Streit um VW-Sparkurs - Betriebsrat droht Markenvorstand

Wolfsburg.  Der VW-Zukunftspakt steht möglicherweise schon nach drei Monaten vor dem Aus. Der Betriebsrat wirft dem VW-Marken-Chef Diess Wortbruch vor.

VW-Marken-Chef Herbert Diess. Foto: dpa

VW-Marken-Chef Herbert Diess. Foto: dpa

Frontalangriff auf den VW-Vorstand. Der Betriebsrat des Werks Wolfsburg wirft Personalvorstand Karlheinz Blessing und VW-Markenchef Herbert Diess „unverantwortliches Handeln“ bei der Umsetzung des „Zukunftspakts“ vor. Zugleich drohen die Arbeitnehmervertreter indirekt damit, diese Vereinbarung zum Umbau der Marke VW platzen zu lassen. Der „Zukunftspakt“ sieht unter anderem einen Personalabbau vor, bis zum Jahr 2020 sollen die Kosten um drei Milliarden Euro gesenkt werden.

In einem ersten Schritt hat der Betriebsrat Entscheidungen zur Arbeitsorganisation ausgesetzt. Somit können zum Beispiel Überstunden nicht genehmigt werden. Der Betriebsrat setzt den Managern zudem ein Ultimatum. Sie sollen bis zum 13. Februar schriftlich erklären, „ob und wie Sie sich eine künftige Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat vorstellen“.

Das Unternehmen hält den Ball dagegen flach. Blessing sagte unserer Zeitung: „Wir haben uns mit dem Zukunftspakt für die Marke viel vorgenommen. Viele der Veränderungen, die wir mit dem Zukunftspakt in Gang setzen, stehen anderen in der Branche noch bevor. Die Umsetzung wird für alle Beteiligten anstrengend.“ Von vornherein sei klar gewesen, dass die eigentliche Arbeit erst nach der Unterzeichnung des „Zukunftspakts“ beginne. Blessing: „Wenn sich alle Beteiligten an die Vereinbarungen halten, dann bin ich überzeugt, dass der Zukunftspakt ein großer Erfolg für die Marke Volkswagen wird.“

Die Liste der vom Betriebsrat erhobenen Vorwürfe umfasst mehrere Punkte. So unterlaufe der Vorstand die vereinbarte Vorgehensweise zum Abbau der Leiharbeiter. Er wolle die Zahl der Leiharbeiter schneller und in einem größeren Umfang verringern, als verabredet. Zahlen nannte der Betriebsrat nicht. Der Vorstand plane zudem, die zeitlich befristete Übernahme von Leiharbeitern, die seit drei Jahren im Unternehmen sind, zu verhindern.

Aus Unternehmenskreisen war dagegen zu vernehmen, dass es wirtschaftlich nicht vernünftig sei, Leiharbeiter zu übernehmen, weil zugleich Stammarbeitsplätze über die Altersteilzeit abgebaut würden. Durch eine Übernahme der Leiharbeiter verpuffe der wirtschaftliche Effekt, der mit dem Abbau der Stammarbeitsplätze verbunden sei. Der unbefriedigende Absatz von Golf und Passat erhöhe den Handlungsdruck auf den Autobauer. Um die Unruhe im Unternehmen nicht noch größer werden zu lassen, sei es wichtig, den Abbau der Leiharbeiter rasch zu vollziehen.

Die weiteren Kritikpunkte des Betriebsrats: Der Vorstand verhindere den vorgesehenen Personalaufbau unter anderem in den Fachbereichen IT und Technische Entwicklung. Zudem sollten die Mitarbeiter in den Leistungsbeurteilungen, von denen der Mitarbeiter-Bonus abhängig ist, künftig schlechter beurteilt werden. „Jedem ist klar, dass es um Kosteneinsparung geht und nicht um eine faire Leistungsbeurteilung“, heißt es in dem Brief. Darin wird ferner kritisiert, dass der Wechsel von Produktionsmitarbeitern in die Verwaltung erschwert werde.

Absender des Briefs ist der Betriebsausschuss des Wolfsburger Betriebsrats – er fungiert als Geschäftsführung der Arbeitnehmervertretung.

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