Hartwig Erb zum Mobilitätsticket: „Sozial geht anders“

Wolfsburg  Seit dem 1. April gilt die Wolfsburger Monats-Busfahrkarte für Bedürftige erst ab 8.30 Uhr. Das trifft Viele, die morgens unterwegs sein müssen.

Mit dem Mobilitätsticket fahren Bedürftige günstig Bus. Seit Anfang des Monats gilt es aber erst ab 8.30 Uhr.

Mit dem Mobilitätsticket fahren Bedürftige günstig Bus. Seit Anfang des Monats gilt es aber erst ab 8.30 Uhr.

Foto: regios24/Helge Landmann

Nach einer Lehrerin der Wolfsburger Oberschule, deren Schüler neuerdings zu spät zum Unterricht erscheinen (wir berichteten), äußern auch Flüchtlingshelfer und der Erste Bevollmächtigte der IG Metall, Hartwig Erb, Befremden über die zum 1. April eingeführte Zeitbeschränkung für das Mobilitätsticket.

Dass die vergünstigten Monatskarten für Hartz-IV-Empfänger und andere Bedürftige jetzt erst ab 8.30 Uhr gelten, stellt nach Schilderung der Flüchtlingshelfer Günter Schütte und Ingrid Leitner verschiedenste Gruppen vor Probleme. Flüchtlinge, die morgens zum Deutschkurs wollen, Eltern, die ihre Kinder in die Kita bringen, Menschen, die Termine beim Arzt oder im Jobcenter haben, aber auch Oberstufenschüler und Praktikanten.

Die Stadtverwaltung hatte dem Sozialausschuss zugesagt, dass es Ausnahmen für Berufstätige und für andere Personen geben sollte, die morgens auf das Mobilitätsticket angewiesen sind. Praktisch sehen die Ausnahmen nun zum Teil so aus, dass die Betroffenen morgens zusätzliche Tickets kaufen und sich die Kosten später vom Jobcenter, dem Jugendamt oder Sozialamt erstatten lassen können. Günter Schütte weist darauf hin, dass Hartz-IV-Empfänger nicht in der Lage seien, in Vorleistung zu treten. Ingrid Leitner beklagt Unübersichtlichkeit und ein heilloses Durcheinander. Flüchtlinge hätten keinen Durchblick, aber auch die Mitarbeiter der zuständigen Stellen seien nicht im Bilde gewesen. „Da ist etwas nicht sinnvoll durchdacht worden“, kritisiert Schütte.

Fraglich ist momentan auch, was Eltern machen sollen, die ihre Kinder mit dem Bus zur Kita bringen. Die Flüchtlingshelferin Monika Eisenried vom Vorsfelder Unterstützerkreis führt den Fall einer von ihr betreuten Familie an. Die Eltern haben fünf Kinder im Alter zwischen 2 und 11 Jahren. Sie begleiten sie morgens vom Heim in der Dieselstraße mit dem Bus zum Laagberg und nach Westhagen. Fahren sie erst um 8.30 Uhr los, kommen die Kinder zu spät in die Kita und die Schule. „Die müssen jetzt praktisch neu bezahlen“, kritisiert Eisenried.

Sie hat die CDU-Kreisvorsitzende Angelika Jahns auf das Problem aufmerksam gemacht. Die rät den Betroffenen zum einen, sich beraten zu lassen. Zum anderen will Jahns in der Sitzung des Sozialausschusses (Mittwoch, 16 Uhr, Rathaus A) anregen, dass die Stadt Informationen zum Mobilitätsticket und Erstattungsmöglichkeiten an Betreuer und andere Ansprechpartner weitergibt. Der Sozialausschuss, sagt Jahns, habe zur Bedingung gemacht, dass Schüler und Personen, die zu Vorstellungsgesprächen fahren, keine Probleme bekommen. Ob auch für Eltern von Kita-Kindern Ausnahmen gemacht werden könnten, müsse man schauen, so die Christdemokratin auf Nachfrage.

Ingrid Leitner, nicht nur Flüchtlingshelferin, sondern auch SPD-Ortsratsmitglied, wollte das Thema Mobilitätsticket am Montag in der Fraktionssitzung ansprechen. Die WN fragten auch bei der Tafel, dem Kirchenkreis, der Caritas, der Arbeiterwohlfahrt und der IG Metall an, ob sie Probleme mit dem Ticket sehen. Eine schnelle Antwort kam von der Gewerkschaft. „Sozial geht anders“, sagt der Erste Bevollmächtigte Hartwig Erb. „Wenn genau diejenigen benachteiligt werden, die das Ticket nutzen müssen, dann erinnert das eher an Schilda und nicht an Wolfsburg.“

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