Braunschweig. Die Kritik an Eintracht Braunschweigs Sport-Geschäftsführer nimmt immer mehr zu. Manche Anhänger gehen sogar noch einen Schritt weiter.

In den vergangenen Tagen hat es bei Fußball-Zweitligist Eintracht Braunschweig ein Beben gegeben. Eigentlich sogar mehrere, wenn man es genau nimmt. Zunächst hatte die Mannschaft ihren bisherigen sportlichen Tiefpunkt erreicht. Bei der 0:3-Pleite bei Aufsteiger SV Elversberg zeigten sich die Profis blutleer. Die Konsequenz: Am Montag stellten die Blau-Gelben Trainer Jens Härtel frei. Der hatte nach der Elversberg-Packung mit einer Aussage für Aufsehen gesorgt, die schon ein Stück weit nach Kapitulation klang („Wenn es einer besser kann, dann soll er es machen“). Gleichzeitig mit Härtels Ausbootung wurde Marc Pfitzner als Interimstrainer präsentiert. Die Vereins-Ikone solle der Eintracht für das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf (Freitag, 18.30 Uhr) und das Derby gegen Hannover 96 (5. November, 13.30 Uhr) neues Leben einhauchen.

Es war also eine Menge los an der Hamburger Straße. Vielen Fans aber reicht das nicht. Für die sportliche Misere haben sie einen Hauptschuldigen ausfindig gemacht: Peter Vollmann. „Ist Vollmann Mitglied der Letzten Generation? Der klebt ja heftiger an seinem Stuhl als die auf der Straße“, schreibt etwa ein Nutzer bei Instagram. Dem Sport-Geschäftsführer wird angekreidet, bei der Kaderplanung seit Jahren einen – sagen wir vorsichtig – unzureichenden Job zu machen. In den Sozialen Medien wird diese Argumentation an diversen Stellen hervorgebracht. Manchmal mit Sarkasmus – manchmal mit einer gehörigen Portion Groll. Die meisten Anhänger aber machen es sich einfach. Die Worte „Vollmann raus“ kam im Netz zuletzt häufiger vor als die Kombination Currywurst und Pommes in den Kneipen der Stadt.

Wird Peter Vollmanns Kaderpolitik zu seinem Verhängnis?

Die Kritik an der Kaderpolitik ist sicherlich nicht ganz ungerechtfertigt. Vollmann ist derjenige, der das letzte Wort bei der Kaderplanung hat. Und das schon in der vergangenen Spielzeit auf Kante genähte Aufgebot hat er in diesem Sommer nicht verbessern – oder zumindest die Qualität halten können. Schon mehrfach hat er auch in öffentlichen Statements seinen Unmut über Spielerberater geäußert. Die sind es allerdings, auf die er als Kaderplaner angewiesen ist – besonders zum Ende der Wechselphasen, wenn Klubs wie die Eintracht oft noch auf der Suche sind. Allerdings muss dem Sport-Geschäftsführer immerhin zugutegehalten werden, dass er auch nicht über das üppigste Budget verfügt. Dennoch: Ein zukunftsfähiges Kaderkonzept sieht anders aus.

Außerdem kreiden viele Fans Vollmann noch immer die Entlassung von Coach Michael Schiele im vergangenen Sommer an. Der war mit den Blau-Gelben aus der 3. in die 2. Liga aufgestiegen und hatte dort die Klasse gehalten. Gehen musste er trotzdem. Schiele wurde in Braunschweig nicht mehr zugetraut, das Team weiterzuentwickeln.

Trainerentlassung von Michael Schiele ist bei Eintracht-Fans noch immer Thema

Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Vollmann ist nicht derjenige, der einen Trainer entlässt – zumindest nicht allein. Das entscheidet der Aufsichtsrat. Vollmann aber muss die Entscheidung zum Schiele-Aus öffentlich verkaufen. So oder so: Geholfen hat die Freistellung Schieles nicht.

Und das führt zum nächsten Punkt der Kritik. Vorerst ist geplant, dass Pfitzner sein Traineramt nach zwei Spielen wieder niederlegt. Weitermachen könnte er nur, wenn die Blau-Gelben ihm einen Coach mit Fußball-Lehrer-Schein an die Seite stellen. Davon gibt‘s im Klub momentan nicht nur zwei: U19-Trainer Jonas Stephan – und eben Vollmann. Ist diese Lizenz also ein Trumpf in der Tasche des Sport-Geschäftsführers? Eine Idee, der viele Fans mit Sarkasmus begegnen.

Eintracht Braunschweig sucht neuen Trainer

Doch zurück zum Kern: Eintracht sucht parallel einen neuen Trainer. Die Findungskommission besteht aus Vollmann, Benjamin Kessel und Dennis Kruppke. Seit Vollmanns Amtsübernahme in der sportlichen Leitung hat Eintracht Braunschweig bereits fünf Trainer verschlissen. Und die hat auch Vollmann eingestellt.

Die Kritik an Vollmann ist an vielen Stellen sicherlich berechtigt. Einige Anhänger gehen allerdings noch einen Schritt weiter, als nur in den Kommentarspalten Luft abzulassen. Es gibt sogar eine Petition, mit der die Freistellung des 65-Jährigen forciert werden soll. Bis zum frühen Mittwochnachmittag (14.40 Uhr) hatten dafür 219 Menschen unterschrieben.

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