Was steckt hinter der CDU-Wahlschlappe?

Hannover  Nach der Landtagswahl-Schlappe hat bei der Niedersachsen-CDU die Frage nach dem Warum eingesetzt. Selbst in Ex-Hochburgen lag die SPD vorn.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt neben Bernd Althusmann, Spitzenkandidat der CDU in Niedersachsen, zur Pressekonferenz.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt neben Bernd Althusmann, Spitzenkandidat der CDU in Niedersachsen, zur Pressekonferenz.

Anne-Marie Glowienka hat’s nicht geschafft. Mit 222 Stimmen - das sind 0,4 Prozentpunkte - unterlag die Kandidatin aus dem CDU-Wahlkreis Oldenburg-Land bei der niedersächsischen Landtagswahl dem SPD-Kandidaten Axel Brammer. Das Direktmandat in dem einst als CDU-Hochburg geltenden Wahlkreis ist eins von insgesamt 22, das die SPD den Christdemokraten bei der Landtagswahl abgenommen hat. Woran lag’s?

Glowienka hat mehrere Erklärungsansätze. „Zum einen hatte ich als Neu-Einsteigerin nur wenige Wochen Zeit, um mich bekannt zu machen“, sagt sie. Ihr Gegenkandidat von der SPD habe es da als Landtagsabgeordneter deutlich einfacher gehabt.

Zum anderen fehlte auch Rückenwind durch die Bundestagswahl, meint sie. Sie stimmt darin überein mit Niedersachsens CDU-Generalsekretär Ulf Thiele, der am Morgen danach in der Landeshauptstadt Hannover das historisch schlechte Abschneiden seiner Partei zu erklären sucht.

Der Wahlkampf sei zeitlich sehr knapp gewesen, die CDU habe die wesentlichen landespolitischen Themen nicht mehr fokussieren können und Impulse durch die Bundestagswahl habe es kaum gegeben, sagt er. Gab es also einen „Merkel-Malus“ wegen der schwindenden Popularität von Kanzlerin Angela Merkel? Die CDU sackte immerhin auf 33,6 Prozent ab und rutschte damit auf ihr schlechtestes Ergebnis seit 1959.

Auch Björn Thümler, der bisherige CDU Fraktionschef, hat in der Wesermarsch seinen Wahlkreis verloren - knapp anderthalb Jahrzehnte, nachdem er ihn für seine Partei erringen konnte. Immerhin ist er wie 17 weitere CDU-Kandidaten über die Landesliste abgesichert.

Seine Erklärung? Er hält es für zu einfach, nur den Bundestrend oder die Bundeskanzlerin für das schlechte Abschneiden verantwortlich zu machen. „Das wäre zu billig, es war eine Mischung aus allem“, sagt er. Er führt es unter anderem auf die Nähe zu den Schulferien zurück und sagt: „Alles das, was vermeintlich irgendwann mal klug aussah, hat sich am Ende dann doch nicht als so klug erwiesen - aber das ist auch die Abteilung: Hätte, hätte, Fahrradkette...“

Thümler hatte einst die frühere Grünen-Abgeordnete Elke Twesten nach ihrem CDU-Übertritt der Öffentlichkeit präsentiert. Deren Schritt löste den Verlusts der rot-grünen Ein-Stimmen-Mehrheit im Lande und damit vorgezogene Neuwahlen aus - und bescherte der SPD eine Art Dolchstoßlegende. Eine gemeine Intrige, ein Verrat an demokratischen Werten, so der Tenor der SPD-Kritik bei der Interpretation des grünen Wendehalses. „Dieses Bild hat vielen konservativen Kreisen nicht gefallen“, glauben die Arbeitgeber der Niedersächsischen Metall- und Elektroindustrie. Ein wahres „Stakkato von Kleinigkeiten“ habe das Bild des CDU-Spitzenkandidaten getrübt.

Thümler sagt bei der Ursachenforschung in der Fraktionssitzung am Dienstag eine harte Aussprache voraus. „Die Leute werden da wahrscheinlich ihre Meinung sagen“, meint er und sagt mit Blick auf die Suche nach Sündenböcken: „Irgendjemanden wird’s treffen: entweder meine Person oder den Spitzenkandidaten.“ CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann gilt als gesetzt für das Amt des CDU-Fraktionsvorsitzenden im neuen Landtag. „Ich habe das mit Björn Thümler besprochen: wir sind uns in der Sache einige, dass ich diese Führungsverantwortung jetzt übernehmen soll“, sagt Althusmann.

Intern ist zudem von Unmut bei einigen CDU-Mitgliedern aus einem anderen Grunde die Rede: Viele Mitglieder der CDU-Landtagsfraktion fühlten sich schon im Vorfeld bei der Besetzung der Schatten-Mannschaft von Althusmann übergangen. Immerhin: Kritik an Althusmann lässt CDU-Generalsekretär Ulf Thiele nicht gelten. Unter erschwerten Bedingungen habe der sich wacker geschlagen. dpa

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