Islamistisch-nationalsozialistische Front?

Braunschweig  Im Braunschweiger Terrorprozess sagt der bekennende Neo-Nazi Wladislaw S. aus. Er soll mit Islamisten einen Sprengstoffanschlag geplant haben.

Der Hauptangeklagte Sascha L. im Landgericht Braunschweig. Die ebenfalls angeklagten Masie S. (Mitte) und Wladislaw S. standen per Internet-Chat in Kontakt. Eine der Mitteilungen bezeichnete Polizisten und Soldaten der Bundeswehr als „Judendiener“.

Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Der Hauptangeklagte Sascha L. im Landgericht Braunschweig. Die ebenfalls angeklagten Masie S. (Mitte) und Wladislaw S. standen per Internet-Chat in Kontakt. Eine der Mitteilungen bezeichnete Polizisten und Soldaten der Bundeswehr als „Judendiener“. Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Beim zweiten Prozesstag in der Verhandlung gegen Sascha L. wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat stand am Donnerstag der Mitangeklagte Wladislaw S. im Mittelpunkt. Der 21-jährige Deutsche wird der Beihilfe beschuldigt. Ihm wird vorgeworfen, Sascha L. in seinem Plan, Soldaten oder Polizisten mit einer Bombe zu töten, bestärkt und Videos von Probesprengungen aufgezeichnet zu haben. Als einziger der vier Angeklagten sitzt Wladislaw S. nicht in Untersuchungshaft.

Darüber hinaus ist S. als einziger kein Muslim. „Ich bin Nationalsozialist“, sagte er beim Prozess auf Rückfrage der Beisitzenden Richterin Petra Bock-Hamel. Betont ruhig und gelassen, mit hörbar bayrischem Zungenschlag, beantwortete S. Fragen, die ihm gestellt wurden und ging auch auf seine politischen Überzeugungen ein. Wie er es gemeint habe, dass Soldaten und Polizisten schuldig und „Judendiener“ seien, wollte die Richterin von ihm wissen. Dies hatte er in einem Chat dem Angeklagten Masie S. geschrieben.

„Da muss ich jetzt vorsichtig sein – wegen Paragraf 130“, also wegen des Strafbestands der Volksverhetzung, antwortete Wladislaw S. Demokratie sei die „Herrschaft der Dummen“, zitierte er aus Schillers „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“. Polizisten und Soldaten dienten einem „jüdischen System“, in dem alle die gleiche Stimmgewalt hätten, egal ob dumm oder informiert. Daher seien sie am System mitschuldig. Er selbst bevorzuge eine „ethnische Aristokratie“.

Sascha L. habe er schon vor Jahren kennengelernt, als beide noch extreme nationalistische Anschauungen teilten. Später habe L., der zum Islam konvertiert war, ihn in einer schwierigen Situation bei sich aufgenommen. Vielleicht habe L. versucht, ihn zu missionieren, „vor allem habe ich aber versucht, ihn vom Islam abzubringen.“ Dennoch hatte S. offenbar keine Berührungsängste mit Muslimen wie dem Afghanen Masie S.

Laut einem vor Gericht verlesenen Chat-Protokoll tauschten die Teilnehmer außerdem Scherze über ähnliche politische Farben in Islam und Nationalsozialismus aus. „Hat Sascha L. versucht, eine Querfront zu begründen gegen den gemeinsamen Gegner BRD und ihre ‚Judendiener‘?“, fragte Oberstaatsanwalt Jens Lehmann. Die Pläne L.s kenne er nicht, antwortete Wladislaw S. Aber angesichts des Hasses vieler Nationalsozialisten auf den Islam wäre das Wohl ein Kampf gegen Windmühlen. Er selbst stehe für „Bekenntnisfreiheit“, wobei er sich auf den NS-Ideologen Alfred Rosenberg berief.

Seine Verhaftung bezeichnete S. als unsinnig. Er sei keine Gefahr und lehne sinnlose Gewalt und Terror ab. Das Video von der Probesprengung im Januar 2017 in einem Park in Northeim habe er als Gefallen für Sascha L. aufgenommen. Eine Beteiligung an einem zweiten von der Polizei sichergestellten Video stritten beide ab.

Auch L. wurde am Donnerstag noch einmal befragt. Der Hauptangeklagte wurde mit Aussagen konfrontiert, die er nach dem ersten Prozesstag im Gefängnis getätigt hatte. In Anwesenheit von Polizeibeamten habe er seiner Mutter bestätigt, dass er im Kriegsfall auch sie und seinen Cousin André „abschlachten“ würde. „Wer auch immer gegen uns Muslime kämpft, wird geschlachtet, selbst wenn das der Weihnachtsmann ist“, sagte L. vor Gericht. Auch die Gefährten Mohammeds hätten ihre Väter, Onkel und Brüder erschlagen. „Die Familie steht unter Gott“, so L.

Im selben Gespräch habe er auch einigen seiner Aussagen vom ersten Prozesstag widersprochen, hielt ihm das Gericht vor. So habe er seiner Mutter gegenüber geäußert, dass er es bereue, dass seine Bombe nun entschärft sei und er nicht wie geplant Polizisten getötet habe. „Sie müssen verstehen: Ich war ein bisschen sauer“, verteidigte sich L.

Insgesamt zeigte L. sich defensiver als beim ersten Prozesstag. Mehrfach gab er an, sich nicht mehr erinnern zu können. Die Frage nach einem von ihm bei Facebook kommentierten Video eines Terroranschlags, beantwortete er mit: „Sie müssen mir erst einmal beweisen, dass das mein Facebook-Profil ist.“

Der Prozess wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt.

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