Ärzteversorgung in Wolfsburg

Warteärger beim Arzt: Wolfsburg fehlen jetzt schon 13,5 Hausärzte

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13,5 freie Sitze für Hausärztinnen und Hausärzte gibt es aktuell in Wolfsburg – doch wer in den Ruhestand geht, hat oft es auf der Suche nach Nachfolgern schwer.

13,5 freie Sitze für Hausärztinnen und Hausärzte gibt es aktuell in Wolfsburg – doch wer in den Ruhestand geht, hat oft es auf der Suche nach Nachfolgern schwer.

Foto: Benjamin Ulmer / dpa

Wolfsburg.  Die Ärzteversorgung in Wolfsburg wird immer schlechter. Das könnte schon bald zum echten Problem werden. Was die Gesundheitsdezernentin plant.

Wer in Wolfsburg eine neue Hausärztin, einen neuen Hausarzt sucht, dem ist Glück zu wünschen. Wie überall in der Region liegt die Versorgung unter 100 Prozent – und erst ab da spricht die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) nicht mehr von einem Bedarf. In Wolfsburg liegt die Marke aktuell bei 93,1 Prozent. Um die 100-Prozent-Marke zu erreichen, müssten sich noch 13,5 Ärztinnen und Ärzte in der Stadt ansiedeln. In der ganzen Region ist das der höchste Bedarfswert.

Gesundheitsdezernentin Monika Müller kennt die Lage. Sie sagt: „Im Moment ist die Situation noch ausreichend.“ Allerdings sieht sie auch, dass die Zahlen auf dem Papier und die gefühlte Realität oftmals ein gutes Stück weit auseinander liegen. So zum Beispiel auch im fachärztlichen Bereich – in dem es laut den trockenen Zahlen keine Unterversorgung in Wolfsburg gibt. „Jeder Patient und jede Patientin, die mehrere Wochen auf einen Facharzttermin warten muss, ist aber einer und eine zu viel“, sagt Müller. Die notorisch langen Wartezeiten im fachärztlichen Bereich sind also auch im Rathaus bekannt.

Ärztemangel in Wolfsburg: Durchschnittsalter liegt bei 55,5 Jahren

Die Hintergründe für die Negativentwicklung im hausärztlichen Bereich sieht Monika Müller unter anderem im demografischen Wandel. Die KVN teilt mit, dass der Altersdurchschnitt unter den Hausärztinnen und -ärzten in Wolfsburg bei 55,5 Jahren liege. „In den nächsten Jahren werde viele von ihnen in den Ruhestand gehen“, sagt Müller. Viele von ihnen hätten schon jetzt Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden. „Vor allem in Einzelpraxen wird es schwierig.“

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Sie vermute, dass für Nachwuchs-Medizinerinnen und -Mediziner die Arbeit in einer Gemeinschaftspraxis attraktiver sei; und vermutlich auch für so einige Patienten. „Die Arbeit im Team sagt vielen heute besser zu; außerdem sind hier schon Vertretungsstrukturen gegeben, die im Falle von Krankheit oder Urlaub nicht erst noch organisiert werden müssen“, so die Gesundheitsdezernentin. Man teile Patientinnen und Patienten, Miete und Verantwortlichkeiten. „In Wolfsburg gibt es vergleichsweise viele Einzelpraxen“, so Müller.

Förderung für Neuniederlassungen wird sehr gut angenommen

Laut KVN liegen die Gründe für den Ärztemangel, der sich in den kommenden Jahren deutlich verschärfen dürfte, auch an sich verändernden Ansprüchen an das Arbeitsleben. „Grundsätzlich werden zu wenig Mediziner an den Hochschulen ausgebildet. Außerdem sind viele nicht mehr bereit, 50 oder 60 Stunden in der Woche zu arbeiten. Bei der Besetzung von Arztsitzen heißt das Zauberwort work-life-balance“, heißt es bei der KVN. Hier spielt auch der Umstand hinein, dass der Aufwand pro Patient tendenziell steigt; wieder durch den demografischen Wandel und durch neue Aufgaben.

Was will die Stadt tun? Seit vielen Jahren fördert die Verwaltung die Neuniederlassung von Hausärztinnen und -ärzten. Die Nachfrage habe erst kürzlich wieder zugenommen, berichtet Gesundheitsdezernentin Monika Müller. Vier Förderungen seien im letzten Jahr genehmigt worden, Volumen: mehr als 100.000 Euro. Perspektivisch will die Gesundheitsdezernentin das Programm erweitern.

Zusätzlich sollen nach dem Willen der Verwaltung spätestens ab 2024 Praxisgemeinschaften unterstützt werden, weil sie, so glaubt Müller, attraktiver seien für junge Ärztinnen und Ärzte. Demnächst soll eine entsprechende Vorlage dem Rat vorgestellt werden.

Dezernentin: Landarztquote ist kein Allheilmittel – auch Städte brauchen Ärzt*innen

Bald sind Landtagswahlen: Die Zukunft der Ärzteversorgung in Wolfsburg wird auch im Landtag mitentschieden. Von der neuen Regierung erhofft sich Gesundheitsdezernentin Monika Müller mehr Bewegung. „Ich würde mir wünschen, dass das Thema Studienplätze wieder aufgegriffen wird“, sagt die Dezernentin. Hier mangelt es nach Ansicht von Expertinnen und Experten im ganzen Land.

Auch Förderprogramme in die Region hinein machen aus Sicht der Dezernentin Sinn. „Wir müssen wegkommen vom regionalen Kannibalismus und uns als Region auf den Weg machen – und wenn es nur in Form eines günstigen Tickets für den Regionalverkehr ist, wobei Ziel ein regionales Konzept zur Ärztegewinnung sein sollte .“ Wünschenswert fände sie auch, die Landarztquote zugunsten der „Speckgürtel“ der Städte in der Region aufzuweichen. „Ärzte brauchen wir nicht nur auf dem Land.“

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