Batteriehersteller aus China verhandelt mit VW über Kooperation

Peking/Wolfsburg.  Mit dem Unternehmen Guoxuan gibt es bisher keine spezifische Einigung. China hat als wichtigster Automarkt der Welt eine enorme Bedeutung für VW.

Bisher haben die Unternehmen keine Verpflichtung unterschrieben (Symbolbild).

Bisher haben die Unternehmen keine Verpflichtung unterschrieben (Symbolbild).

Foto: Christophe Gateau / dpa

VW und der chinesische Batteriehersteller Guoxuan verhandeln über eine mögliche Zusammenarbeit. Das bestätigte Guoxuan am Montag. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters will VW einen 20-prozentigen Anteil an der Firma erwerben und damit zweitgrößter Eigner nach deren Gründer Li Zhen werden. Von Guoxuan hieß es am Montag, es solle generell um Technologie, Produkte und Kapital gehen.

Beide Seiten hätten bislang keine Einigung auf eine spezifische Kooperation erzielt. Zu einer möglichen Beteiligung von VW an Guoxuan erklärte das chinesische Unternehmen: „Es herrscht bedeutende Unsicherheit über die genannten Angelegenheiten.“ VW wollte sich nicht zu den Verhandlungen äußern.

Der Bedarf der Wolfsburger an Batteriezellen wächst. In diesem Jahr sollen in Zwickau 100.000 E-Autos vom Band rollen, im nächsten Jahr bereits 330.000. In China starten in diesem Jahr zudem zwei Fabriken für Elektroautos mit einer Kapazität von jeweils 300.000 Fahrzeugen pro Jahr. Ende nächsten Jahres soll damit insgesamt eine Kapazität von einer Million Stromern erreicht sein. Und das soll erst der Anfang sein. Das heißt, die Wolfsburger müssen jetzt planen, woher ihre Batteriezellen in drei bis fünf Jahren kommen werden.

In Salzgitter baut VW gemeinsam mit dem schwedischen Batterie- und Zellproduzenten Northvolt eine eigene Zellproduktion auf, die Fertigung soll 2023/2024 starten; eine Pilotproduktion läuft bereits. An Northvolt sind die Wolfsburger zudem mit 20 Prozent beteiligt. Doch auch in Zukunft wird VW auf externe Zulieferer angewiesen sein. Bislang sind Volkswagens wichtigste Zelllieferanten LG Chem und Panasonic.

Der mittelgroße Hersteller Guoxuan wurde 1998 gegründet und sitzt in Hefei in der Provinz Anhui, wo VW in einem Joint Venture mit dem chinesischen Autobauer JAC elektrische Autos bauen will. Falls VW auch bei Guoxuan einsteigt, wäre es die erste Beteiligung eines deutschen Autobauers an einem chinesischen Batteriehersteller.

Der chinesische Autobauer BYD produziert auch Batterien, wie Stefan Bratzel berichtet, Leiter des Auto-Instituts der Fachhochschule in Bergisch Gladbach. Der amerikanische E-Autobauer Tesla fertigt gemeinsam mit Panasonic Batteriezellen. Die deutschen Autohersteller sind hier bislang kaum aktiv, beschränken sich auf das Entwickeln und Zusammenbauen von Batteriesystemen, wie es VW in Braunschweig praktiziert. Bei den Batteriezellen sind die Deutschen bisher stark von Lieferanten aus Ostasien abhängig. Daimler hatte sich aus der Produktion mit Li-Tec vor einigen Jahren wieder zurückgezogen. Der Aufbau einer deutschen und europäischen Batteriezellproduktion wird von der Bundesregierung und EU-Kommission zurzeit mit Milliarden gefördert.

Die Verhandlungen mit Guoxuan sind der nächste Beweis, wie stark VW auf die Elektromobilität setzt. „Dabei spielt die gesamte Wertschöpfungskette eine Rolle“, sagt Bratzel. Gerade auf ihrem wichtigsten Markt China müssten sich die Wolfsburger anschauen, ob sie die Batteriezellen stärker in ihre Wertschöpfungskette integrieren können. Auf die Zellen entfällt der größte Teil der Wertschöpfung bei Batterien – auf die wiederum der größte Teil der Wertschöpfung von Elektroautos entfällt.

Sowohl bei den Kosten als auch bei der Innovation werde die Batteriezelle künftig eine wesentliche Rolle spielen, glaubt Bratzel. „Die Energiedichte wird stark mit der Reichweite zusammenhängen.“ Und wer die Kosten der Batteriezelle senken kann, reduziert damit stark die Gesamtkosten. Hier habe Tesla einen Vorsprung, so der Branchenexperte. Während bei Volkswagens Modularem E-Antriebs-Baukasten 12 bis 14 Prozent Kobalt-Anteil nötig seien, setze Tesla nur noch 2 bis 3 Prozent ein. Bratzel: „Das zeigt die Innovationspotenziale, die zu geringeren Kosten führen.“

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