Banken sparen sich weg

„Die Vielfalt der Banken nimmt ab. Der Wettbewerb sinkt. Für den Kunden ist das keine gute Entwicklung.“

Redakteurin Katharina Lohse

Ich bin einer der Gründe für das Filialsterben der Banken. Wie hunderttausende Andere brauche ich niemanden, der meine Überweisung entgegennimmt oder mir noch einen Vorsorgevertrag aufschwatzt. Für den Alltag brauche ich keine mit Mitarbeitern besetzte Filiale, es reichen Geldautomaten und Online-Banking. Und wenn ich irgendwann ein Auto finanzieren möchte oder ein weiteres Konto eröffnen, fahre ich eben da hin, wo es noch eine Filiale gibt.

Aber das ist die Sicht von jemandem, der in einer Stadt mit vielen Bankfilialen lebt. Würden sich die Umstände nur ein wenig verschieben, würde an dieser Stelle wohl etwas anderes stehen. Beispielsweise, wenn ich Kunde der Deutschen Bank wäre und in Bad Harzburg leben würde, wo die Filiale im kommenden Jahr schließen soll. Wenn ich vierzig Jahre älter wäre und keinen Internetanschluss hätte. Oder, wenn ich ein Mitarbeiter wäre, der wegrationalisiert werden soll, natürlich auf freiwilliger Basis.

Eines ist klar: Wenn Filialen schließen, fallen Arbeitsplätze weg und eine wichtige Infrastruktur wird ausgedünnt. Die Attraktivität von Standorten sinkt. Das ist besorgniserregend. Sehr viel beunruhigender allerdings ist die zunehmende Vereinheitlichung des Marktes. In diesem Jahr haben sich fünf Volksbanken aus unserer Region zu zweien zusammengeschlossen. 2017 wird aus drei Sparkassen eine. Die Vielfalt nimmt ab. Und sie wird in den kommenden Jahren weiter abnehmen. Der Wettbewerb sinkt. Für die Kunden ist das keine gute Entwicklung. Ihre Wahlmöglichkeiten beispielsweise bei Kreditkonditionen schrumpfen.

Dass sich diese Entwicklung umkehrt, ist nicht zu erwarten. Denn auch wenn in einigen Jahren die Zinsen wieder steigen und mit ihnen die Einnahmen für die Geldinstitute, drücken immer noch viele Schuhe: die engsten sind wohl die Digitalisierung und der demografische Wandel.

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