Furchner zur Corona-Krise: „Ich möchte noch einmal spielen“

Wolfsburg.  Vor dem Start des Mannschaftstrainings des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten spricht der Kapitän über die bisherige und folgende Vorbereitung.

So nah auf Tuchfühlung dürfen Grizzlys-Kapitän Sebastian Furchner (links) und Armin Wurm zwar noch nicht wieder gehen, aber gemeinsames Trockentraining ist von Freitag an wieder erlaubt.

So nah auf Tuchfühlung dürfen Grizzlys-Kapitän Sebastian Furchner (links) und Armin Wurm zwar noch nicht wieder gehen, aber gemeinsames Trockentraining ist von Freitag an wieder erlaubt.

Foto: Grizzlys / City-Press GmbH / oh

Der Countdown läuft für den Start des Mannschaftstrainings der Grizzlys. Von Freitag an dürfen die Profis des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten erstmals seit der Ausbreitung des Coronavirus’ wieder gemeinsam trainieren. Zumindest in Kleingruppen sowie unter Einhaltung der Abstandsregelungen und Hygienevorschriften. „Ich kann mir noch gar nicht richtig vorstellen, wie das wird“, sagt Stürmer Sebastian Furchner im Vorfeld.

Der Kapitän feierte am Sonntag seinen 38. Geburtstag, hat mit 1030 DEL-Spielen die viertmeisten aller ehemaligen und aktuellen DEL-Profis auf dem Buckel und geht seit 2002 ununterbrochen im deutschen Eishockey-Oberhaus auf Torejagd. Doch in seinen bisher 19 Erstliga-Spielzeiten hat er etwas mit der Corona-Pause Vergleichbares noch nicht erlebt. „Normalerweise ist der Eishockey-Profi eher ein Rudeltier. Abstand zu halten, wird in unserer Sportart erst einmal ungewohnt sein“, sagt er.

Doch er werde alles tun, um die Chance auf den Saisonstart Mitte September zu wahren. Und so beginnt für ihn und seine bereits in Deutschland weilenden Gefährten das Trockentraining im Schichtbetrieb. In zwei bis drei Gruppen und zeitversetzt, so hatte es Manager Charly Fliegauf vergangene Woche angekündigt, soll Fitnesstrainer Peter Kruse die Spieler konditionell ungefähr auf ein Niveau und in Höchstform bringen.

Dazu geht es mit dem obligatorischen Laktattest auf dem Fahrrad-Ergometer im Wolfsburger Institut für Trainingsoptimierung (intro) bei Dr. André Albrecht los. Dort müssen die Spieler – wie aber auch in den Vorjahren schon – einzeln antreten. Dass die Corona-Pandemie grundsätzlich das bisherige Individualtraining negativ beeinträchtigte und die Testwerte schlechter ausfallen werden als in anderen Jahren, erwartet Furchner nicht. „Mein Training lief gut, fast wie in einem normalen Sommer“, erzählt er.

Dazu hat er sich in seiner Garage ein kleines Fitnessstudio eingerichtet, mit aus dem Kraftraum der Grizzlys geliehenen Gewichten und Geräten und einem eigenen Trimm-Rad. „Ich habe das Glück, dass ich den Platz dafür habe. Man muss ein bisschen improvisieren. Aber es hat sogar einen zeitlichen Vorteil, weil ich nirgends extra hinfahren muss zum Training.“

Als Kapitän ist es auch seine Aufgabe, bei der Integration der neuen Spieler voranzugehen. Das fällt aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten bislang schwer. „Ich hatte aber schon Kontakt zu allen Neuen.“ Aber nur per Telefon und Text-Messenger. Furchner: „In der Vergangenheit hatte ich auch immer mal jemanden zum Grillen und Quatschen zu mir eingeladen. Das ging in dieser Sommerpause ja bislang leider nicht.“ Er wartet nun gespannt ab, ob Bundes- und Länder-Regierungen am Mittwoch eine weitere Lockerung beschließen, sodass vielleicht Treffen mit mehr als einer Person wieder möglich werden.

Ansonsten will er wie bisher strikt die Vorgaben erfüllen. Auf dem Eis könnte es für ihn eine Premiere geben. Die DEL-Verantwortlichen überlegen, zumindest vorübergehend Helme mit durchsichtigem Vollvisier statt des bisherigen Halbvisiers einzuführen, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Ein Vollvisier bekommen bisher nur Spieler mit Gesichtsverletzungen zum Schutz. Die Corona-Variante müsste zudem baulich sicherstellen, dass die Atemluft nicht nach vorn entweicht. „So etwas musste ich noch nie tragen. Aber wenn es uns die Aufnahme des Trainings erleichtert, bin ich dafür“, sagt Furchner.

Denn eines möchte er tunlichst vermeiden: Dass er seine großartige Karriere wegen Corona nicht fortsetzen kann. „Furchi“ hatte vor einiger Zeit bereits davon gesprochen, dass 2020/21 seine letzte Saison sein könnte.“ Seinen 2020 ausgelaufenen Spieler-Vertrag hatte er nur um ein Jahr verlängert. „Ich möchte auf jeden Fall noch einmal spielen. Ganz gleich, ob das von Mitte September oder Ende Oktober an oder erst im nächsten Jahr ist. Darauf bereite ich mich vor.“ Und von Freitag an immerhin wieder gemeinsam mit einigen Kollegen...

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