Und noch ’ne Komödie

Braunschweig  „Der Kleingartenkönig“ im Heinz-Erhardt-Stil unterhält bestens.

Botond von Gaal, Kay Szacknys, Gaby Blum, Klaus Krückemeyer, Patrick L. Schmitz und Aline Joers (von links) kämpfen ums Gartenzwerg-Idyll.

Botond von Gaal, Kay Szacknys, Gaby Blum, Klaus Krückemeyer, Patrick L. Schmitz und Aline Joers (von links) kämpfen ums Gartenzwerg-Idyll.

Foto: Imagemoove

„Der Kleingarten-König“ beginnt vielversprechend. Gleich in der ersten Minute wird am Donnerstag in der Komödie am Altstadtmarkt applaudiert und gelacht. Beifall gibt es für das detailreiche Bühnenbild. Der Vorhang öffnet sich, und man sieht in zwei Kleingärten mit urigen Lauben, Bänken, Pumpen, rostigen Geräten und Blumen. Runtergerockt idyllisch.

Gelacht wird über Bewohner Horst Krüger (Klaus Krückemeyer), als er zur Nachbarin „Guten Morgen, Elvira“ ruft. Was für eine Stimme. Sie klingt wie eine quietschende Schwengelpumpe.

Horst hat bei einem Werbeslogan-Wettbewerb einen zehntägigen Urlaub gewonnen. Sein Freund Willy soll in der Zeit den Garten pflegen. Der ist erst mäßig begeistert über den unerwarteten Auftrag – bis er Gaby sieht, Elviras Tochter: „Gaby ist noch nicht vergeben? Der Schrebergarten gefällt mir immer besser.“

Der Clou an der Komödie von Jan Exler: Willy Witzmann ist eine Verkörperung von Heinz Erhardt – mit Pointen, schöpferischen Formulierungen und Gedichten, die man bereits von dem 1979 gestorbenen Komiker kennt. Schon bei der Begrüßung beginnt der schelmisch-launige Erhardt-Sound: „Das Wetter schien heute so schön herab. Jetzt bin ich schon da.“

Patrick L. Schmitz lässt alle Eigenheiten munter wiederaufleben: die verdrehten Redewendungen und das stotternde Ansetzen, das vorfreudige Lachen, die linkische Hibbeligkeit und das verspätete Erfassen einer Situation, während er schon spricht. Da hat man fast den Eindruck, auch sein durchgeschwitztes Hemd gehöre zur Rolle.

Auch das weitere Ensemble agiert charmant und fidel. Erzählt wird von der Bedrohung der Idylle. Ein italienischer Unternehmer möchte auf dem Gelände eine Nudelfabrik bauen. Der Vorsitzende des Gartenvereins hat bereits alles eingetütet. Lässt sich das Vorhaben noch stoppen? Willy, der im Garten gerade seinen eingeäscherten Wellensittich beigesetzt hat, hat eine Idee: Man könnte beim Graben doch „zufällig“ Scherben finden, die Archäologen interessieren...

Die in den 1960er-Jahren spielende Komödie hat in der ersten Hälfte Schwung und Witz. In der zweiten Hälfte lahmt sie etwas. Da ist der Wortwitz überschaubar und die Rolle des klischeehaft gezeichneten Italieners wenig bereichernd – überraschungsfrei.

Gesamteindruck der Inszenierung von Andreas Werth ist jedoch: Der zweistündige Abend ist leicht und heiter, auch dank der beschwingten Schlager in den Umbaupausen, etwa „Charming Boy“ von Paul Kuhn.

Tags darauf beim Blick ins Programmheft dann noch eine Überraschung: Horst und der stellvertretende Bezirksarchäologe wurden vom selben Schauspieler dargestellt? Respekt, die Verwandlung ist gut gelungen!

Vorstellungen bis 17. Dezember, Karten unter (0531) 1218680.

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