesverband Niedersachsen/Bremen, Oliver S. Bruse.

Und Marius Dossow, Mitglied im Regionalvorstand Südniedersachsen der Johanniter, erklärt dazu: „Zusammengefasst im Haus der Begegnung waren grundsätzlich mehrere Projekte mit unterschiedlichen Förderungen aus diversen Fördertöpfen.“

Wirtschaftliche Herausforderungen zwingen die Johanniter zur Beendigung der Projekte im Haus der Begegnung in Bad Lauterberg.
Oliver S. Bruse, Pressesprecher der Johanniter-Unfall-Hilfe, Landesverband Niedersachsen/Bremen

Viele Projekte habe das Haus der Begegnung seit 2017, also seit seiner Gründung, betreut, erzählt auch Pressesprecher Bruse. Erst 2019 war man in die Räume der ehemaligen Lutterbergschule gezogen. Diverse Förderprogramme halfen bislang, die Arbeit der Johanniter vor Ort zu finanzieren.

  • Die „Gute Nachbarschaft“-Richtlinie
  • Richtlinie Migrationsberatung des Landes Niedersachsen
  • Selbsthilferichtlinie des Landes Niedersachsen
  • Ankommen im Harz von der Aktion Deutschland hilft

Die Förderlaufzeit für mehrere Projekte endet aber mit dem Ende des Jahres 2023. Dazu gehört auch die Migrationsberatungsstelle „Bad Lauterberg begegnet“ und „Ankommen im Harz“. Die einzige Ausnahme bildet die Flüchtlingssozialarbeit. Diese wird vom Landkreis Göttingen finanziert. Fortgeführt wird sie noch bis Ende 2024. Hier wird derzeit nach einem alternativen Raum für die Arbeit gesucht.

Johanniter mussten hohen Eigenanteil für ihre Projekte zahlen

Oliver S. Bruse erklärt weiter: „In den vergangenen Jahren haben die Johanniter für ihre Arbeit zwar auch Projekt-unabhängige Zuschüsse erhalten, unter anderem von der Stadt Lauterberg. Trotz dieser Unterstützungslagen liegen die Eigenanteile für die Johanniter bei vielen Projekten hoch.“

Die Stadt Bad Lauterberg hätte gern, so beteuert Bürgermeister Rolf Lange, an der bisherigen Unterstützung von 6.000 Euro festgehalten und hat den Förderanteil fest im Haushalt eingeplant. Ihren Förderanteil erhöhen konnte die Stadt aber nicht.

Dennoch erklärt Marius Dossow: „Der Eigenanteil, den wir aktuell tragen, liegt deutlich über 6000 Euro Wir freuen uns sehr über die Bereitschaft der Stadt Bad Lauterberg sich zu beteiligen. Allerdings wäre auch das verbleibende Defizit für uns nicht tragbar. Daher hatten die Johanniter in Bad Lauterberg immer noch ihren Eigenanteil zu entrichten. Das Ziel war auch hier, eine nachhaltige Finanzierung zu erreichen. Das ist an der Stelle nicht gelungen. Uns fehlt nun die Perspektive.“

Außerhalb der Zuschüsse durch den Landkreis und die Aktion Deutschlandhilft belaufen sich die Anteile je nach Projekt auf 22 Prozent. Das macht 15.000 Euro. „In einem speziellen Fall wurde sogar ein Eigenanteil bis zu 27.500 Euro erforderlich“, rechnet Pressesprecher Bruse vor.

In einem speziellen Fall wurde sogar ein Eigenanteil bis zu 27.500 Euro erforderlich.
Oliver S. Bruse, Pressesprecher der Johanniter-Unfall-Hilfe, Landesverband Niedersachsen/Bremen

Doch das ist nicht alles. Das Haus der Begegnung hat die Räume, die man nutzt, von der Stadt Lauterberg gemietet. Die Stadt ist also Eigentümerin des Gebäudes, in dem sich auch das Jobcenter befindet. Nun sind die Nebenkosten eklatant gestiegen.

Nebenkosten sind um 163 Prozent gestiegen - Haus der Begegnung schließt

Oliver S. Bruse: „Zusätzlich sind die Nebenkosten der gemieteten Räumlichkeiten im Jahr 2023 um 163 Prozent gestiegen, und trotz Bemühungen um Nachverhandlungen blieben diese erfolglos.“ Marius Dossow erklärt dazu: Mieten seien nicht durch Fördergelder abgedeckt. Diese mussten die Johanniter also grundsätzlich ebenfalls selbst finanzieren. „In den vergangenen Jahren sind natürlich die Energiekosten enorm gestiegen“; erläutert Mariu Dossow.

Pressesprecher Bruse rechnet vor: „Das Gesamtdefizit des ‚Hauses der Begegnung‘ ist durch die steigenden Kosten und gleichbleibende oder ausbleibende Zuschüsse beziehungsweise Co-Finanzierungen absehbar weiter steigend. Zum Ende des Jahres wird das Gesamtdefizit bei rund 47.000 Euro liegen. Obwohl intensive Gespräche mit der Stadt und dem Landkreis geführt wurden, war es den Johannitern leider nicht möglich, weitere oder höhere Co-Finanzierungen beziehungsweise Zuschüsse zu erreichen.“

Obwohl intensive Gespräche mit der Stadt und dem Landkreis geführt wurden, war es den Johannitern leider nicht möglich, weitere oder höhere Co-Finanzierungen beziehungsweise Zuschüsse zu erreichen.
Oliver S. Bruse, Pressesprecher der Johanniter-Unfall-Hilfe, Landesverband Niedersachsen/Bremen

Marius Dossow erzählt am Ende: „Es ist immer schwieriger, neue Fördergeldgeber zu finden. Auch Fördertöpfe sind endlich. Auf der anderen Seite ist eine Finanzierung des Hauses der Begegnung dauerhaft aus Eigenanteilen nicht möglich für uns.“

Am Ende musste man eine Entscheidung treffen. Oliver S. Bruse erklärt: „Aus wirtschaftlichen Gründen sieht sich die Johanniter-Unfall-Hilfe daher gezwungen, alle Projekte, die zum 31. Dezember 2023 auslaufen, nicht weiter zu verlängern und die Arbeit im Haus der Begegnung einzustellen. DieFlüchtlingssozialarbeit in Bad Lauterberg wird jedoch weiterhin fortgesetzt. Wir bedauern diesen Schritt zutiefst .“

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