„Früher gab es Märchen und Sagen, heute Tatort“

Der Schauspieler Wotan Wilke Möhring ermittelt als „Tatort“-Kommissar Thorsten Falke auch schon mal in unserer Region.

Foto: Ingo Wagner/dpa

Der Schauspieler Wotan Wilke Möhring ermittelt als „Tatort“-Kommissar Thorsten Falke auch schon mal in unserer Region. Foto: Ingo Wagner/dpa

Braunschweig  Zu „Ein harmloser Irrsinn“ vom 29. Dezember:

Gewalt ist schon jahrhundertelang ein Teil der ländlichen Unterhaltungskultur. Auch im Braunschweiger Land. Durch die bis ins 19. Jahrhundert überlieferten Volkssagen, die unter anderem in Richard Andrees „Braunschweiger Volkskunde“ zu finden sind, wissen wir, dass sich die Dorfbewohner in den dunklen Monaten in den Spinnstuben trafen und sich dort Märchen und Sagen erzählten. Es waren häufig lokal modifizierte Mythen, die in ähnlicher Weise auch anderswo zum Unterhaltungsstoff wurden. Inhaltlich handelte es sich um dieselben Gestalten, meist um Gespenster, Kobolde und Zauberwesen wie Werwölfe. Blutrünstig waren sie allemal, wie etwa in Wittingen von einem Doppelsauger, einer Art Vampir, die Rede war, oder in vielen Dörfern im Wolfenbütteler und Helmstedter Raum kopflose Reiter, Jäger, Bauern und Pastoren gesichtet wurden. Darin wird auch ihre symbolische Funktion ersichtlich. Meist hatten sich solche beispielhaften Wiedergänger zu Lebzeiten etwas zuschulden kommen lassen. Als Untote fungierten sie in den dörflichen Erzählungen als wandelnde Mahnmale aus dem Jenseits, um die Lebenden vor kriminellen oder unmoralischen Handlungen zu warnen, abzuschrecken und mithin zu unterhalten. Das Fernsehen als „Herdfeuer“ der Moderne mit Gewalt und Horror hat also eine jahrhundertealte Tradition.

Dr. Uwe Day, Braunschweig

Krimis erfüllen Gerechtigkeitssinn

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Die immer wieder gern gesehenen Wild West-Filme unterhalten seit frühesten Zeiten ihr Publikum mit Schießereien zwischen Gangstern und Sheriffs, zwischen Gangstern und Indianern und zwischen Gangstern untereinander. Kriegsfilme – ob nun „kriegsverherrlichend“ oder pazifistisch geprägt – beinhalten als ein wichtiges Element Gewalt und Töten. In Historienschinken fallen nicht selten ganze Heerscharen über einander her und metzeln viele Minuten lang auf dem Bildschirm. Übrigens: Auf MDR laufen häufig Krimis aus DDR-Produktion, in denen es vergleichsweise wenig blutrünstig zugeht. Das wäre mal einer Untersuchung wert!

In den Kriminalfilmen dienen das Überführen des Mörders, das Liquidieren des Entführers, die erfolgreiche Jagd nach dem Erpresser etc. auch dem Bedürfnis des Fernseh-Guckers nach Gerechtigkeit, die in aller Regel am Ende hergestellt wird. Dies scheint mir neben der erzeugten Spannung und dem „Genuss“ der beliebten Darsteller ein ganz wichtiger Grund mit zu sein, dass sich die Krimis einer so großen Begehrlichkeit erfreuen.

Eyke Isensee, Wolfenbüttel

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