Klimaserie: Ohne „grünen“ Wasserstoff geht wenig

Hannover.  Niedersachsens Landesregierung sieht Wasserstoff als Schlüssel zur industriellen Zukunft – und mahnt den Bund.

Ein Wasserstofftankfahrzeug verlässt das Betriebsgelände eines Energieparks in Mainz mit Wasserstoff. Niedersachsen setzt wie andere Bundesländer auf klimafreundlichen „grünen Wasserstoff“.

Ein Wasserstofftankfahrzeug verlässt das Betriebsgelände eines Energieparks in Mainz mit Wasserstoff. Niedersachsen setzt wie andere Bundesländer auf klimafreundlichen „grünen Wasserstoff“.

Foto: Foto: Andreas Arnold / picture alliance/dpa

Beim niedersächsischen Klimaschutzgesetz hatte es noch gehakt zwischen Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) und seinem Kabinettskollegen Olaf Lies (SPD), der für Umwelt zuständig ist. Für eine niedersächsische „Bundesratsinitiative zum Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft aus Basis erneuerbarer Energien“ traten beide am Dienstag Seite an Seite vor die Presse. Und auch bei der Botschaft passte kein Blatt zwischen die beiden Minister. „Grüner Wasserstoff wird der global strategische Energieträger der Zukunft“, sagte Althusmann.

Zwar war es Althusmann selbst, der 2018 in Wolfsburg die erste Wasserstoff-Tankstelle des Landes vorstellte. Und zwar hat der niedersächsische Landkreis Schaumburg von der Bundesregierung den Zuschlag als eine von bundesweit neun Modellregionen für Wasserstoff bekommen. Gemessen an den Anforderungen, nämlich dem Einsatz von „grünem“ Wasserstoff im industriellen Maßstab, ist alles das aber eher Folklore. Im Hamburger Hafen aber soll eine Großanlage für Wasserstoff-Elektrolyse entstehen, in Salzgitter arbeitet die Salzgitter AG an einer zukunftsweisenden Umstellung ihrer Produktionsverfahren. Das Ziel lautet „grüner“ Stahl.

„Eine auf grünem Wasserstoff basierende Energiewirtschaft ist der Schlüssel für Deutschlands industrielle Zukunft“, hatte Umweltminister Lies schon bei einem Fachtreffen Ende August in Cuxhaven zu „grünem“ Wasserstoff und Offshore-Windenergie gesagt. Althusmann wiederum verwies am Dienstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Lies auf eine Achse der norddeutschen Länder bis hin zu den Niederlanden und Dänemark, die die Potenziale der Wasserstoff-Technologie erkannt hätten. Vom Bund fordert das Land in dem Bundesrats-Antrag den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft – enge Abstimmung mit den Ländern und Förderung inklusive. Der Wasserstoff wird unter Einsatz erneuerbarer Energien erzeugt – dies nutze den „klimapolitischen Zielen“, erklärte Lies. Althusmann wiederum betonte die „industrielle Wertschöpfungskette“ und den Einsatz von grünem Wasserstoff in Verkehr und Schwerindustrie. „Gerade im Bereich Verkehr sind wir hier im Land schon gut unterwegs, beispielsweise mit wasserstoffbetriebenen Nahverkehrszügen im Testbetrieb und mit Nutzfahrzeugen für Transport, Straßenreinigung und Abfallsammlung“, betonte Althusmann.

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Um Modellregionen, „Reallabore“ mit Versuchscharakter und Testbetriebe geht es Niedersachsen aber nicht mehr. Man wolle das Erzeugen, Speichern und Übertragen von „grünem“ Wasserstoff intensiv voranbringen, sagte Lies. Dieser könne dann direkt oder in weiterverarbeiteter Form im Wärme-, Verkehrs- oder Industriesektor eingesetzt werden, heißt es in der Bundesratsinitiative. Die Wettbewerbsfähigkeit des „grünen“ Wasserstoffs müsse über eine Steuer- und Umlagenreform im Energiesektor gestärkt werden. Strom etwa, der zum Erzeugen von „grünem“ Wasserstoff zur Nutzung im Schienenverkehr erzeugt wird, soll aus der EEG-Umlage fallen. Sogenannte Power-to-X-Anlagen zur Nutzung von „erneuerbarem Strom“ für diverse Produkte würden sicher landesweit entstehen, sagte Althusmann am Rande der Pressekonferenz. In einem Arbeitspapier zur norddeutschen Wasserstoffstrategie spricht sich MAN Energy Solutions für eine große Power-to-Gas-Pionieranlage in Salzgitter aus.

„Bei Alstom in Salzgitter droht den Beschäftigten mangels Aufträgen für neue Wasserstoffzüge Kurzarbeit“, erklärte der Grünen-Landtagsabgeordnete Detlev Schulz-Hendel am Dienstag zum Vorstoß Niedersachsens. „Wir sind in Deutschland sehr weit vorn, was die CO2-Effizienz unserer Industrieproduktion anbelangt“, sagte Althusmann. Aber man brauche den „grünen“ Wasserstoff.

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