Auf einen Zigarillo mit Volker Bouffier

Braunschweig  Im Wahlkampf gibt er den Erfahrenen aus Hessen an der Seite von Bernd Althusmann – und kommentiert auch die Diskussion zur Obergrenze.

Volker Bouffier hält sich mit der rechten Hand das Mikrofon locker vor die Brust, die linke Hand steckt in der Hosentasche. Während er vor knapp 200 CDU-Anhängern im Braunschweigischen Timmerlah spricht und die Arbeit der CDU preist, wandert er vor seinen Stehtisch. Er holt seine Hand aus der Tasche, wischt beim Gestikulieren durch die Luft und wirkt dabei wie ein routinierter Chansonnier.

Der hessische Ministerpräsident soll den Niedersachsen-Kandidaten Bernd Althusmann und die drei Braunschweiger Landtagskandidaten der CDU an diesem Mittwochabend kurz vor der Landtagswahl prominent unterstützen. In einer Halle des Hofes Voges macht Bouffier den Parteimitgliedern und -anhängern Mut. Für Bouffier geht es um nichts, er ist gewählt und sitzt fest auf seinem Stuhl. Althusmann muss sich am Sonntag gegen Stephan Weil (SPD) durchsetzen – und die Umfragwerte sind knapp. Bouffier kehrt bei der inneren Sicherheit immer wieder den Erfahrenen heraus: „Schon vor 20 Jahren haben wir ein neues Polizeigesetz geschrieben“ oder: „Wir waren bei dem Einsatz von Body-Cams die ersten.“ Mit „wir“ ist Hessen gemeint.

Nach dem Auftritt: Bouffier wollte schon vor 45 Minuten gefahren sein, er steckt sich einen Zigarillo an, Marke Petit, und spricht über die Einigung der CDU und CSU zur Obergrenze, die er eine „kluge Lösung“ nennt. „Wichtig ist, dass wir bei Einwanderung und Integration die Dinge umfassend angehen.“ Dafür seien 200 000 Flüchtlinge als jährliche Obergrenze, wie sie die CSU lange gefordert hat, eine hohe Zahl. „Ich sehe dort eine Größenordnung von 100 000 Menschen.“ Davon unberührt sei das Recht auf Asyl.

Und die Niedersachsen-Wahl? Dass die CDU seit dem Sommer ihren Vorsprung vor der SPD bei Umfragen eingebüßt hat, ist für Bouffier nicht auf die niedersächsische CDU zurückzuführen. „Diese Entwicklung lief parallel zur Bundestagswahl. Dort haben wir viele Wähler an die FDP und einige an die AfD verloren.“ Bouffier selbst regiert mit einem grünen Vize: Tarek Al-Wazir. Der hatte vor zehn Jahren den Rücktritt Bouffiers gefordert. Heute machen sie gemeinsame Sache. „Wir begreifen Ökonomie und Ökologie nicht als Gegensätze.“ Respekt und Vertrauen seien die Grundlage für die hessische Koalition. Ob sich so ein Vertrauen in Niedersachsen nach dem spektakulärem Parteiwechsel von Elke Twesten von den Grünen zur CDU aufbauen ließe, darüber möchte Bouffier nicht spekulieren. „Das entscheiden am Ende die Zahlen. Aber solch einen Wechsel gab es schon hunderte Male.“

Volker Bouffier klappt sein silbernes Zigarillo-Döschen zu, steckt es ein – mit der Leichtigkeit des Chansonniers. „My Way“ von Frank Sinatra ist eines seiner Lieblingslieder. „My Way ist eine treffende Beschreibung für jemanden, der öffentliche Verantwortung trägt. Bei Entscheidungen weiß man manchmal nicht, ob man rechts oder links vorbei soll. Am Ende muss man sich sagen können, dass das der eigene Weg war.“ Jetzt aber liegen erst einmal 300 Kilometer Heimweg vor ihm.

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