Gemeinsam mit Maske und Abstand für mehr Klimaschutz

Braunschweig.  Unter dem Motto „#KeinGradWeiter“ haben auch in unserer Region zahlreiche Aktionen von Fridays for Future stattgefunden.

Kundgebung von Fridays for Future vor den Braunschweiger Schloss mit der Band Maniacks.

Kundgebung von Fridays for Future vor den Braunschweiger Schloss mit der Band Maniacks.

Foto: Bernward Comes / Braunschweiger Zeitung

„Der Klimaschutz wartet nicht bis Corona vorbei ist“, sagt Corinna Senftleben unserer Zeitung am Freitagnachmittag auf dem Braunschweiger Schlossplatz. Wie viele hundert andere auch war die Braunschweigerin dem Aufruf von Fridays for Future (FFF) zum „globalen Klimastreik“ gefolgt.

Plakate wurden geschwenkt wie „Klimawandel ist wie Bier – zu warm ist scheiße“ und Banner gehisst. „Jetzt handeln für die Zukunft unserer Kinder“ stand auf einem davon. Aber nicht nur in Braunschweig, auch in vielen weiteren Orten Niedersachsens sind am Freitag Tausende Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. Es war der erste Klimagroßprotest der FFF-Bewegung seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Der Streiktag fand nach Angaben von FFF in mehr als 450 Städten in ganz Deutschland statt. Auch weltweit demonstrierten Menschen für mehr Klimaschutz, darunter auch das Gesicht der Bewegung, Greta Thunberg.

Demonstration nur mit Hygienekonzept

„Die Organisation war wegen Corona nicht ganz so einfach wie sonst“, sagt Alice von Fridays for Future in Braunschweig. Aber man habe sich deutschlandweit vernetzt und Hygienekonzepte entwickelt. Denn für alle Demonstrationen im Bundesgebiet galt: Maske und Abstand. Diese Hygieneregeln wurden auch weitgehend eingehalten.

Für die Fahrrad- und Fußdemo, die sich vom Braunschweiger Schlossplatz aus in Bewegung setzte, erwartete die Gruppe 600 Teilnehmer. Das Publikum vor dem Schloss war breitgefächert mit Vertretern von Umweltschutzorganisationen, Parteien und Gewerkschaften. „Wir setzten uns schon seit Jahrzehnten für den Klimaschutz ein. Corona schiebt uns direkt darauf zu, dass etwas gemacht werden muss“, meinte eine Demonstrantin.

Da in vielen Städten die Demonstrationen erst am Nachmittag angesetzt waren, war auch für viele Schülerinnen und Schüler eine Teilnahme kein Problem. „Generell ist die Lage hier sehr entspannt. Es sind nur Einzelfälle, wenn Lehrer mal nicht mitziehen“, meint Alice. Ein Problem wegen unentschuldigter Fehlstunden gebe es deswegen in der Regel nicht.

"Fridays For Future"-Demo in Braunschweig
Fridays For Future -Demo in Braunschweig

Größte Demo in Hannover

„In unserer Funktion müssen wir unpolitisch sein, deshalb können wir keine Schüler zum Streik aufrufen“, sagt Florian Reetz. Der Braunschweiger ist Vorsitzender des niedersächsischen Landesschülerrates (LSR). Aber die Vertreter des LSR begrüßten es natürlich, dass sich so viele Schüler auf die Straße begeben. Denn: Klimaschutz gehe alle etwas an. „Da viele Demonstrationen nachmittags sind, erfüllt es auch nicht das Klischee vom Schuleschwänzen“, meint Reetz. Aus seiner Sicht seien in der Corona-Pandemie die Prioritäten etwas anders gesetzt worden. „Bei Corona haben wir gesehen, dass man eine Krise anpacken kann. Der Klimaschutz ist nicht weniger geworden, es ist auch eine Krise.“ Und diese Krise gelte es ebenso anzugehen.

Die größte Demonstration in Niedersachsen gab es in Hannover. Hier wurde an insgesamt acht Standorten der Cityring in der Innenstadt lahmgelegt. Mit den Sitzblockaden wollten die Aktivisten den Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) an sein Wahlkampfversprechen erinnern, die Innenstadt bis 2022 autofrei zu machen. Nach Angaben der Polizei folgten 1300 Demonstranten dem Aufruf. 20.000 Menschen waren ursprünglich von den Veranstaltern angemeldet worden.

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Hunderte gehen in unserer Region für das Klima auf die Straße

Aber nicht nur in der Landeshauptstadt, auch in weiteren Orten zwischen Harz und Heide sind die Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. Mehr als 100 Teilnehmer beteiligten sich in Wolfenbüttel an einer Kundgebung auf dem Stadtmarkt. Anschließend zog der Demonstrationszug durch die Wolfenbütteler Innenstadt. In Peine radelten rund 100 Demonstranten vom Rathaus aus los. Auch in Goslar hatte die Bewegung zu einer Fahrraddemo geladen.

Rund 130 Demonstranten zogen in Gifhorn vom Schillerplatz bis zum Marktplatz. Dort hielt die Landtagsabgeordnete Imke Byl (Grüne) eine Rede zum Thema Energiewende. Auf dem Helmstedter Marktplatz versammelte sich eine Gruppe von etwa 30 Jugendlichen und Erwachsenen. Begleitet von zwei Polizeiwagen machte sich dann ein Demonstrationszug auf den Weg durch die Innenstadt. Für die Helmstedter FFF-Bewegung war es erst die zweite Kundgebung überhaupt. Eher übersichtlich gestaltete sich hingegen der Klima-Sitzstreik auf dem Wolfsburger Rathausplatz. Nur eine Handvoll Erwachsener folgte in der Wölfestadt dem Aufruf – die Freitags-Schüler suchte man dabei jedoch zur Enttäuschung der Veranstalter vergeblich.

Wofür gehen die Klimaaktivisten auf die Straße?

Fridays for Future pocht auf die Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens und fordert, die globale Erwärmung auf unter 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Konkret für Deutschland fordert die Bewegung auf ihrer Homepage die „Nettonull“ bis 2035 zu erreichen, den Kohleausstieg bis 2030 zu vollziehen und die Energieversorgung bis 2035 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu gestalten. „Nettonull“ bedeute, dass das Land nicht mehr Kohlendioxid produzieren soll, als die Natur und Speichersysteme aufnehmen können.

Um die globale Erwärmung unter 1,5 Grad zu halten, sei es entscheidend, Treibhausgasemissionen so schnell wie möglich stark zu reduzieren. Als sofortige Maßnahmen fordert FFF deshalb ein Ende der Subventionen für fossile Energieträger, ein Viertel der Kohlekraftwerke abzuschalten und eine CO2-Steuer auf alle Treibhausgasemissionen zu erheben. Dabei solle der Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen den Kosten entsprechen, die dadurch künftigen Generationen entstehen würden. Das seien 180 Euro pro Tonne Kohlendioxid.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Fridays for Future mehrere Klimagroßproteste veranstaltet. An den sogenannten Klimastreiks nahmen Hunderttausende Menschen weltweit teil. Allein im vergangenen September demonstrierten dabei 10.500 Menschen zwischen Harz und Heide (unsere Zeitung berichtete). Wegen der Corona-Pandemie hatten sich viele Protestaktionen der Bewegung in diesem Jahr ins Netz verlagert.

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