VW tauscht 70.000 Händler-Logos aus

Wolfsburg.  Los geht’s im September mit dem Verwaltungshochhaus in Wolfsburg. Imagewandel und Logo-Neugestaltung gehen einher mit der Präsentation des ID.3.

Wolfsburg, 22.08.2019, VW stellt neuen Markenauftritt vor, VW präsentiert neues Logo und E-Auto ID.3 Foto: regios24/Darius Simka

Wolfsburg, 22.08.2019, VW stellt neuen Markenauftritt vor, VW präsentiert neues Logo und E-Auto ID.3 Foto: regios24/Darius Simka

Foto: Darius Simka / regios24

Wer sich künftig in ein neues Modell der Marke VW setzt und den Sprachassistenten aktiviert oder wer einen VW-Werbefilm sieht, wird von einer Stimme angesprochen, die vielen vertraut sein dürfte. Sie kommt von Luise Helm, der Synchronsprecherin von Schauspielerin Scarlett Johansson, und ist die neue Stimme des Wolfsburger Autobauers. „VW hatte 25 Jahre eine männliche Stimme, das wollten wir ändern“, sagte am Donnerstag Ralf Brandstätter, der das operative Geschäft der Konzern-Kernmarke leitet. Verschiedene Stimmen hätten zur Auswahl gestanden. „Die von Luise Helm passt am besten zur Marke“, sagte der Vorstand. Der Stimmenwechsel ist ein Baustein im geplanten Imagewandel der Marke VW.

Zu Weiß und Blau gesellt sich Hellblau

Lebendiger, humorvoller, sauberer, weiblicher, bunter – all das will VW künftig sein. Daher wird sich etwa mit entsprechenden Motiven die Bildersprache ändern. Zudem sollen die bisher in weiß gehaltenen Messestände tatsächlich bunter werden – in warmen Farben. Und zu den klassischen VW-Farben Blau und Weiß soll sich künftig noch ein Hellblau gesellen.

Aus das Logo ändert sich, wird schlanker. Das im Markenzeichen unten stehende W wird den Kreis nicht mehr berühren, sondern „schweben“. Weltweit sollen bei 10.000 Händlern und Werkstätten bis Mitte nächsten Jahres 70.000 Logos ausgetauscht werden. Los geht es in Wolfsburg, parallel zum Start der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt. In der Nacht vom 9. auf den 10. September steht am Wolfsburger Verwaltungshochhaus der Austausch an.

Der Imagewandel und die Neugestaltung des Logos gehen einher mit der Präsentation des ID.3. Dieses Auto ist das erste Modell einer rein elektrischen Fahrzeug-Familie. Die Produktion soll Ende des Jahres anlaufen. Zu den Händlern kommt der ID.3 im neuen Jahr. Die 3 im Namen steht laut Brandstätter für Kompaktklasse und deute an, dass noch Fahrzeuge in den Segmenten darunter und darüber folgen können – und genau das ist ja geplant. Namen wie Polo, Golf oder Passat soll es für die Stromer nicht mehr oder nur in Kombination mit dem Kürzel ID. geben. So zeigt zum Beispiel die Studie ID. Buzz, wie künftig ein rein elektrischer Bulli aussehen könnte.

Golf 8 wird in diesem Jahr präsentiert

Was am Donnerstag nahezu unterging: In diesem Jahr wird auch noch der Golf 8 präsentiert, die jüngste Generation von Volkswagens Brot-und Butter-Auto.

Laut Brandstätter schließt sich im Herbst ein Kreis. „Dreieinhalb Jahre haben wir auf diesen Moment hingearbeitet.“ Im Oktober 2015, einen Monat nach Bekanntwerden des Abgas-Betrugs, habe das VW-Management die Strategie „Transform 2025+“ für den grundlegenden Umbau des Autobauers entworfen. Die erste Etappe sei nun beendet. Sie beinhaltete die deutlich stärkere Gewichtung des weltweit wachsenden SUV-Segments, interne Neuorganisation und die Neuaufstellung der Komponenten-Fertigung.

Der ID.3 markiert nun den Beginn der zweiten Etappe. Und die sieht bis 2025 den massiven Ausbau des Angebots an E-Fahrzeugen vor. Nichts weniger als Weltmarktführer will die Marke VW werden. Bis 2025 soll dieses Ziel erreicht sein. Dass VW gleichzeitig das SUV-Segment puscht, ist für den Autobauer kein Widerspruch. Denn die Gelände-Limousinen sollen das Geld für die Investitionen in den E-Mobilität verdienen. Die dritte und letzte Etappe der Strategie sieht ab 2030 den Ausbau unter anderem des autonomen Fahrens vor. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Zunächst gilt es, Käufer für den ID.3 als ersten reinen Stromer zu gewinnen. Für das sogenannte Pre-Booking, das seit Mai eingerichtet ist, haben sich laut Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann inzwischen mehr als 27.000 Interessenten registriert. Sie sollen beim Kauf dieses Modells bevorzugt werden, wenn sie ihre Anzahlung von 1000 Euro vorher nicht zurückbuchen lassen. Pünktlich zur IAA werde die geplante Schwelle von 30.000 Registrierungen überschritten, kündigte Stackmann an. „Die Kunden wollen das Auto ,Made by Volkswagen’“, frohlockte er.

Am Ende geht es ums Geldverdienen

Das ist enorm wichtig, damit die Wolfsburger ihre wirtschaftlichen Ziele erreichen können. Auch wenn Eigenschaften wie weiblich, sauber, bunt und humorvoll werblich im Vordergrund stehen, geht es am Ende doch ums Geldverdienen. Das machte auch Brandstätter deutlich: Der Autobauer trage nicht nur Verantwortung für seine 200.000 Mitarbeiter bei der Marke VW. Hinzu kämen etwa zwei Millionen Beschäftigte bei den Zulieferern. Würden noch die Familien der Arbeitnehmer hinzugerechnet, käme rasch eine Zahl zwischen sechs und acht Millionen Menschen zusammen, die auf den wirtschaftlichen Erfolg der Konzern-Kernmarke angewiesen seien.

Trotz der aktuellen Flaute auf vielen Märkten, etwa in Europa, gab sich Brandstätter zuversichtlich, dass VW seine Ziele erreiche. Aktuell gebe es keinen Anlass ,die Prognose für das laufende Jahr zu korrigieren. Das Unternehmen habe im Vergleich zu anderen Autobauern sehr früh eine Plattform- und vor allem Baukasten-Strategie entwickelt, die Kosten spare und die Wettbewerbsfähigkeit sichere. So gebe es auch für die neuen Stromer einen eigenen Baukasten, den Modularen Elektrifizierungsbaukasten. „Wir planen die Elektro-Mobilität in hohen Stückzahlen“, unterstrich er.

Seit 2015 sei die Rendite der Marke VW von damals 1,8 Prozent auf knapp 4 Prozent Ende des vergangenen Jahres gesteigert worden. Bis 2022 solle die Schwelle von 6 Prozent erreicht werden. „Das heißt, wir wollen unser Rendite-Ziel drei Jahre früher als geplant erreichen“, sagte Brandstätter.

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