Darum glaubt VW an den Erfolg des Golf 8

Wolfsburg  Der Kompaktkönig wird seine Stärken in den nächsten Jahren ausspielen, verspricht das Management.

Es gab massive Probleme beim Anlauf des neuen Golf. VW ist aber überzeugt, dass das Erfolgsmodell nach überstandenen Kinderkrankheiten in den nächsten Jahren erfolgreich sein wird.

Es gab massive Probleme beim Anlauf des neuen Golf. VW ist aber überzeugt, dass das Erfolgsmodell nach überstandenen Kinderkrankheiten in den nächsten Jahren erfolgreich sein wird.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Volkswagen ist zuversichtlich, dass der neue Golf trotz der unverkennbaren Probleme mit der komplexen Software dennoch am Markt überzeugen wird. Insbesondere müsse die gesamte Lebensdauer des Kompakten in Betracht gezogen werden. „Zunächst mal ist das Auto eine Mannschaftsleistung, in der alle Entwicklungsbereiche ihr Bestes geben, damit es nicht nur heute, sondern auch zum Ende seiner Laufzeit in der Mitte der 2020er Jahre noch Vergleichstests gewinnt und seine Kunden überzeugt“, heißt es in einer Mitteilung von VW. Für diese positive Annahme gebe es einige Gründe. VW nennt diese.

Stichwort Elektrifizierung: Der Golf und alle anderen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor müssen in diesem Jahrzehnt nach und nach elektrifiziert werden, um die Verbräuche und Emissionen weiter senken zu können. Heute schaffen wir es noch ohne Hybridtechnik, mit einem Golf 2.0 TDI mit 115 PS den EU-Zielwert für 2020 von 95 Gramm CO2 je Kilometer zu unterbieten. Aber kein Verbrennungsmotor ist in der Lage, einen Wert von etwa 60 Gramm zu erreichen, wie er vergangenes Jahr EU-seitig für 2030 festgelegt worden ist. Das geht bei Verbrennern überhaupt nur noch mit Hybridtechnik. Beim Golf 8 haben wir deshalb den drei eTSI-Motoren (Mildhybrid-Benziner mit elektrischer Unterstützung) sowie zwei Plug-in-Hybride eingeführt.

Stichwort Digitalisierung

Der neue Golf hat 10-mal mehr Rechenleistung als der Vorgänger. Damit ist er zukunftssicher, und erstmals kann man ihn updaten. Wie beim Smartphone neue Apps und Funktionen aufspielen, die es heute noch gar nicht gibt, aber vielleicht 2023 verkaufsentscheidend sein können. Der neue Golf ist dafür gerüstet.

Die Kritik an der Markteinführung: Richtig ist, dass nicht alle Funktionen und Derivate direkt zum Marktstart verfügbar gewesen sind, aber das war in der Golf-Geschichte auch noch nie der Fall. Der Golf ist eines der komplexesten Modelle im Automarkt. Kein Auto bietet eine derart breite Antriebs- und Ausstattungspalette. Die sportlichen Derivate GTI, GTD, GTE und R kommen in der zweiten Jahreshälfte, der Variant kommt noch, weitere Ausstattungslinien und Motoren, sowie die Versionen für die Überseemärkte.

Zu den Modellklassen: Der Golf ist kein Solitär, sondern mit seinem Baukastenprinzip die technische Basis für fast alle anderen Modelle. Der überwältigende Erfolg des Tiguan oder des Seat Tarraco, beide ebenfalls aus Wolfsburger Produktion, wären ohne den Golf gar nicht möglich. Und der allgemeine Trend im Automarkt, dass in den letzten beiden Jahren weniger Kunden kompakte Pkw und mehr Kunden einen kompakten SUV kaufen, ist für das Unternehmen und die Beschäftigung kein Nachteil gewesen, da der Umsatz und Gewinn je Fahrzeug dadurch höher lagen. Derzeit erleben wir Pandemie-bedingt eine Nachfrage-Schwäche im gesamten Automobilmarkt, das aber ist kein Golf-Phänomen.

Die Bedeutung der Softwareentwicklung, das autonome Fahren und der Nutzbarmachung der Daten

Das ist für unsere gesamte Industrie wichtig, wenn das Auto nicht nur die Hülle für die Funktionen von Software-Konzernen sein soll, es sichert hier die Beschäftigung: Um selbstfahrende Autos zu entwickeln, müssen diese während ihrer Fahrten lernen, wie viele unterschiedliche Verkehrsszenarien es gibt, wie viele Ampeltypen, verschiedene Arten von Fußgängerüberwegen, Arten von Fahrradspuren. Das Verkehrsgeschehen ist ja noch nicht mal innerhalb eines Landes oder eine Kommune einheitlich standardisiert, stattdessen sind jede Straße und jede Kreuzung anders gebaut. Diese gewaltigen Unterschiede lassen sich nur beherrschen, in dem die Autos diese Verkehrsdaten sammeln und weiterleiten. Heute können wir darüber schon in Echtzeit erfahren, wo es Staus gibt.

Künftig wollen wir damit Unfälle vermeiden und eines Tages autonomes Fahren ermöglichen. Auch letztes ist kein Selbstzweck, sondern es sichert Beschäftigung, weil dann auch solche Kunden Autos nutzen können, die gar keinen Führerschein besitzen. Das alles sind Herausforderungen für das Unternehmen, darin sind wir uns einig, aber diese Ziele sind erreichbar.

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