Unter Rittern

Magdeburg  Magdeburg spielt eine Richard-Löwenherz-Oper von Händel und Telemann.

Johannes Wollrab als Richard (links) und Filippo Mineccia.

Johannes Wollrab als Richard (links) und Filippo Mineccia.

Foto: Andreas Lander

Mit einer Oper über den legendären englischen König Richard I. Löwenherz lag Händel mal wieder goldrichtig. Als Krönungsoper für den Welfen Georg II. in London war ein Stück über den Schwager Heinrichs des Löwen bestens geeignet. Der edle Kreuzritter war in England ein Idol. Zudem vermochte Händel gleich zwei Primadonnen mit gleichwertigen Arien zu versehen, und die Wirrnisse um die vertauschte Braut in Zypern boten Exotik, Ränke, Ritterkämpfe. So lässt man Kassen klingeln.

Magdeburgs Oper hat sich im Rahmen der Telemann-Tage Telemanns Hamburger Fassung vorgenommen. Mit dessen deutschen Rezitativen, neuem Komikerpaar – und den italienischen Arien Händels. Leider ist Regisseur Michael McCarthy gar nichts eingefallen, um uns die Handlung heute spannend zu machen. Weder die üppige Schönheit der historischen Barockoper noch aktualisierende Überlegungen des heutigen Regietheaters kommen zum Tragen.

Simon Banham hängt ein paar Wolkenprospekte hin, am Ende geht die Sonne auf. Ansonsten wird rumgestanden, pathetisch agiert, nur die Komiker dürfen als dem Publikum entsteigende Kommentatoren zappeln. Bühnenarbeiter reichen mal ein Schwert zu, mal zuckeln sie an der Brautschleppe oder kippen Sand auf die Bühne: ein Stück Distanzierung ohne sichtlichen Nutzen, mit den alten Rittern hätte sich eh keiner identifiziert.

Musikalisch wechseln Entzücken und Entsetzen. Das leise, fahle Stimmchen von Juliette Allen als Richards Braut Berengera wähnt man stets kurz vor der Erschöpfung. Unbeständig auch der Bass von Louis Rouiller als Zypernkönig Isacius. Dagegen kann sich Bariton Johannes Wollrab als Richard im Laufe des Abends doch noch zu herrscherlicher Fülle steigern. Grandios singt die zweite Dame: Raffaela Lintl glänzt als Zypernprinzessin mit weicher Stimmfülle, eleganten Koloraturen und leuchtendem Ton. Und auch Filippo Mineccia als Orontes, der mit beiden Frauen flirtet sowie Richards Schulterschluss gern zulässt, ist phänomenal: Ein Countertenor mit geschmeidiger Stimme und Charme.

Nur zwei tolle Stimmen und David Sterns flottes Dirigat mit Originalklangeffekten wie der herrlichen Blockflöte sind zu wenig. Im Barock war auch die Szene wichtig! Nochmal heute, 19.30 Uhr.

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