Salzgitter AG rutscht tief ins Minus

Salzgitter.  Nach Steuern macht der Stahlkocher bis September fast 30 Millionen Euro Verlust. Schuld ist vor allem die Vorsorge für die drohende Kartellstrafe.

Ein Mitarbeiter am Hochofen der Salzgitter Flachstahl.

Ein Mitarbeiter am Hochofen der Salzgitter Flachstahl.

Foto: Bernward Comes / Archiv

Unterm Strich hat die Salzgitter AG von Januar bis September rund 29,8 Millionen Euro Verlust gemacht. Das teilte der Stahlkonzern am Mittwoch mit. Vor Steuern stand noch ein operativer Gewinn von 40,7 Millionen Euro, wie das Unternehmen bereits vor einer Woche bekannt gegeben hatte. Die hohe Steuerquote sei vor allem der Rückstellung wegen der drohenden Kartellstrafe geschuldet , hieß es nun zur ausführlichen Bilanz für das dritte Quartal – die 141 Millionen Euro Risikovorsorge seien steuerlich nicht absetzbar.

Das Bundeskartellamt wirft dem Stahlkocher illegale Absprachen bei Grobblech- und Flachstahlprodukten vor. Die Salzgitter AG hatte für den angestrebten Vergleich ihre Risikovorsorge um 141 Millionen Euro aufgestockt. Von Januar bis September 2018 hatten die Salzgitteraner unterm Strich noch 194 Millionen Euro Gewinn gemacht, vor Steuern knapp 285 Millionen Euro.

Bereits im zweiten Quartal 2019 war der Konzern leicht ins Minus gerutscht.Im dritten Quartal erreichte der Verlust nach Steuern nun gut 126 Millionen Euro – nicht nur wegen der Risikovorsorge. Der Konzern betonte am Mittwoch das schwierige Umfeld, verwies auf die „hohe politische Unsicherheit in Kombination mit mannigfachen Handelskonflikten sowie konjunkturellem Gegenwind“. Vor allem die stahlerzeugenden und -verarbeitenden Gesellschaften würden belastet: durch nachgebende Walzstahl-Erlöse bei vorübergehend gestiegenen Eisenerzkosten sowie durch die rückläufige Nachfrage – nicht nur aus der Autoindustrie. Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann sagte: „Die derzeitigen Rahmenbedingungen stellen insbesondere für unsere stahlproduzierenden Gesellschaften erhebliche Herausforderungen dar.“ Holger Fechner, Stahl-Analyst der Nord-LB, bestätigte, dass die Stahlhersteller besonders unter der „Großwetterlage“ litten.

Flachstahl macht 60 Prozent weniger Gewinn

Der Salzgitter-Geschäftsbereich Flachstahl erwirtschaftete im dritten Quartal mit 24,3 Millionen Euro 60 Prozent weniger Gewinn vor Steuern als im dritten Quartal 2018. Im Geschäftsbereich Grobblech/Profilstahl, zu dem die Peiner Träger und Ilsenburger Grobblech gehören, wuchs das Minus um 80 Prozent auf jetzt 13,5 Millionen Euro. Auch in den anderen Geschäftsbereichen ging es bergab.

Fuhrmann zeigte sich trotzdem selbstbewusst, „für die kommenden Herausforderungen gut aufgestellt zu sein“. Die strategische Entscheidung, ein Gleichgewicht zwischen stahlnahen und stahlferneren Aktivitäten anzustreben, beweise erneut ihre Richtigkeit. Der Konzern verbessere seine Strukturen und Prozesse zudem konsequent weiter. Die Bilanz sei darüber hinaus solide, und das Unternehmen habe vorsorglich CO2-Zertifikate für die vierte Periode des europäischen Treibhausgas-Emissionshandelssystems ab 2021 gekauft.

Auch Analyst Fechner sieht die Salzgitter AG ein wenig besser aufgestellt als ihre Konkurrenten: durch höherwertige Stahlprodukte und den Technologie-Geschäftsbereich. Doch auch die Salzgitteraner litten unter den Branchenbedingungen: hohen Rohstoffkosten, nach wie vor bestehenden Überkapazitäten am Markt sowie den Handelskonflikten. Durch das Sparprogramm sei aber Vorsorge getroffen.

Die Aktionäre zeigten sich weniger zuversichtlich, die Aktie verlor zunächst rund 5 Prozent und schloss am Abend mit einem Minus von 2,1 Prozent. Mit 18,18 Euro ist sie nur noch gut halb so viel wert wie vor einem Jahr.

Der Umsatz sank von Januar bis September von 6,9 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf jetzt 6,6 Milliarden Euro. Ihre Ende September gesenkte Prognose bestätigten die Salzgitteraner. Vor Steuern rechnen sie mit einem Verlust im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Der Umsatz soll mit weniger als 9 Milliarden Euro unter dem Vorjahreswert liegen.

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