Kaya Yanar in Braunschweig: Warum er seinen Vater nicht versteht

Braunschweig.  Der 45-Jährige Comedian spielt sein Programm „Ausrasten für Anfänger“ in der Stadthalle Braunschweig und bestätigt Hochzeitsgerüchte.

Kaya Yanar regte sich bei seinem Auftritt in Braunschweig über allerlei Alltagsthemen auf.

Kaya Yanar regte sich bei seinem Auftritt in Braunschweig über allerlei Alltagsthemen auf.

Foto: Rüdiger Knuth

Es gibt so viele Sachen, über die man sich aufregen kann. Über Menschen, die aus Protzgründen grotesk überdimensionierte und -motorisierte Autos fahren. Über Leute, die die alle Dimensionen sprengende Mordmaschinerie der Nazis als Fliegenschiss bezeichnen. Über Luxusmode-Marken, die ihre Kleider in Näh-Batterien fertigen lassen.

Über all das kann man sich mit gutem Grund ereifern. Aber es kommt in Kaya Yanars Programm „Ausrasten für Anfänger“ nicht vor.

Kaya Yanar hat andere Themen

Vermutlich, weil er sonst Kabarettist und kein Comedian wäre. Comedians haben andere Themen. Sie reden sich in Rage über die angeblich mehrstündigen Körperpflege-Orgien ihrer Partnerinnen. Über das Fehlverhalten anderer im Straßenverkehr. Oder im Flugzeug. All so was.

Kaya Yanar auch. Er spottet über das labyrinthische „Ikea-Gefängnis“, scherzt am Mittwochabend in der Stadthalle aber oft selbst im Comedy-Knast.

Ein fabulöser Geräuschimitator

Mit 45 schon ein paar Jahre im Geschäft, tritt Yanar quirlig auf, ist immer in Bewegung, spricht oft in einer hell nölenden, ziemlich penetranten Stimmlage, die er aber mühelos verändern kann zu knurrigem Knarzen oder durchaus wohltönendem Bariton. Unter anderem. Er ist auch ein fabulöser Geräuschimitator. Dabei wirkt er immer noch jugendlich und spielt gekonnt mit jenem Sympathie-Bonus, den man seiner südländisch-lockeren Art entgegenbringt, dem verschmitzten Charme, mit dem er deutsches Herdenverhalten hochnimmt.

Migrationsthemen schlägt Yanar diesmal kaum an. Nur anfangs, wenn er über seinen türkischen Vater erzählt. „Anders als in 99 Prozent aller türkischen Familien in Deutschland wollte er, dass zuhause Deutsch gesprochen wird.“ Der Vater habe auf eine Win-Win-Situation gehofft: „Ihr Deutsch lernt und ich Deutsch lerne“. Problem: Er und sein Bruder hätten den radebrechenden Vater oft nicht verstanden. Und praktisch kein Türkisch gelernt.

Die Popcorn-Eskalation

Über die Familie kommt Yanar auf die 80er-Jahre, als man Datasetten für den C 64 hatte. „Die sahen aus wie Musikkassetten. Aber die kennt ihr ja auch nicht mehr.“ Damals habe man Kinoabende noch genießen können, weil die Popkorntüten menschliches Maß hatten und nach der Werbung leergefuttert waren. Heute gebe es übermenschlich große Portionen und Mampf-Belästigung bis zum Abspann. Da kann sich Kaya drüber aufregen.

In der Pause lässt er sich über social media mitteilen, was sein Publikum nervt. „Das Autobahnschild Hannover in Braunschweig“, schreibt einer. Wenn sich keine Rettungsgasse bildet, ein anderer. Und,

pointiert: „Die Ehefrau meines Geliebten.“

1500 Fans in der Stadthalle

Kaya nerven noch Leute, die einen in der Kassenschlange mit ihrem Einkaufswagen anrempeln, und der gnadenlose Verdrängungswettbewerb, der einsetze, wenn eine zweite Kasse öffnet. Die Parfumwolken alter Frauen am Flughafen und das Zappeln des Hintermannes im Flugzeug. Richtig lustig ist Yanar, wenn er sein darstellerisches Talent auslebt, wenn er die sinnvernebelnde Wirkung eines Bollywood-Films veranschaulicht oder die beängstigenden Geräusche, die seine Partnerin beim Schminken verursacht. Übrigens habe er tatsächlich vergangenes Jahr geheiratet, bestätigt Yanar vor rund 1500 Fans in der Stadthalle aktuelle Gerüchte.

„Allerdings nicht heimlich“, betont er. „Wir haben es nur niemandem erzählt.“ So vergehen knapp zwei Stunden unterhaltsam, aber nicht zum Ausrasten.

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