Weltenbummler aus Ostlutter wagen das „Abenteuer Afrika“

Ostlutter.  Claudia und Christian Reichert aus Ostlutter haben ihr Haus verkauft und ihre Jobs aufgegeben: Sie reisen mit einem LKW-Oldtimer durch Afrika.

Claudia und Christian Reichert packen ihren LKW für ihre Abenteuerreise durch Afrika. Für diesen Traum haben die beiden aus der Samtgemeinde Lutter ihr Haus verkauft und ihre Jobs aufgegeben.

Claudia und Christian Reichert packen ihren LKW für ihre Abenteuerreise durch Afrika. Für diesen Traum haben die beiden aus der Samtgemeinde Lutter ihr Haus verkauft und ihre Jobs aufgegeben.

Foto: Andrea Leifeld

Die Pressemeldung neulich ließ aufhorchen: „Immer mehr Deutsche suchen ihr Glück im Ausland. Für eine Reise, eine unbestimmte Zeit oder gar das ganzen Leben.“

Claudia und Christian Reichert gehören zu jenen Mitbürgern, die sich diesen persönlichen Traum erfüllen – und dafür alles aufgeben, was in unserer Gesellschaft vielen Menschen von großer Bedeutung ist: Sie haben zwei gute Jobs gekündigt, ihr Haus und Firmenanteile verkauft – und machen sich in diesen Tagen mit einem LKW-Oldtimer auf den Weg nach Afrika. Fernziel ist zunächst Südafrikas südwestlichster Zipfel: das Kap der Guten Hoffnung. Die Reisedauer ist unbestimmt. Mehrere (oder gar viele) Jahre sind aber sicher.

Die entscheidende Frage vorab: Wie kommt man auf so eine wahrhaft abgefahrene (oder vielleicht auch bekloppte) Idee? Claudia Reichert muss bei der Frage schmunzeln. Sehr oft wurde die 45-jährige in den vergangenen Monaten mit vielen unterschiedlichen Meinungen zahlloser Bürger konfrontiert. „Die einen finden die Idee gut, andere wiederum blöd oder gar unverantwortlich. Fest steht: Christian und ich waren schon immer reisebegeistert. Viele Jahre waren wir mit dem Wohnmobil unterwegs.“

Vor vier Jahren entdeckten sie dann „Beule“, einen Mercedes L 1113, einen LKW-Oldtimer Baujahr 1971 mit Koffer und Allrad aus dem Bestand der Feuerwehr. Kurze Haube – langes Leben, sagen Kenner diesem soliden und treuen Fahrzeugtyp nach. „Es war Liebe auf den ersten Blick. Für uns beide.“ Schnell war das schnöde Wohnmobil vergessen und die ganz andere Art des LKW-„Weltenbummler“-Reisens wurde entdeckt. „Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Man kann es lieben und faszinierend finden oder man wird es niemals verstehen!“, so Christian Reichert (48).

Die Fahrtrichtung der Urlaubsreisen war ihnen gen Süden immer vorgegeben. Unter anderem ging es 2016/2017 für drei Monate bis in den Senegal. Die gemeinsame Liebe zur mehrjährigen Afrika-Fernreise wuchs mit jedem Kilometer. Irgendwie war schon damals die Entscheidung gefallen das Abenteuer anzutreten. Allerdings sollte es kein kopfloses Hinschmeißen sein, sondern eine geordnete Reise, die mit den eingangs aufgezählten Aufgaben etliches an Vorbereitung bedurfte.

Anfang 2019 ging es noch einmal für vier Monate nach Nordafrika – die letzte Probe vor dem entscheidenden Schritt. Dann ging alles Schlag auf Schlag, doch nicht ganz so schnell wie erhofft.

„Sich von Haus und Mobiliar zu trennen, ist am Anfang echt nicht leicht. Man hat so das Gefühl, man arbeitet sich durch seinen eigenen Nachlass. Auch einige Käufer von Möbelstücken oder anderen noch verkaufstauglichen Gegenständen trugen nicht unbedingt zum Wohlbefinden bei.“, erinnert sich Claudia im Rückblick.

Etliche Hürden verzögerten die Abreise um einige Wochen. Zeit, die Claudia und Christian Reichert nutzten, um sich mit möglichst vielen zusätzlichen Informationen zu versorgen. Das Internet, Auswärtiges Amt und Reiseberichte sind durchaus gute Quellen. Deutlich wichtiger sei aber eine Faustregel der LKW-Weltenbummler: „Jeder, der dir auf deiner Reise entgegenkommt, hat wichtige und aktuelle Informationen von dort, wo du grade hinwillst!“

Claudia und Christian Reichert drückten auch im Sommer noch gemeinsam die Fahrschulbank. Das Auflasten des LKW auf neun Tonnen zulässiges Gesamtgewicht macht den LKW-Führerschein Klasse „C“ erforderlich. „Alles was wir nun noch besitzen, muss auf dem LKW mit, da mussten wir die Tonnage erhöhen“, erklärt Claudia.

Auch war es dem Ehepaar wichtig, dass beide eine Fahrerlaubnis besitzen. „Man weiß nie, was unterwegs noch alles kommt. Da ist es sinnvoll, wenn beide fahren dürfen.“ Eine Auslands-Krankenversicherung ist zunächst für fünf Jahre abgeschlossen und in ihrem Personalausweis „ohne Wohnsitz in Deutschland“ vermerkt. Nur ihr Hund Ole (13) wird sie begleiten.

Auf der ersten Etappe des neuen Lebensabschnittes werden sie durch Europa reisen; Italien, Frankreich, Spanien – und auch Portugal. Erst Ende Januar wollen sie auf den afrikanischen Kontinent übersetzten. Dort wird der Weg die Reiseroute bestimmen. „Uns treibt ja niemand. Wir haben nun alle Zeit der Welt.“ Auf www.beuleaufreisen.de kann man die Reise verfolgen.

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