Präsidentinnen wollen das Thema Vielfalt aus Nische holen

Braunschweig.  TU Braunschweig, Ostfalia und HBK stärken die Genderforschung – und stellen ihr Netzwerk auf eine neue, stetigere Grundlage.

Die drei Präsidentinnen der Hochschulen unserer Region: (von links) Professorin Rosemarie Karger (Ostfalia), Professorin Anke Kaysser-Pyzalla (TU Braunschweig) und Vanessa Ohlraun (HBK Braunschweig).

Die drei Präsidentinnen der Hochschulen unserer Region: (von links) Professorin Rosemarie Karger (Ostfalia), Professorin Anke Kaysser-Pyzalla (TU Braunschweig) und Vanessa Ohlraun (HBK Braunschweig).

Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Dass es drei Präsidentinnen sind, die zum Pressegespräch über Geschlechtergerechtigkeit laden, hat Symbolkraft. Trotzdem sind Frauen an der Spitze nach wie vor die Ausnahme. Je höher in der Hochschulhierarchie man klettert, desto weniger Frauen gibt es. Gerade Technische Hochschulen sind nach wie vor eher männerdominiert. Forschung, die solche Verhältnisse in den Blick nimmt, fristet in manchen Fächern bestenfalls ein Nischendasein. Gleichwohl findet TU-Präsidentin Anke Kaysser-Pyzalla : „Dass hier drei Frauen sitzen, zeigt schon mal, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Vom „Zentrum“ zum „Netzwerk“

Entscheidend zum richtigen Weg beigetragen hat aus Sicht der drei Hochschulspitzen – neben Kaysser-Pyzalla die Präsidentin Vanessa Ohlraun von der Hochschule für Bildende Künste (HBK) und Rosemarie Karger von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften – das Braunschweiger Zentrum für Gender Studies. 2003 gegründet, wird die Einrichtung nun auf neue Beine gestellt – und umbenannt in „Netzwerk für Gender und Diversity Studies“. So soll deutlicher werden, dass die Einrichtung nicht selbst forschend tätig ist. „Zentrum klang für unsere Begriffe zu sehr nach Forschungszentrum“, sagt Kaysser-Pyzalla. Statt selbst zu forschen, unterstützt die Einrichtung Lehre und Forschung. Auch die Verleihung der Ricarda-Huch- Poetik-Dozentur organisiert sie alljährlich mit Partnern.

Ingenieurwissenschaften sollen weiblicher werden

„Von Seiten der Studierenden wird immer häufiger der Wunsch geäußert, Diversity-Themen stärker zu berücksichtigen“, berichtet Vanessa Ohlraun von der HBK. Ziel des Netzwerkes ist es aber auch, Gender-Ansätze in Fächern einzubringen, in denen diese Perspektive bisher kaum eine Rolle spielt. Als Beispiel nennt Karger das Ostfalia-Projekt „Die Elektromobilität ist weiblich“ aus dem Bereich Verkehrsmanagement. Hier ging es um Frauen als Zielgruppe für E-Fahrzeuge. Das Zentrum für Gender Studies hatte die Wissenschaftler bei Konzeption beraten.

Aber es läuft auch umgekehrt, berichtet Juliette Wedl, die das Netzwerk als Geschäftsführerin leitet. So habe sie für das Pädagogik-Projekt „Hochschule lehrt Vielfalt“ zunächst Mittel eingeworben und erst dann geeignete Forscher gesucht. „Wenn es inhaltlich passt, ist mein Ziel immer, alle drei Hochschulen zusammenzubringen. Diese Interdisziplinarität ist sehr bereichernd.“

„Diversity“ – die Weitung des Blicks

Ein weiterer Grund der Umbenennung ist die Weitung des Blicks: Nicht nur für Gender – also Geschlecht – sondern für „Diversity“, also für Vielfalt allgemein, soll der Blick geschärft werden. „Etwa wollen wir auch Menschen mit Einschränkungen in den Fokus nehmen“, gibt Kaysser-Pyzalla ein Beispiel. Auch Herkunft und Alter sollen mehr berücksichtigt werden.

TU, HBK und Ostfalia legen 100.000 Euro jährlich zusammen

Außerdem wollen die Hochschulen das Fundament der Einrichtung weiter festigen. Bisher wurde es über Mittel des Landes finanziert. In Zukunft werden TU, Ostfalia und HBK die Mittel aus ihren Etats bestreiten: 100.000 Euro im Jahr legen sie zusammen – „solidarisch nach den jeweiligen Möglichkeiten“, wie die TU-Präsidentin betont. Ausgehandelt wurde die Zusammenarbeit auf höchster Ebene – von den Präsidentinnen selbst. Karger: „Das zeigt, dass uns dieses Thema ein echtes Bedürfnis ist.“

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