Hilfe von Heintje und Heinz Erhardt

Neuerkerode.  Mit alten Melodien versucht man in Neuerkerode, die Erinnerung von Demenzkranken anzuregen.

Biografiearbeit mit Gruppenleiterin Annegret Heinze und im Mobiliar der Wirtschaftswunderjahre soll Patienten im alte Wäschehaus in Neuerkerode helfen, sich zu erinnern und aktiv sein zu können.

Biografiearbeit mit Gruppenleiterin Annegret Heinze und im Mobiliar der Wirtschaftswunderjahre soll Patienten im alte Wäschehaus in Neuerkerode helfen, sich zu erinnern und aktiv sein zu können.

Foto: Frank Schildener

Ein Schlager der 50er Jahre tönt durch den Raum, zwischen Nierentisch und Omas Buffetschrank sitzen die dementen Bewohner und handarbeiten oder spielen. Im Ambiente der Wirtschaftswunderjahre steht die Biografiearbeit im Vordergrund.

Im Alten Waschhaus in Neuerkerode organisiert die „Neuerkeröder Wohnen und Betreuen“ ihre Tagesförderung für Bürgerinnen und Bürger aus dem inklusiven Dorf, die eine Behinderung haben und zusätzlich an Demenz leiden. Wo früher Wäsche gewaschen wurde, stehen heute Nierentisch, Küchenbuffet, Sofamöbel oder eine Schminkkommode. Die Einrichtung hilft den hier Betreuten, Erinnerungen zu aktivieren, bevor sie gänzlich vergessen werden. Sie freuen sich über die musikalische Untermalung, die ihnen nicht selten bekannt vorkommt, sie helfen bei der Küchenarbeit oder stöbern in alten Büchern. „Das ist oftmals ein Wettlauf mit der Zeit“, weiß Gruppenleiterin Annegret Heinz.

Das bewusste Retro-Ambiente unterstützt beim Erinnern. Wenn ein Heintje-Schlager im Radio laufe, oder Heinz Erhardt im Fernseher, dann helfe das, weil sich die Menschen daran gerne erinnern. „Kürzlich haben wir ein altes Röhrenradio bekommen. Das können sie im Gegensatz zu modernen Anlagen noch bedienen. Mit dem Radio kommen Erinnerungen zurück“, so Heinz. Das Kuba-Imperial kam als Spende und wurde vom Kuba-Museum in Wolfenbüttel wieder hergerichtet. „Wir machen im Rahmen der Biografiearbeit auch Ausflüge zu Stationen aus dem Leben unserer Bewohner“, berichtet Annegret Heinz.

Zum Angebot gehört auch eine Tanz- und Bewegungsgruppe und ein Musikkreis, der sich regelmäßig trifft. „Oft sagen sie, dass sie die Strophen nicht kennen würden, wenn sie aber zusammen singen,kommt das oft zurück“, berichtet Heinz. Diese Biografiearbeit ist auch Sozialarbeiterin Julia Brands wichtig. „Poesie, Gedichte oder alte Filme aus der Nachkriegszeit helfen, Erinnerungen wachzurütteln“, weiß sie. „Es wäre mein Wunsch, dass einmal wöchentlich jemand kommt und die Menschen mit Poesie erreicht“, so Brands. Weckworte, weiß sie, machen Erinnerungen lebendig. „Das ist ihre moderierte Chance auf Erinnerungen an alte Zeiten“, so Brands. Aus Spendenmitteln solle deshalb für zunächst drei Jahre ein pädagogisches Angebot geschaffen werden. Spenden über 5000 Euro braucht es, um für drei Jahre eine Honorarkraft zu engagieren, die einmal wöchentlich mit den Senioren und Seniorinnen zu arbeiten.

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