Strahlender Bruckner im Kaiserdom Königslutter

Königslutter.  Bei den Domkonzerten Königslutter interpretierte Gerd Schaller mit dem Staatsorchester Braunschweig Bruckners 7. Sinfonie.

Der Dirigent Gerd Schaller.

Der Dirigent Gerd Schaller.

Foto: Cella seven

Im ersten Teil des Domkonzerts zu Königslutter konnte man eigentlich nur staunen, wie fingerfertig Salomo Schweizer den virtuosen Solopart in Mozarts Oboenkonzert bewältigt, dabei im Blasen auch über weite Tonkaskaden die Kondition behält und für Ausdrucksfrische und innige Fülle sorgt. Das hat just den jungenhaften Charme, der Mozart auszeichnet. Dirigent Gerd Schaller und das Staatsorchester müssen da fast nur den sicheren Boden liefern. In der Zugabe, einer Arie aus Vivaldis „Giustino“, kommt dann bei Schweizer auch noch der gefühlvolle, fast romantische Ton zum Tragen – und in der langhallenden Akustik des Kaiserdoms auch besonders gut zur Geltung.

Das Schwergewicht Bruckner bestimmte den zweiten Konzertteil. Mit Gerd Schaller war da ein Dirigent gewonnen, der bereits sämtliche Bruckner-Sinfonien als CD-Box eingespielt hat und sich dabei von den oft düster-geheimnisdräuenden Interpretationen seiner Kollegen deutlich absetzt. Sein Bruckner-Bild ist eher festlich-klar, und das setzt er auch mit dem bestens intonierenden Staatsorchester im Kaiserdom mit einer fast verblüffenden Brillanz um. Wenn sich die Töne langsam entfalten dürfen, dann macht der Dom auch mit, und es ergibt sich ein üppiges, aber durchhörbar geschichtetes Klangbild. Die Streicher bleiben präsent, das Blech legt sich aus der Tiefe des Raums drüber, manchmal dringen Trompeten signalhaft durch.

Anklänge an Bruckners Hausgott Richard Wagner sind allfällig, sowohl im munteren Beginn mit dem merkwürdigen Pulsen à la „Meistersinger“ wie in den sehnsuchtsvolleren Streicherpassagen im „Parsifal“-Ton. Prächtig gelingt das schmerzhafte Forte-Aufseufzen des Blechs, bevor der Satz optimistisch mit einem großen, hellen Crescendo schließt wie ein Sonnenaufgang.

Das unter dem Eindruck von Wagners Tod noch einmal veränderte Adagio startet in den Streichern mit „Parsifal“-Atmosphäre, wechselt aber bald zu einem lichten, wiegenden Geigenmotiv. Auch hier klingen die glockenhaften Fanfaren groß und festlich. Doch dann ging für Bruckner eine Welt zu Ende, Wagner wird unter dem dunkel-wohligen Klang seiner Wagner-Tuben, einsam weinender Flötentöne und weicher, himmelströstlicher Streicher zur letzten Ruhe gebracht.

Wie ein Gewitter prescht dann das Scherzo herein, ein Trompetenruf wie ein Hahnenschrei durchpulst das wiederbeginnende Leben und reitet durch alle Instrumentengruppen. Es hat etwas Karussellartiges und wird dann vom hymnischen Finale mit Wagners Werde-Motiv der Wala und Bläserchoral abgelöst zu einem gottesfürchtigen Crescendo-Jubel. Schallers Bruckner strahlt. Großer Applaus.

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