Berlin. Die Investition in eine Wärmepumpe sollte gut überlegt sein. Es gibt Vor- und Nachteile – wann die Anschaffung nicht sinnvoll ist.

  • Die Wärmepumpe wird einen wichtigen Baustein bei der Wärmewende einnehmen
  • Allerdings gibt es auch Vorbehalte gegen dieses Heizsystem
  • Welche Nachteile hat die Wärmepumpe - und überwiegen die Vorteile am Ende?

Die Energie- und Preiskrise im Jahr 2022 – viele werden sie sicher nicht so schnell vergessen. Zumal die Nachwirkungen der Energiekrise weiter präsent sind. Für Energieprodukte wie Heizöl und Gas mussten viele Verbraucher tief in ihre Tasche greifen. Millionen von ihnen warten noch immer auf den Pellet- und Heizölzuschuss der Ampel-Koalition. Doch die Auszahlung vom Zuschuss für Heizöl und Co. verzögert sich – die Gründe dafür überraschen. Unlängst hat bei vielen aber auch ein Umdenken eingesetzt.

Wärmepumpe als Alternative zur Gas- oder Ölheizung: Das sind die Vorteile

Sich von klassischen Brennstoffen trennen und stattdessen auf neue Technologien setzen. Im Trend ist aktuell die Wärmepumpe. Der Begriff "autark" – sich ganz oder teilweise autonom von der öffentlichen Energieversorgung machen – gewinnt zunehmend an Bedeutung. Hinzu kommt: Für eine Wärmepumpe gibt es vom Staat eine lukrative Förderung von bis zu 40 Prozent. Gerade für Eigentümer wird die Wärmepumpe als Alternative zur Gas- oder Ölheizung damit zunehmend interessanter. Der Immobilienverband Deutschland (IVD) nennt weitere Vorteile:

  • Wärmepumpen haben eine hohe Lebenserwartung und bieten damit Investitionssicherheit
  • Wärmepumpen zeichnen sich allgemein durch eine hohe Betriebssicherheit aus
  • Die Betriebskosten einer Wärmepumpe sind im Vergleich zu Heizöl oder Gas gering
  • Die Energiequellen für eine Wärmepumpe stehen nahezu überall kostenfrei zur Verfügung

Gegenüber einer Gas- oder Ölheizung hat die Wärmepumpe zudem einen großen Vorteil: Sie arbeitet autonom von Brennstoffen – der jährliche Ärger mit der Heizöllieferung oder ein Vertrag mit einem Gasanbieter fallen weg. Benötigt wird lediglich Strom – dieser kann im Idealfall über eine Solaranlage zugeführt werden. Sollte man jetzt eine Wärmepumpe kaufen oder noch abwarten und die Entwicklung am Markt beobachten? Diese Frage lässt sich nicht pauschal für alle beantworten. Fest steht: Neben den Vorteilen sollte man sich auch der Nachteile einer Wärmepumpe bewusst sein.

Bezeichnung der FörderungZuschuss in Prozent
Grundförderung ("Basis-Zuschuss")30
Geschwindigkeitsbonus20 (ab 2024 – sinkt über die Jahre)
Bonus für WP mit natürlichem Kältemittel5
Bonus für Haushalte mit Einkommen unter 40.000 Euro30

In Summe sind theoretisch 85 Prozent Förderung möglich. Der Gesetzgeber hat die maximal Fördersumme aber auf 70 Prozent gedeckelt. Die maximale Fördersumme liegt bei 30.000 Euro. Bei 70 Prozent Deckelung ist somit maximal ein Zuschuss von 21.000 Euro möglich.

Wärmepumpe: Nachteile kennen – diese Hürden können zum Problem werden

IVD-Vizepräsident Markus Jugan: "Eines der größten Probleme derzeit sind die langen Vorlaufzeiten bei der Beschaffung von Wärmepumpen." Das sei auf begrenzte Produktionskapazitäten sowie den Fachkräftemangel zurückzuführen. Der Experte stellt klar: "Damit ist der gesetzlich beschriebene Zeithorizont für eine klimafreundliche Wärmeversorgung kaum zu erreichen." Ab 2024 sollen pro Jahr 500.000 neue Wärmepumpen installiert werden – das zumindest ist das Ziel der Bundesregierung unter Kanzler Olaf Scholz.

Doch neben den hohen Anschaffungskosten für eine Wärmepumpe ab 15.000 Euro gibt es noch andere Hürden. Der IVD macht in seiner Mitteilung – die unserer Redaktion noch vor Veröffentlichung exklusiv vorliegt – auch auf die Nachteile einer Wärmepumpe aufmerksam. Denn nach der Anschaffung können auch bei der Installation und Inbetriebnahme Herausforderungen auftreten. Das können technische Probleme oder auch gesetzliche Auflagen sein. Alle in der Mitteilung genannten Nachteile auf einen Blick:

  • Es können Konflikte mit den gesetzlichen Auflagen zum Denkmalschutz und den Lärmemissionen entstehen
  • Die komplexen technischen Fragen bei der Installation und dem Betrieb von Wärmepumpen machen oft zusätzlicher externer Beratung und Unterstützung notwendig
  • Wegen der Komplexität von Wärmepumpen ist die Wartung anspruchsvoll
  • Der Einbau einer Wärmepumpe verläuft nicht immer fachgerecht – Installationsfehler können höhere Betriebskosten verursachen

Nachteile einer Wärmepumpe: Denkmal- und Lärmschutz – für vieles gibt es eine Lösung

In Denkmalschutz- oder Lärmfragen gibt es aber oftmals Lösungen. Erdwärmepumpen etwa können im Keller installiert und schalldicht isoliert werden. Auch ist nicht zwingend eine Fußbodenheizung nötig. Sven Kersten vom Bundesverband Wärmepumpe (BWP) im Gespräch mit unserer Redaktion: "Die Heizkörper müssen groß genug sein." Grundsätzlich müssen Wärmepumpen im Altbau aber keine Kernsanierung bedeuten. Trotzdem sollte man sich vor der Kaufentscheidung einer Wärmepumpe der Nachteile bewusst sein – und gegebenenfalls vorab Lösungen finden.

In Bezug auf Bestandsbauten wie Altbauten nennt der IVD in seiner Mitteilung das Thema hybride Heizsysteme. Also eine Wärmepumpe als Hauptheizung – diese wird jedoch von einer zweiten Technik ergänzt. Die Präferenz vieler Immobilienverwalter laut IVD: Der Mix aus einer Wärmepumpe und – bei niedrigen Außentemperaturen – einem weiteren Heizsystem sowie der Einbindung von Solarthermie oder vor Ort erzeugtem Strom aus erneuerbaren Energien. Knifflig kann es zudem in Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) werden.

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Wärmepumpe: Vor- und Nachteile abwägen – diese Alternative sieht der Experte in Städten

Der Einbau einer Wärmepumpe und der Umbau der Heizungsanlage können die WEGs Konfliktpotenzial haben. Ein Problem können die hohen Kosten für die Anschaffung der Wärmepumpe sein. Ein anderes Thema in Eigentümergemeinschaften kann laut IVD die Nutzfläche für die Wärmepumpe sein. Reichen Gemeinschaftsflächen für die Aufstellung der Wärmepumpe nicht aus, müssen gegebenenfalls Garten- oder Kellerflächen in Anspruch genommen werden – gehören diese einzelnen Eigentümern, kann es teuer werden.

"In der Regel ist dann eine notarielle Teilungserklärung oder eine hohe finanzielle Entschädigung notwendig", berichtet der IVD. Und nicht immer muss eine Wärmepumpe auch die beste und einzige Lösung sein. Jugans Prognose für die Zukunft: "Wärmepumpen sind nur ein Baustein in dieser Transformation von unserem Immobilienbestand. Ein Versorgungsmix wird die Zukunft sein." Gerade im innerstädtischen Bereich müsse über ein modernes Fernwärmenetz die Versorgung ohne fossile Brennstoffe erfolgen.

Wärmepumpe ist nicht für alle eine Option: Was für klimafreundlichen Alternativen es gibt

Zumal es die perfekte Lösung für alle nicht gibt. Die Frage – was für eine Heiztechnik als Alternative infrage kommt – muss individuell beantwortet werden. Neben Faktoren wie Gebäudezustand und finanzieller Situation spielen auch persönliche Präferenzen oder schlicht der Platz eine entscheidende Rolle. Laut IVD müssten im Gebäudebestand teilweise auch andere Heizungssysteme zum Einsatz kommen. Jugan: "Besonders in Großstädten fehlt oft der Platz zum Aufstellen einer Wärmepumpe."

Der Gesetzgeber sei daher gut beraten, eine gewisse Technologieoffenheit bei der klimafreundlichen Versorgung mit Wärme zu bewahren – so der Appell des IVD. Mögliche Alternativen zur Wärmepumpe sind etwa die Pelletheizung oder eine moderne Ölheizung. Für die Pelletheizung gibt es eine Förderung vom Staat. Neue und moderne Ölheizungen arbeiten deutlich effizienter als alte Anlagen – werden aber nicht vom Staat gefördert. Dafür sind Ölheizungen in der Anschaffung preiswerter als Wärmepumpen oder Pelletheizungen.

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