Rätsel Pongracic und die Virenlast des VfL Wolfsburg

Wolfsburg.  Der Verteidiger musste in Berlin mit Luftproblemen raus. Schäfer: Wir gehen behutsam vor.

Marin Pongracic hatte zuletzt mit Luftproblemen zu kämpfen. Der Verteidiger des VfL Wolfsburg könnte die Nachwirkungen seiner Corona-Infektion spüren.

Marin Pongracic hatte zuletzt mit Luftproblemen zu kämpfen. Der Verteidiger des VfL Wolfsburg könnte die Nachwirkungen seiner Corona-Infektion spüren.

Foto: Simka/regios24

Das 2:2 (1:1) bei Union Berlin hat einmal mehr gezeigt, wie widerstandsfähig der VfL Wolfsburg in dieser Spielzeit der Fußball-Bundesliga auftritt. Unmittelbar nach dem Platzverweis für Maximilian Arnold fiel das 2:1 für die Berliner, doch im personellen Nachteil arbeiteten sich die Wolfsburger durch Wout Weghorsts Strafstoßtor noch zu einem Punktgewinn. „Damit können wir gut leben“, sagt Marcel Schäfer. Wie die Mannschaft auf den „doppelten Nackenschlag“ aus roter Karte und Gegentor reagierte, beeindruckte den 36 Jahre alten VfL-Sportdirektor.

„Das haben die Spieler sehr gut abgeschüttelt.“ Resilienz - auf dem Platz hat der VfL in der Vergangenheit schon mehrfach den Besitz dieser Eigenschaft nachgewiesen. Doch für die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner existiert wie für alle anderen Teams in dieser Zeit noch ein weiterer unsichtbarer Gegner, der Resilienz einfordert: Covid-19. Der VfL-Trainer musste in den vergangenen Monaten einige Male mit seinem Personal puzzeln, da immer wieder Corona-Infektionen bei Spielern nachgewiesen wurden. Neun offizielle Fälle gab es mittlerweile: Kevin Mbabu , Renato Steffen , Josip Brekalo , William, Jérôme Roussillon, Pavao Pervan , Maximilian Arnold, Maxence Lacroix und Marin Pongracic - dessen Auftritt am Samstag Rätsel aufgab.

Auswirkungen des wechselnden Gesundheitszustands unübersehbar

Schon nach 15 Minuten Spielzeit fiel Glasner auf, dass der Verteidiger mit den Händen auf den Knien tief durchatmen musste. „Das kennt man sonst eher aus Verlängerungen“, wunderte sich der 46 Jahre alte Österreicher. „Marin hatte Probleme mit der Luft“, erklärte Glasner, der Pongracic daher in der Halbzeit vom Feld nahm. Die Fitnessprobleme rühren von einem von Verletzungen und Krankheiten bestimmten Jahr 2020. Von August an litt der 23-Jährige an Pfeifferschem Drüsenfieber, einer Muskelverletzung und Covid-19 . Die Auswirkungen des ständig wechselnden Zustands von gesund zu krank sind bei ihm unübersehbar. Wie es mit Pongracic weitergeht?

Eher Risiko als Hilfe

„Er wird noch einmal genau durchgecheckt, und dann sehen wir weiter“, sagt Schäfer. In dem Zustand von Samstag ist Pongracic für die Mannschaft eher Risiko als Hilfe. Die Ungewissheit über die Folgen der Infektion. Auch Lacroix und Roussillon werden wegen der unklaren Langzeitfolgen genau beobachtet und aus der Vollbelastung der Spiele herausgehalten. „Wir nehmen das Thema sehr ernst und gehen hier behutsam vor“, sagt Schäfer. Die Wolfsburger gehören mittlerweile zu den am stärksten von Covid-19 betroffenen Klubs der Bundesliga. Besonders vor Weihnachten war der Virus einige Male nachgewiesen worden. Unter anderem bei Arnold, der daher die Festtage ganz alleine getrennt von seiner Familie verbringen musste . „Sicher, anderen geht es noch viel schlechter“, sagte der 26-Jährige, „doch so etwas will ich nie wieder erleben.“

Pongracic spürt Nachwirkungen der Infektion

Der Mittelfeldspieler spüre jetzt noch die Nachwirkungen, da Geruchs- und Geschmackssinn noch nicht vollständig zurück sind. Andere Folgen merke er aber nicht mehr. Bei Arnold wie bei allen anderen positiv getesteten Spielern läuft der Prozess so: Gibt es einen alarmierenden Befund, wird der Spieler umgehend informiert und eine häusliche Quarantäne verordnet. Mit dem Gesundheitsamt der Stadt Wolfsburg werden dann die Kontaktpersonen auch außerhalb des Mannschaftskreises herausgearbeitet, um diese zu informieren und gegebenenfalls testen zu können. Die Spieler erhalten während der Quarantäne etwa Einkaufshilfe vom Klub, die Krankheitsverläufe werden von Ärzten genau aufgezeichnet. Pervan zum Beispiel hatte während seiner Erkrankung kaum Symptome, Roussillon schon.

Quarantäne endet frühestens nach 10 Tagen

Frühestens nach zehn Tagen endet die Quarantäne mit Tests der Blutwerte, kardiologischen und internistischen Untersuchungen, ehe es zurück geht ins Training und in die Spiele. „Es gibt bisher kaum Erfahrungswerte“, sagt Schäfer. „Wir versuchen, die Jungs bestmöglich zu schützen und den ständig neuen Erkenntnissen Rechnung zu tragen.“ Auch die Spieler selbst stehen in der Verantwortung. „Sie sind sensibilisiert. Wenn sie Anzeichen haben, dass etwas nicht stimmt, sollen sie sich sofort melden.“

Ein Halskratzen etwa. Was früher wohl meist als übertrieben abgetan worden wäre, lässt heute alle Alarmglocken schrillen. Nach jeder weiteren Testreihe geht das Zittern von vorne los. Hat es wieder einen erwischt? Am Dienstag beginnen die Wolfsburger mit der Vorbereitung aufs Bundesliga-Spiel gegen RB Leipzig (Samstag, 15.30 Uhr, VW-Arena). Ob Pongracic, Roussillon und Lacroix nach ihren Virusinfektionen im Duell mit dem Topklub dabei sein können, entscheidet sich in der Woche. Sicher fehlt Arnold: Der Mittelfeldspieler wurde nach seiner Notbremse gegen Union für ein Spiel gesperrt.

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