Das etwas andere Eishockey-Eigengewächs der Grizzlys Wolfsburg

Wolfsburg  Erstmals in seiner Klubgeschichte öffnet Erstligist Grizzlys Wolfsburg den Aufsichtsrat für einen, der im eigenen Nachwuchs gespielt hat.

Jung, dynamisch und ein Eishockey-Kenner: PR-Experte Michael Manske vertritt Hauptsponsor Volkswagen künftig im Aufsichtsrat der Grizzlys Wolfsburg.

Jung, dynamisch und ein Eishockey-Kenner: PR-Experte Michael Manske vertritt Hauptsponsor Volkswagen künftig im Aufsichtsrat der Grizzlys Wolfsburg.

Foto: regios24/Darius Simka (1) und privat (1) / Montage WN

2008 war Damian Martin mit damals 18 Jahren der erste ehemalige Wolfsburger Nachwuchsspieler, der für die Grizzlys in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auflief. 2018 folgte Steven Raabe mit 17 Jahren und war der Erste, der direkt von den Young Grizzlys ins DEL-Team aufrückte. Und 2021 feiert nun ein weiteres Eigengewächs seine Grizzlys-Premiere auf der DEL-Bühne und sorgt für ein Novum: Es handelt sich um den allerdings bereits 30-jährigen Michael Manske. Der Journalist und PR-Experte in Diensten von Hauptsponsor Volkswagen erhält als erster früherer Bambini-Spieler des Vereins ein Mandat im Aufsichtsrat der 2004 gegründeten Grizzlys-GmbH.

Mehr dazu: Grizzlys Wolfsburg: Personalkarussell beim Aufsichtsrat

Die Besetzung des extra neu geschaffenen sechsten Platzes im Kontrollgremium des Klubs mit Manske ist eine kleine Überraschung. Zuletzt waren die Aufsichtsratsmitglieder älter und zumeist hochrangiger als der Leiter der CEO-Kommunikation von Volkswagen, der die digitale Kommunikation von VW-Chef Herbert Diess verantwortet. Doch die Wahl symbolisiert eine wichtige Entwicklung. Der Aufsichtsrat erhält einen Schuss jugendliche Dynamik, Lokalkolorit und sportliches Know-how.

Eishockey als Türöffner

Manske spielte zwischen seinem dritten und elften Lebensjahr nicht nur im Wolfsburger Eishockey-Nachwuchs, sondern fand später über das Eishockey auch den Einstieg in den Journalismus. Für unsere Zeitung berichtete er anfangs über die Grizzlys, ging dann zum Studium nach Hamburg, wo er erst in freier Mitarbeit für die Hamburger Morgenpost und nach seinem Volontariat auch bei der Bild unter anderem erfolgreich über die damaligen Hamburg Freezers schrieb, ehe er das Sport-Ressort verließ und beim Boulevardblatt andere (auch Leitungs-)Aufgaben übernahm. Unter anderem war er federführend in der Berichterstattung über den Dieselskandal bei VW.

2019 wechselte Manske, der zwischenzeitlich schon wieder in Wolfsburg gewohnt hatte, in die Unternehmenskommunikation von VW und so auch zurück in seine Heimatstadt. „Obwohl ich gerne Fußball spiele und schaue, ist Eishockey bis heute meine große Leidenschaft geblieben. Es ist bei aller Härte ein ehrlicher und fairer Sport. Ich kann auch heute noch ein bisschen was selbst auf dem Eis“, erzählt Manske schmunzelnd

Peppi Heiß als erstes Vorbild

Die Liebe für den schnellsten Mannschaftssport der Welt teilt er mit Vater Jörn. „Zu Hause im Fernsehen schauten wir schon früh gemeinsam Eishockey-Spiele.“ Wenn die Kölner Torwartlegende Joseph Heiß über den Bildschirm flimmerte, „plapperte ich schon als ganz Kleiner immer aufgeregt ,Peppi Heiß, Peppi Heiß'“. Als Manske junior drei Jahre alt war, meldete ihn der Senior zur Laufschule im alten Eispalast an. „Da schob ich als Erstes einen gelben Plastikstuhl vor mir her. So lernte ich Schlittschuhlaufen.“

Trotz des späteren Wechsels zum Fußball („Meine Mutter hielt Eishockey für zu gefährlich, ich finde Fußball viel gefährlicher“) riss der Kontakt zu den Wolfsburger Kufencracks nie ab. „Ich ging weiter zu den Heimspielen. Und früher kamen einige Eishockey-Profis öfters auch zum Mittagessen zu meiner Oma nach Hause. Sie und mein Onkel sind auch große Fans.“

Schnelle Entscheidung

Über seinen neuen Arbeitgeber habe sich nun die Möglichkeit ergeben, an der Zukunft seines Heimatklubs mitzugestalten. „Die Grizzlys liegen mir sehr am Herzen. Die Entwicklung, die sie seit ihren Anfängen genommen haben, ist phänomenal. Hier herrscht ein super Arbeitsumfeld. Als ich gefragt wurde, ob ich dem Aufsichtsrat beitreten wolle, musste ich nicht lange überlegen.“

Auch eine erste Vorstellung im Kreis der Mitglieder sei harmonisch verlaufen. Wolfsburgs Oberbürgermeister und Grizzlys-Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Mohrs habe ihn sehr nett willkommen geheißen. „Er hob zu meiner Begrüßung die sportliche Expertise hervor, die ich einbringen kann. Das hat mich sehr gefreut“, sagt Manske, der aber auch „Respekt“ vor der neuen Aufgabe hat: „Finanzen, Verträge – das ist auch eine Chance für mich, dazuzulernen.“

Privates Glück gefunden

Um die Grizzlys voranzubringen. Seine Zielvorstellungen decken sich mit denen der anderen Grizzlys-Verantwortlichen. „Wir wollen einen dauerhaften Play-off-Anspruch erheben können“, formuliert er, verweist aber auch darauf, dass auch der nicht-sportliche Bereich der Organisation mitwachsen müsse.

Nach beruflichen Stationen in Hamburg, Berlin und den USA liegt Manskes Lebensmittelpunkt wieder in der Volkswagenstadt. Kurz vor Weihnachten heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin Angelique, das Paar erwartet im April das erste Kind. Die Heimat hat für Manske große Bedeutung. „Ich möchte mich zukünftig gerne noch mehr hier engagieren.“

Traum vom Meistertitel

Die Heimspielbesuche der Grizzlys stehen jedenfalls auch wieder ganz oben auf der Liste der Freizeitaktivitäten. Als Aufsichtsrat darf er trotz des Zuschauerverbots mit Maske von der Tribüne aus zusehen. Und ungeachtet der neuen Aufgabe schlägt auch weiter ein Fan-Herz in seiner Brust. „Unser Rückstand auf Klubs wie Mannheim und München ist zwar noch enorm, aber ich habe trotzdem den Traum, irgendwann zusammen mit meinem Papa zu erleben, wie die Grizzlys deutscher Meister werden. Dreimal waren wir mit den Vizemeisterschaften ja schon nah dran.“

Zu dieser Traumverwirklichung möchte das Wolfsburger Eishockey-Eigengewächs der etwas anderen Art in seiner neuen Rolle als Aufsichtsrat aktiv beitragen. „Ich hoffe, dass mir das gut gelingt.“

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