Konzept gegen Radikalisierung

Muslime wollen Jugendliche schützen

Lesedauer: 2 Minuten
Abendgebet in der Eyüp Sultan Moschee in der Peiner Südstadt, die zu Ditib gehört.

Abendgebet in der Eyüp Sultan Moschee in der Peiner Südstadt, die zu Ditib gehört.

Foto: Katharina Vössing

Braunschweig  Islamverbände in Niedersachsen planen ein Konzept gegen die Radikalisierung. Sicherheitsbehörden warnen seit langem davor, dass sich Jugendliche über das Internet radikalisieren.

Nun schlagen Islamverbände in Niedersachsen vor, ein Programm zu entwickeln, das die Jugendarbeit in den Moscheegemeinden stärkt. „Jugendliche sollen einen vernünftigen Input bekommen, bevor sie im Internet auf Seiten gehen, die uns nicht genehm sind“, sagt Avni Altiner, Vorsitzender des Landesverbands der Muslime (Schura). ()

Die Schura verhandelt derzeit mit dem Landesverband der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) und der Landesregierung über einen Staatsvertrag, der Muslimen mehr Teilhabe sichern soll. Ähnliche Verträge gibt es bereits in Hamburg und Bremen.

Es gehe um Themen wie den islamischen Religionsunterricht und die Imamausbildung, die staatliche Anerkennung muslimischer Feiertage oder die Seelsorge im öffentlichen Raum, heißt es aus der Staatskanzlei.

Doch die Verbände wollen noch einen Schritt weiter gehen. „Mit einem Konzept für die Jugendarbeit hätten wir bundesweit Vorbildcharakter“, sagt Altiner.

Der FDP-Abgeordnete Jan-Christoph Oetjen bezeichnet es als „vorbildlich“, dass die Muslime selbst aktiv werden. „Maßnahmen von außen bewirken oft Misstrauen, auch wenn sie gut gemeint sind“, sagt er. „Nicht vom Islam gehen die Gefahren aus, sondern von radikalen Splittergruppen.“ Junge Muslime radikalisierten sich meist über das Internet und würden so zu Einzeltätern. Dem könne man begegnen, wenn frühzeitig der richtige Weg aufgezeigt werde.

Auch Sadiqu Al-Mousllie, Landesbeauftragter des Zentralrats der Muslime, begrüßt den Vorstoß. Für die Jugendarbeit müssten Sozialarbeiter oder -pädagogen eingesetzt werden, die aus den islamischen Gemeinden kommen. „Sie wissen am besten, wie man die Jugendlichen anspricht.“

Ursprünglich hatte auch der Verfassungsschutz geplant, ein Konzept gegen die Radikalisierung von Muslimen zu entwickeln. Doch mit dem Wechsel der Landesregierung ist das Aussteigerprogramm eingestellt worden, wie ein Sprecher der Behörde bestätigt. „Der Verfassungsschutz wird nicht mehr als Akteur auftreten.“

Mehr zu diesem Thema lesen Sie hier.

Leider mussten wir die Kommentarfunktion in diesem Artikel sperren.

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder