Diese Woche

Die Corona der Angstmacher

„Die Corona-Epidemie ist kein Fall für Apokalyptiker, sondern für verantwortungsbewusste, vernünftige Menschen.“

„Die ganze Welt ist voll armer Teufel, denen mehr oder weniger – angst ist.“ – Johann Wolfgang von Goethe

Am 30. Dezember 2019 brachte der Augenarzt Li Wenliang die Bedrohung durch den Corona-Virus an den Tag. Er hatte am Zentralkrankenhaus von Wuhan eine Serie von Lungenentzündungen beobachtet. Über eine WeChat-Gruppe warnte er seine Kollegen. Die Behörden dankten es ihm nicht. Er wurde wegen der Verbreitung von Gerüchten gemaßregelt. Offensichtlich wollte man zu diesem Zeitpunkt nicht wahrhaben, dass die Infektion mit einem besonders aggressiven Virus kein Fall für die Vertuschung sein konnte, nicht einmal in einem totalitären System. Der Virus verbreitete sich schnell, mehr als 60.000 Menschen sind krank, 1400 gestorben. Auch Li Wenliang fiel dem Virus zum Opfer. Er starb am 7. Februar in Wuhan. Li wurde nur 33 Jahre alt.

China hat schnell dazugelernt. Nie zuvor gingen die Behörden mit einem brisanten Thema so offen um. Wuhan wurde, so weit das bei einer Großstadt mit über acht und einer Region mit über zehn Millionen Einwohnern möglich ist, abgeriegelt. Krankenhäuser wurden aus dem Boden gestampft, Fieber-Scans zur Erkennung von Infektionen gehören zum Straßenbild.

Dass sich der Virus dennoch innerhalb Chinas und auf viele Länder verbreitet hat, hat einfache Gründe. Die Inkubationszeit von etwa 14 Tagen ließ viele Infizierte zu unerkannten Überträgern werden. Die Symptome ähneln denen einer Erkältung oder gewöhnlichen Grippe. Der Virus hält sich etwa auf Möbeloberflächen eine Woche, sofern er nicht durch Desinfektionsmittel deaktiviert wird. Und er ist besonders verbreitungsfreudig. Die Forscher errechneten eine Basisreproduktionszahl von 2,68 – das ist die Zahl derer, an die ein infizierter Mensch den Virus weitergibt. Es ist ein hoher Wert. Der SARS-Virus, ein Verwandter des jetzt grassierenden SARS-CoV-2, brachte es nur auf einen Faktor von 1,8. Auf unserer verbundenen, vernetzten Welt reist der Virus komfortabel mit.

Der Wuhan-Virus ist eine ernstzunehmende Gefahr. Die Weltgesundheitsorganisation spricht von einer „gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite“. Deshalb ist es aus europäischer Sicht gut, dass China-Reisende besonders aufmerksam betrachtet und Verdachtsfälle gründlich abgeklärt werden – auch wenn dies nicht nur in unserer Region zu einigen blinden Alarmen geführt hat. Und es ist wichtig, dass die Wissenschaft sich sofort auf das Thema warf. Innerhalb weniger Wochen kann es noch keine umfassende gesicherte Erkenntnis geben. Aber man weiß inzwischen vieles, was bei der Eindämmung der Epidemie hilft. Einige Medikamente scheinen zu wirken. Auch an einer Impfung wird geforscht.

Niemand kann ausschließen, dass es zu einer Pandemie kommt, zu einer Seuche, die ganze Länder erfasst. Ausgemacht ist das aber noch lange nicht. Und selbst wenn es so weit käme, wäre Panik die falsche Antwort. Eine Infektion kann ernste Folgen haben, muss es aber nicht. Ein „Todesurteil“ ist die Krankheit Covid-19 schon gar nicht: Die Krankheitsverläufe sind extrem unterschiedlich. Wer sich regelmäßig gründlich die Hände wäscht und stark frequentierte Bereiche sauber hält, tut bereits sehr viel für seine Sicherheit und die seiner Mitmenschen.

Leider gibt es eine erstaunliche Zahl an Zeitgenossen, die ihre Mitmenschen mutwillig verunsichern. Diese Corona der Angstmacher verteilt Youtube-Videos und Facebook- oder Instagram-Posts, die es an Düsternis mit Pieter Brueghels „Der Triumph des Todes“ aufnehmen können. Man möchte sich nach dem Konsum eigentlich direkt hinlegen und sterben. „Idioten!“, sollte man ihnen zurufen und sich abwenden.

Das Schlimme aber ist: Diese Machwerke werden weiterverbreitet. Jeder, der das tut, sollte sich bewusst sein, was er anrichten kann. Und wenn jemand schon glaubt, dass sein Umfeld Kenntnis von den Ein- und Auslassungen der Weltuntergangsbeschwörer erhalten muss, sollte er wenigstens so schlau sein, Links zu seriösen Quellen anzuhängen. Das Robert-Koch-Institut ist auf seiner Internetseite www.rki.de glänzend sortiert, wer englisch, spanisch oder russisch spricht, kommt auch bei der Weltgesundheitsorganisation unter www.who.int zu guten Informationen. Beim Bundesgesundheitsministerium steht vieles über die Rückkehrer aus Wuhan unter www.bundesgesundheitsministerium.de, und selbst auf der drögen Seite des niedersächsischen Gesundheitsministeriums kann man ein klein wenig klüger werden.

Die Corona-Epidemie ist kein Fall für Apokalyptiker, sondern für verantwortungsbewusste, vernünftige Menschen. Statt uns verrückt zu machen, sollten wir in Deutschland und Europa die Menschen in China unterstützen, die der Virus in konkrete Not stürzt. Wir selbst haben eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, exzellente Krankenhäuser, Ärzte und Pfleger, wir haben alle Medikamente, die die Pharmazeutik kennt.

Um es mit Douglas Adams zu sagen: „Keine Panik!“

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