Kommentar

Corona-Hysterie

„Sars, Mers, Zika, Ebola, Vogelgrippe, Schweinegrippe – wer spricht heute noch darüber?“

Einer chinesischen Familie aus Wolfsburg hat die Tagesmutter fristlos den Betreuungsvertrag ihres einjährigen Sohnes gekündigt. Die Familie berichtet, sie habe nachweisen sollen, dass sie nicht am Corona-Virus erkrankt seien, was indes kein Arzt habe attestieren wollen. Die Tagesmutter bestätigt auch: Vor der Kündigung sei Corona durchaus Thema gewesen in den Gesprächen mit dem chinesischen Elternpaar. Corona-Prävention in Deutschland durch Prävention in der Krabbelgruppe – ist das Ausdruck von berechtigten Sorgen oder nicht längst Hysterie?

Die Nachrichten aus China sind ohne Frage besorgniserregend: Tausende Tote, noch sehr viel mehr Tausende Infizierte. Das Coronavirus sollte nicht unterschätzt, aber hierzulande realistisch betrachtet werden. Fakt ist, dass zum Beispiel in Wolfsburg die Ansteckungsgefahr von einer ganz andere Krankheit viel höher ist: von der Grippe. Allein in diesem Jahr sind bereits 36 Personen an Influenza erkrankt, im vergangenen Jahr waren es insgesamt 308. Hingegen Corona-Infizierte: null.

Die Grippe hat sich wohl schon jeder einmal eingefangen – jüngere legen sich eine Woche ins Bett, bei Senioren gilt erhöhte Aufmerksamkeit. Das Coronavirus ist ähnlich, aber neu, unbekannt und alle Scheinwerfer sind nun darauf gerichtet. Dabei gibt’s alle Jahre wieder solche Krankheitswellen, die Schlagzeilen schreiben: Sars, Mers, Zika, Ebola, Vogelgrippe, Schweinegrippe – wer spricht heute noch darüber? Hysterie ist der schlechteste aller Ratgeber.

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