Experte: Einfache Masken sind für Kinder unproblematisch

Braunschweig.  Ein Lungenspezialist rät bei selbstgenähten Corona-Masken, dass diese nicht zu eng am Gesicht anliegen dürfen – und warnt vor Fake News.

Die einfachen Mund-Nasen-Schutzmasken aus der Apotheke lassen genug Luft hindurch und stellen damit keine Gefahr für Kinder dar.

Die einfachen Mund-Nasen-Schutzmasken aus der Apotheke lassen genug Luft hindurch und stellen damit keine Gefahr für Kinder dar.

Foto: Uli Deck / dpa

„Ist das Tragen von Masken für Kinder unbedenklich?“ Das möchte unsere Leserin Susana Heuchert aus Wolfsburg wissen.

Beim Einkaufen, bei Fahrten mit Bus und Bahn oder in den Gängen und Fluren im Schulgebäude – eine Mund-Nase-Bedeckung ist in diesen Situationen in Niedersachsen auch für Kinder ab sechs Jahren vorgeschrieben. Neben genügend Abstand und Hygieneregeln sollen durch das Tragen der Masken die Mitmenschen vor den eigenen Viren geschützt und eine Ausbreitung der Corona-Pandemie eingedämmt werden. Aber wie verträglich sind Masken für Kinder eigentlich?

Mund-Nasen-Schutz ist für Kinder ab Grundschulalter geeignet

„Es gibt nach meinem Kenntnisstand bezüglich des Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes keine Bedenken aus kinder- und jugendärztlicher Sicht“, teilt Dr. Tanja Brunnert dazu mit. Sie ist Kinder- und Jugendärztin in Göttingen und Sprecherin im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte für Niedersachsen. Für jüngere Kinder sei eine Maske nicht sinnvoll, da sie aus Altersgründen noch nicht in der Lage seien, damit korrekt umzugehen. „Kinder ab dem Grundschulalter sind sicherlich in der Lage den Mund-Nasen-Schutz zu tragen“, so die Medizinerin. Diese Empfehlung gibt auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Die DGKJ weist zudem daraufhin, dass Säuglinge zur Prävention des plötzlichen Kindstodes generell keine Masken tragen sollten.

Bedenklich findet Dr. Michael Barczok Meldungen in den sozialen Medien, nach denen Kinder durch das Tragen einer Maske im Schulbus zusammengebrochen und ums Leben gekommen seien. „Dabei handelt es sich um Fake News. Diese Behauptungen sind gegenstandslos“, sagt der Mediziner. Er arbeitet am Lungenzentrum in Ulm und ist Sprecher des Bundesverbandes der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner. Auch nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur und Nachforschungen des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv haben sich diese Meldungen als haltlos ergeben.

Welche Masken sind für Kinder geeignet?

„Einfache Mund-Nasen-Schutzmasken aus der Apotheke sind unproblematisch“, sagt Barczok im Gespräch mit unserer Zeitung. Diese einfachen Masken aus Vliesstoff seien ausreichend luftdurchlässig. Zudem würden die Bedeckungen nicht zu eng am Gesicht anliegen. So könne auch von den Seiten Luft hineingelangen. Dadurch entstehe auch kein Stau von Kohlendioxid hinter der Maske.

„Kinder haben ein kleineres Atemzugsvolumen. Das bedeutet, sie atmen häufiger und schneller“, erklärt der Lungenspezialist. Durch dieses Atemverhalten sei der Luftaustausch bei Kindern sogar noch besser als bei Erwachsenen. Ein Problem sieht der Arzt darin, wenn diese einfachen Masken feucht oder nass würden. „Das Atmen wird dann schwerer“, sagt er. Er empfiehlt Eltern und Kindern, mehrere Masken bereitzuhalten. Wenn eine Maske feucht geworden sei, könne sie gegen eine andere ausgetauscht und nach dem Trocknen wiederverwendet werden.

Selbstgenähte Masken dürfen nicht zu eng anliegen

Anders als bei den einfachen „Papiermasken“ aus der Apotheke sehe die Situation bei den sogenannten „Community-Masken“ aus. „Die selbstgemachten Masken sind gesetzlich zulässig, aber sie unterliegen keinen Vorgaben“, sagt der Mediziner. Das Problem sei, dass die Masken oder Tücher zum Teil zu eng anliegen. Dadurch würden diese eher feucht und der Atemwiderstand erhöhe sich. „Wenn man merkt, dass das Atmen mühsam wird, sollte man die Maske bitte wechseln“, sagt der Arzt. Aus seiner Sicht seien die Masken aus der Apotheke empfehlenswerter. Denn diese Mund-Nasen-Schutze unterliegen als Medizinprodukte gesetzlichen Normen.

Die DGKJ weist im Zusammenhang mit den selbstgenähten Masken darauf hin: „Es ist nicht zutreffend, dass Masken umso besser schützend wirksam wären, je dichter der Stoff ist: Eher das Gegenteil ist der Fall.“ Es sei zwar wichtig, dass der Stoff der Behelfsmasken dicht gewebt und bei mindestens 60 Grad waschbar sei. Aber der Stoff müsse auch so durchlässig sein, dass dadurch geatmet werden könne. „Wenn der Stoff zu dicht ist und der Atemzug damit wesentlich beeinträchtigt wird, wird zwangsläufig an der Maske vorbei geatmet (oben, unten, an der Seite) und der gewünschte Schutzeffekt wird nicht erzielt“, heißt es in der Empfehlung weiter.

Befreiung von der Maske sollte immer individuell mit dem Arzt besprochen werden

Bei Kindern, die in Folge einer Erkrankung in ihrer Herz- oder Lungenfunktion eingeschränkt sind, sollte das Risiko einer Maske individuell mit dem Arzt abgeklärt werden. „Sollte es eine medizinische Indikation zum Nichttragen geben, wird dies der betreuende Kinder- und Jugendarzt sicherlich schon mit den Patienten und den Eltern besprochen haben“, meint dazu Kinderärztin Brunnert.

Lungenspezialist Barczok betont, dass Kinder mit einer schweren Lungenschädigung in Folge einer Mukoviszidose-Erkrankung besonders auf eine Maske angewiesen seien, um sich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Für diesen Selbstschutz sollte eine FFP-2-Maske getragen werden. „Eine Maskenbefreiung ist dabei widersinnig“, betont der Mediziner. Die DGKJ rät in ihrer Empfehlung im Normalfall von FFP-2-Masken für Kinder ab, da diese zu einem erhöhten Atemwegswiderstand führen und damit das Atmen erschweren könnten.

Coronavirus in Niedersachsen- Alle Fakten auf einen Blick

Masken verursachen keine kurz- oder langfristigen Schäden

„Kann das längere Tragen von Masken bei Kindern Langzeitschäden verursachen und gibt es dazu bereits Untersuchungen?“ Das fragt unsere Leserin Michaela Einenberger aus Wolfenbüttel.

Langzeitschäden gibt es laut Barczok durch die einfachen Masken nicht. Zwar würden keine Untersuchungen direkt zu Kindern vorliegen, aber es gebe vergleichbare Studien aus den USA zu OP-Masken. Diese Untersuchungen belegten, dass Masken keine kurz- oder langfristigen Schäden verursachten.

„Bei aller Diskussion sollte man sich immer vor Augen halten, dass in der Kinderonkologie Mund-Nasen-Schutz zum täglich Gut gehört. Betroffene Kinder tragen ihn zum Selbstschutz regelmäßig“, gibt Kinderärztin Brunnert zu bedenken. Vor diesem Hintergrund bestehe für Kinder ab dem Grundschulalter keine Gefahr durch das Tragen einer Maske.

Coronavirus in der Region – hier finden Sie alle Informationen

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (5)