Zu ganz oben fehlt dem VfL Wolfsburg noch ein Stück

Wolfsburg.  Die Profis des VfL Wolfsburg müssen sich noch zweimal quälen, dann ist Länderspielpause. Glasner legt den Finger in die Wunde.

Nicht zu stoppen: Josuha Guilavogui (links) und der VfL Wolfsburg haben in Dortmund (am Ball Julian Brandt) aufgezeigt bekommen, wie viel ihnen noch zu einem Top-Team fehlt.

Nicht zu stoppen: Josuha Guilavogui (links) und der VfL Wolfsburg haben in Dortmund (am Ball Julian Brandt) aufgezeigt bekommen, wie viel ihnen noch zu einem Top-Team fehlt.

Foto: Darius Simka / regios24

Der Saisonstart war stark – doch jetzt scheint dem VfL Wolfsburg etwas die Luft auszugehen. Aber zwei Aufgaben müssen die Spieler noch meistern, ehe sie in der Länderspielpause danach erst einmal durchschnaufen dürfen: das Europa League-Spiel am Donnerstag (21 Uhr) gegen KAA Gent und die Bundesliga-Partie am Sonntag gegen Bayer Leverkusen. Dann müssen sich die Grün-Weißen sammeln, um Bilanz für das erste Saisondrittel sowie die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Denn das Programm bis zur Winterpause hat es in sich.

Noch vor einer Woche wäre die Bilanz sicher sehr positiv ausgefallen. Das 0:0 gegen Augsburg war nicht schön, aber der VfL war noch unbesiegt, das Selbstvertrauen war groß. Man wähnte sich bereits auf Augenhöhe mit den Top-Teams, stand zeitweise auf Platz 2 in der Bundesliga. Doch dann kam erst das 1:6 im Pokal gegen RB Leipzig und danach das 0:3 in der Liga in Dortmund. Trainer Oliver Glasner stellte nach der Heimschlappe gegen Leipzig die Frage, was wohl die Wahrheit sei: Wie der VfL in den Wochen zuvor aufgetreten ist oder in dieser einen Partie ab der 55. Minute, als sich die beste Abwehr der Bundesliga vier Gegentore in 14 Minuten fing?

Zumindest das Ergebnis in Dortmund gab auf diese Frage eine vorläufige Antwort, so dass auch Glasner nicht umhin kam, seine Mannschaft auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Er kritisierte die immer gleichen Fehler („Ich sehe schon ein paar Dinge, die ich immer wieder sehe“) und gab zu, dass er sein Team in der Entwicklung schon gerne weiter hätte. „Manchmal ist es so, dass ich bei manchen Dingen zu ungeduldig bin, die mir aber auch zu langsam gehen“, sagte der Österreicher, der nun zum ersten Mal seit seiner Ankunft in Wolfsburg gegen Widerstände angehen muss.

Die Frage, wie weit denn die Grün-Weißen in ihrer Entwicklung und im Vergleich zu den Top-Teams der Liga seien, beantwortete Glasner dann auch recht unverblümt. „Wir können noch nicht mithalten. So ehrlich müssen wir sein, dass uns zu denen noch etwas fehlt: an Konzentration, aber auch an Klarheit und Konsequenz“, sagte der 45-Jährige. Eine wohltuend realistische Einschätzung in einem Klub, der in seiner Vergangenheit gerne mal deshalb stolperte, weil er den zweiten Schritt vor dem ersten machen wollte und sich schwer tat, aus der Erfahrung zu lernen.

Um die Leistungsfähigkeit des VfL einzuschätzen, hilft ein Blick auf den Spielplan und die Tabelle. Denn die Wolfsburger haben ihre 17 Punkte fast ausschließlich gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte geholt. Nur ein Zähler gab es in einem Duell mit einer Mannschaft, die aktuell über dem Tabellenachten steht. Das war beim 1:1 gegen Leipzig. Allerdings: Der VfL hat auch erst gegen zwei Gegner aus der Spitzengruppe gespielt – gegen RB und am Samstag gegen Dortmund. Das heißt im Umkehrschluss: Die ganz schweren Brocken kommen erst noch.

Die Wolfsburger müssen noch nach Frankfurt, nach Freiburg und zu den Bayern,zudem sind Tabellenführer Mönchengladbach und Schalke zu Gast. Gewürzt sind die Wochen zudem mit drei Spieltagen in der Europa League, beginnend am Donnerstag gegen Gent. „Wir haben bis zum Winter noch einige gute Gegner vor uns, aber wir wollen auch gegen gute Gegner punkten“, sagte Abwehrspieler Jeffrey Bruma, der anfügte: „Man muss auch kritisch sein, wenn man zweimal verliert.“

Gegen Gent und am Sonntag gegen Leverkusen wollen die Grün-Weißen wieder ihr anderes Gesicht zeigen – das aus den ersten Wochen der Saison. In der Länderspielpause können sie dann neue Kraft tanken, und auch die Rückkehr des einen oder anderen zuletzt angeschlagenen Spielers könnte helfen. Admir Mehmedi etwa, dessen Kreativität und Torgefahr der Offensive gut tun würden.

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