Den Fakt vom Fake unterscheiden

Braunschweig  Auszubildende setzen sich in unserem Projekt „Zukunft Bilden“ ein Jahr lang mit Medien und Falschmeldungen auseinander.

Der Bundes-Tag liegt im September, Deutschland feiert 200 Jahre Unabhängigkeit von den USA und Angela Merkel ist Mitglied der NPD. Dies sind keine dystopischen Parallelwelten, sondern Antworten Jugendlicher bei einer Radio-Umfrage. Christoph Schulz, Vorstandsvorsitzender der Braunschweigischen Landessparkasse, hat sie bei der Auftaktveranstaltung zu unserem Auszubildenden-Projekt „Zukunft Bilden“ vorgetragen, als Beispiele für Fehlinformationen. Schulz wollte Jugendlichen keine grundsätzliche Unwissenheit vorwerfen, trotzdem appellierte er an die Auszubildenden: „Nicht auf Fake reinfallen, sondern auf die Fakten schauen!“

So werden 240 Auszubildende aus 18 Unternehmen unserer Region ein Jahr lang am „Zukunft Bilden“-Projekt unserer Zeitung teilnehmen. Sie erhalten täglich eine Zeitung, können hinter die Kulissen in die Redaktion schauen, sich bei Mitmach-Aktionen weiterbilden und sozial engagieren. Um den achten Jahrgang des Projekts einzustimmen, betont Christoph Schulz in seinem Grußwort im BZV Medienhaus die Bedeutung der Teilhabe an Gesellschaft, Demokratie und Meinungsbildung.

„Ich freue mich darauf, durch das Zeitunglesen mit meiner Familie und meinen Freunden in den Austausch über wichtige Themen zu kommen“, sagt Stephanie Kapischke, Auszubildende bei der Landessparkasse. Eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Umwelt wünscht sich auch Armin Maus, Chefredakteur unserer Zeitung: „Seien Sie um Gottes Willen misstrauisch.“ Um Fakt von Fake zu unterscheiden, gebe es fünf Richtlinien: Woher kommt die Nachricht? Welche Belege gibt es dafür? Welche Interessen könnten hinter der Nachricht stehen? Gibt es weitere Quellen, die die Nachricht bestätigen? Der letzte Tipp von Maus lautet: „Machen Sie sich schlau! Informieren Sie sich!“

In den Mitmachaktionen, die Projektredakteurin Nadine Zimmer betreut, sollen die Auszubildenden über den Tellerrand blicken. In einer Schreibwerkstatt lernen sie, wie ein Text entsteht, und schreiben selbst Beiträge, die in unserer Zeitung erscheinen werden. Während einer Druckereiführung wird gezeigt, wie die Texte aus den Computern aufs Papier kommen – auch, wenn 200 Teilnehmer während des Projektjahres ihre Zeitung in der digitalen Version bevorzugen. Bei einem Rhetorik-Seminar lernen die Auszubildenden, vor anderen zu sprechen, in einem Fitness-Workshop, wie sie gesunde Ernährung, Bewegung und Berufsalltag in Einklang bringen.

Ein weiterer, wichtiger Bestandteil von „Zukunft Bilden“ ist die Aktion „Seid ein Geschenk für die Region“. Die Jugendlichen bereiten Ferienangebote für Kinder vor oder spielen Bingo mit Senioren. Sie engagieren sich in sozialen Projekten.

Eine Absolventin von „Zukunft Bilden“, Evi Wehr-Paulus, rät dem neuen Jahrgang: „Lasst euch drauf ein.“ Sich mit Medien zu beschäftigen, heiße auch, gegen Fake-News besser gewappnet zu sein. „Stromlinienförmige Leute haben wir genug, wir brauchen Querdenker“, sagt Schulz. Sich eine Meinung zu bilden, politisch einzubringen, sei keine gesellschaftliche Kür, sondern Bürgerpflicht.

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