„Die Zitate im Leserbrief waren frei erfunden“

Joschka Fischer und Jürgen Trittin von den Grünen werden im Internet oft falsch zitiert. Foto Franziska Kraufmann/David Ebener dpa

Joschka Fischer und Jürgen Trittin von den Grünen werden im Internet oft falsch zitiert. Foto Franziska Kraufmann/David Ebener dpa

Braunschweig Der Leser Sieghard Wilhelm aus Wolfsburg hat uns darauf hingewiesen, dass die Zitate von Jürgen Trittin und Joschka Fischer in dem Leserbrief „Merkel nähert sich grüner Politik“ vom 3. August nicht stimmen. Wir haben sie vor der Veröffentlichung überprüft, aber offenbar nicht sorgfältig genug. Denn diese Zitate finden sich zwar tausendfach im Internet wieder. Aber – und das hätte uns auffallen müssen – in Blogs und auf Internetseiten, die vor allem eins im Sinne haben: die Grünen zu diffamieren. Wir bitten hierfür um Entschuldigung.

Im obigen Leserbrief wird Joschka Fischer der Satz zugeschrieben: „Deutschland muss von außen eingehegt und von innen durch Zustrom heterogenisiert, quasi verdünnt werden.“ Als Quelle ist „Die Welt“ vom 7. Februar 2005 angegeben. Tatsächlich ist an dem Tag eine Besprechung von Joschka Fischers Buch „Risiko Deutschland“ in der Zeitung erschienen, und auch der Satz taucht auf. Aber es sind die Worte der Autorin Mariam Lau, die damit Joschka Fischers Sorge vor einem – wenn auch demokratisch gefestigten – Deutschland ohne Westbindung und europäischer Integration umschreibt.

Das zweite Zitat betrifft Jürgen Trittins angebliche Äußerung: „Es geht nicht um Recht oder Unrecht in der Einwanderungsdebatte. Uns geht es zuerst um die Zurückdrängung des deutschen Bevölkerungsanteils in diesem Land.“ Erschienen ist das angeblich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) vom 2. Januar 2005. Nach Rücksprache mit den Kollegen im FAS-Archiv hat es dieses Interview nicht gegeben, es handelt sich um kein FAS-Zitat, es ist frei erfunden.

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