„Infektionszahlen sagen wenig aus“

Hausmeister Joel Cruz reinigt in einem Klassenzimmer in Des Moines, Iowa, einen Tisch. Trotz steigender Corona-Fallzahlen drängt US-Präsident Trump auf eine Öffnung der Schulen nach den Sommerferien.

Hausmeister Joel Cruz reinigt in einem Klassenzimmer in Des Moines, Iowa, einen Tisch. Trotz steigender Corona-Fallzahlen drängt US-Präsident Trump auf eine Öffnung der Schulen nach den Sommerferien.

Foto: Charlie Neibergall / picture alliance/dpa

Zu „60.000 Neuinfektionen in den USA – an einem Tag“:

Vorneweg: Ich bin kein Freund von Trump und seiner Politik. Ich bin aber auch kein Freund von einseitigen Darstellungen in den Medien. 60.000 Neuinfektionen in den USA heißt nicht: 60.000 Erkrankte oder gar Tote. Zudem muss man die Zahl der Infektionen immer mit der Zahl der Einwohner in Zusammenhang setzen. Wer etwa bei Ourworldindata.org die Tabellen anschaut, erkennt schnell, dass in den USA momentan die Zahl der Tests rasant angestiegen ist, daher natürlich auch ein Anstieg der positiv Getesteten. Wie wir von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wissen, ist bei einer niedrigen Durchseuchungsrate die Fehlerquote der falsch positiv Getesteten sehr hoch. Wer dann die Tabelle der Todesfälle der an oder mit Covid-19 Verstorbenen anschaut, sieht: Seit Mitte Juni liegen die Todesfälle pro Million Einwohnern in den USA bei 2,2 Toten pro Tag. Diese Zahl ist viel aussagekräftiger als 60.000 Infektionen ohne Relation. In Deutschland gibt es heute zirka 0,09 Corona-Tote pro einer Million Einwohner pro Tag. Insgesamt verlassen uns im Schnitt hier täglich 2600 Menschen. Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit aller Maßnahmen muss erlaubt sein, genauso wie Zweifel an der Notwendigkeit der Maskenpflicht.

Marit Helbig, Braunschweig

Menschen sterben an, nicht mit Corona

Zu „Weil: Hochachtung vor Wolfsburger Pflegekräften vom 14. Juli“:

Die immer wieder verwendete Redewendung, die Menschen starben „an Corona oder mit Corona“ stellt eine eklatante Diskriminierung älterer und vorerkrankter Menschen dar. Es reicht langsam mit diesem verbalen Unsinn. Die Corona-Toten sind alle in Folge der Corona-Erkrankung gestorben. Wenn ein Achtzigjähriger an Krebs stirbt, sagt man auch nicht, er sei an oder mit Krebs gestorben.

Carola Schmidt, Didderse

Weil sollte für echte Verbesserungen sorgen

Zum selben Thema:

Weil kommt und applaudiert den Pflegekräften, wie es viele in der schlimmsten Phase der Pandemie taten. Es wäre schön gewesen, er hätte auch die von der Politik versprochenen Verbesserungen für das Pflegepersonal im Gepäck gehabt. Soweit mir das bekannt ist, ist von dem mit viel Bohei angekündigten Bonus von 1500 Euro – um nur ein Beispiel zu nennen – bei den Menschen in Pflegeberufen nicht immer etwas angekommen. Von strukturellen Verbesserungen, wie angemessenen Personalschlüsseln ganz zu schweigen.

Wilfried Ottersberg, Cremlingen

AfD geht auf Wählerfang

Zu „AfD-Fraktion fordert Ende der Maskenpflicht“ vom 14. Juli:

Die Abschaffung der Maskenpflicht würden viele als Zeichen dafür nehmen, dass man es jetzt geschafft hat. Einige werden sich dann auch an die anderen Regeln nicht mehr halten. Die Partyszene wird dann wieder starten.

Die Forderung, die Maskenpflicht wieder abzuschaffen, ist typisch für die AfD. Mit scheinbar populären Maßnahmen geht man auf Wählerfang. Hätte man sich immer an die Forderungen dieser Partei gehalten, hätte man jetzt Verhältnisse wie in Brasilien. Es hilft auch nicht, die Bekämpfung von Corona nur regionalen Stellen zu überlassen. Ein Flickenteppich von Verordnungen hat auch schon in Kalifornien zu einem riesigen Anstieg der Zahl der Infizierten geführt.

Karl-Heinz Wunderling,

Lehre

Es gibt genug Kirchen und Moscheen

Zum Kommentar „Es lebe die Weisheit“ zur Wiederumwidmung der Hagia Sophia zur Moschee:

Ich kann ihrer Forderung nach einer interreligiösen Nutzung – nur von zwei Religionen? – der Hagia Sophia nicht zustimmen, denn das bleibt in der gleichen Logik wie Präsident Erdogans Denken. Nur die von Kemal Atatürk durchgesetzte säkulare Nutzung als Museum bietet meines Erachtens die Möglichkeit, gegen die religiösen Konflikte dieser Welt einen Kontrapunkt zu setzen. Es gibt genügend Moscheen und Kirchen in Istanbul, und wenn wir wirklich Frieden auf Erden wollen, sollten wir die Religion aus Politik und staatlichem Handeln in allen Ländern heraushalten und sie endlich in den Bereich des Privaten verlagern.

Michael Beck,

Wolfenbüttel

Auch in Bremen wird Braunkohl genossen

Zur Kolumne „Tischgespräche – Grenzen und Gräben“ vom 9. Juli:

Bei allem Lokal-Patriotismus (Wortspiel beabsichtigt) – der Begriff Braunkohl ist nicht auf Braunschweig begrenzt. Auch jenseits der Landesgrenzen in der benachbarten Hansestadt wird „Bremer Braunkohl“ mit Genuss verspeist. Begleitet wird der Kohl traditionell von der „Bremer Pinkel“. Wir pflegen zuhause einen bremisch-niedersächsischen Konsens: Braunkohl mit Pinkel und Bregenwurst.

Karsten Bogun, Wolfsburg

Die Bundeswehrist kein Ponyhof

Zum Leserbrief „Wehrpflicht löst Probleme nicht“:

Die Bundeswehr ist kein Ponyhof, und dass der Leserbriefschreiber dort so viel Negatives erleben musste, darüber kann man nur den Kopf schütteln. Die BRD ist aber ihren Nato-Partnern verpflichtet, etwa bei gefährlichen Auslandseinsätzen. Und nicht zu vergessen, dass unsere Soldaten bei Katastrophen immer ihren Beitrag geleistet haben.

Erika Fuchs, Helmstedt

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